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10. Oktober 2006

AnyDVD Dem Linkverbot folgt die Selbstzensur

Vor vielen Jahren schien die Sperrung der Zeitschrift "Radikal" beim niederländischen Provider XS4ALL zu demonstrieren, dass Sprech- und Linkverbote im Internet kontraproduktiv sind: die Seite wurde auf zahllosen Mirrors gespiegelt. Abmahnungen wegen missliebiger Webinhalte zogen in der Vergangenheit ebenfalls häufig die Aufmerksamkeit auf die Kritik, anstelle sie aus dem Netz zu entfernen. Mittelfristig scheint jedoch die Gewöhnung einzukehren - und das Thema in der Versenkung zu verschwinden. So im Fall AnyDVD, das in Deutschland mit Linkverbot belegt ist.

Dass Links auf das Produkt des Herstellers Slysoft als "Werbung" missverstanden werden könnten, zog noch ein weites Presseecho nach sich. Danach wurde AnyDVD noch im Rahmen des Sony-Rootkit-Skandals erwähnt - das Programm zum Umgehen von Kopierschutztechniken auf DVDs und CDs verhinderte, dass sich die Sony-Malware auf Rechnern installierte und konnte zur Säuberung infizierter Rechner verwendet werden. Anschließend wurde es stiller im deutschsprachigen Internet.

Eine einzige Meldung eines schweizer Magazins verzeichnen die deutschen Google News noch zum Erscheinen der Version 6.0.8.0. Inhalt: die Version kann den "Protect DVD-Video"-Schutz via unlesbarer Sektoren nun ebenfalls aushebeln, FluxDVD werde besser unterstützt. Das in Deutschland geltende Linkverbot findet hingegen keine Erwähnung.

Auch in den deutschsprachigen Blogs ist das Schweigen im Walde eingekehrt, während die 6.0.8.0 das Aufkommen des Suchbegriffs "AnyDVD" in anderen Sprachen seit gestern deutlich erhöht hat.

Der Gewöhnungseffekt ist bedenklich: nach anfänglicher Aufmerksamkeit scheinen selbst so absurde Eingriffe wie Linkverbote Wirkung zu zeigen - nach anfänglichem, hohen Interesse kehrt nach gewisser Zeit Normalität ein. In dieser findet die inkriminierte Software nicht mehr öffentlich statt.

Die Analogie kann weitergedacht werden - schließlich ist AnyDVD kein Einzelfall und tritt die Gewöhnung nicht nur hier auf. Bedenklich stimmen sollten die beispielsweise von odem.org dokumentierten Bestrebungen zur Internetzensur in Deutschland. Das Beispiel AnyDVD zeigt, wie schnell man sich daran gewöhnt, beziehungsweise der Effekt eines Linkverbots - zwar verzögert - einsetzt, um anschließend irgendwann nicht mehr wahrgenommen zu werden.

  • 10 Kommentare zum Artikel
  • Zitat: Zitat von the clown  noch ein Beispiel für Selbstzensur: Heute wurde ein Beitrag von mir in einem Elektrikerforum gelöscht. Ich habe darin vorgeschlagen, einen Elektromotor eines Kompressors, der im Winter nicht anlaufen will unter Umgehung des Sternanlaufs direkt im Dreieck zu starten. Das Verfahren funktioniert und ist unter Ingenieuren unumstritten. Stromkonzerne schreiben jedoch den ...

    ~Insider~ am 12.10.2006 04:10
  • @insider: Ist zwar schön länger her, hab aber auch nichts zum Threadthema zu sagen, sondern vielmehr das: Danke für Deine Signatur!

    Oma Eusebia am 16.03.2007 16:51
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