gullinews am Freitag, 02.11.2007 14:12 Uhr
Die Redaktion der Sendung Polylux tituliert ihren Beitrag mit den Worten "Die deutsche Terrorgesetzgebung - ein Orwellscher Alptraum." Ganz so extrem sieht die bloggende Lebensgefährtin die Angelegenheit offensichtlich nicht:
"Das würde ich so nicht völlig unterschreiben. Trotzdem beschäftige ich mich zunehmend mit der Frage, wie sich Überwachung auf das Verhalten auswirkt. (...)"
Schon am 30. Oktober hat man in 3sat die Frage gestellt, was in den Augen der Fahnder den Stadtsoziologen zum Terroristen gemacht hat? Machen schon alleine die Untersuchungen des Ost-Berliner Stadtteils Prenzlauer Berg den Wissenschaftler zum Verdächtigen? Muss man in seinen Arbeiten nur bestimmte Begriffe wie Gentrification benutzen, um auf sich aufmerksam zu machen? Fragen, auf die man mit Sicherheit keine Antwort bekommen wird. Allerdings dürfte es gerade einen Soziologen (oder auch Psychologen) interessieren, wie ein solcher Fall tatsächlich Einfluss auf das eigene Verhalten hat. Auf jeden Fall wird man gewollt oder ungewollt vermehrt auf tuschelnde Männer vor der Bäckerei und auch auf andere Personen achten, die einen observieren könnten. Ohne Fahrschein eine Bahn oder einen Bus zu benutzen erscheint dem überwachten Andej Holm bei der real existierenden Bedrohung zu gefährlich. Dann doch lieber zurück nach Hause und die Monatskarte holen. Das Versenden verschlüsselter E-Mails oder ein Treffen mit Freunden ohne Handy könnte in den Akten nachteilig beurteilt werden. Dichte Vorhänge sollen die Privatsphäre der eigenen vier Wände schützen. Der Fernseher piept häufiger, weil das Handy offensichtlich abgehört wird. Was am Telefon kann man noch sagen, wen anrufen?
Auch wenn man den Filmbeitrag von Polylux leider als etwas einseitig und wertend sehen muss, kann man sich über eine vermehrte Darstellung dieses Falles in den großen Sendeanstalten des Landes nur freuen. Das Video kann auch online angeschaut werden.
Spannend und relevant für uns Zuschauer des Szenarios ist nicht zuletzt die Frage, ob unser einer ohne TOR oder ähnliche Sicherheitsmaßnahmen den Blog dieser Frau besuchen kann, ohne selber ungewollt ins Fadenkreuz der Ermittler zu geraten.
Und welche Konsequenzen dies nach sich ziehen kann, hat der Fall A. Holm nur zu deutlich gezeigt.
| 53 Reaktionen aus dem gulli:Board |
|---|
pInA_CoLaDa am 07.11.2007 22:08:06: |
obnixus am 08.11.2007 05:54:16: |
titus_shg am 08.11.2007 12:15:21: |
Suche
Verwandte NewsHeute Deadline für den 'Was ist Terrorismus'-Wettbewerb
Geschichte wird gemacht: Was brachte die Woche #48? (mit annalist)
Kein Terrorist: Bespitzelter Berliner Soziologe Andrej H. bleibt in Freiheit
Was ist Terrorismus? 129a-Watchblog richtet Wettbewerb aus
Leben als Terrorist: Eine vom BKA überwachte Bürgerin bloggt