gullinews am Dienstag, 21.11.2006 14:58 Uhr
Eine "neue Dimension" habe der Fall laut dem Vorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei Konrad Freiberg. Dass nicht nur Waffen, sondern auch Sprengstoff im Spiel war, sei bislang bei ähnlichen Fällen nicht vorgekommen. B. zündete nach Eintreffen der Polizei am Tatort Rauchbomben. In der Politik flammt die Diskussion über ein Verbot sogenannter "Killerspiele" erneut auf.
Nur werden die Möglichkeiten, sich ein Bild von Motiven und Hintergründen des Amoklaufs zu machen, systematisch aus dem Netz entfernt. Mirrors der Webseite www.stay-different.de werden in erstaunlicher Geschwindigkeit gelöscht, berichtet werden bereits 12 Löschungen von Mirrors bei diversen Freehostern seit gestern abend. Versucht man, die Seite aufzurufen, wird man aufgefordert, den Usernamen und Passwort für "Polizei NRW" einzugeben.
Das Livelournal von ResistantX aka Sebastian B. ist bislang noch zu erreichen. Anders beispielsweise chemikalien.de: "Wir arbeiten zur Zeit noch an der Seite", läßt das Team verlauten, in deren Forum ResistantX nach Informationen über Sprengstoff und Bombenbau fragte. Im Googlecache sind die Texte bisher noch archiviert.
Ein Archiv der Website B.s ist auf gulli:share hochgeladen worden. Auch der Hilferuf des Amokläufers auf dem Beratungsnetz ist (inzwischen nur noch im Google-Cache) noch verfügbar.
So ist es zur Zeit noch durchaus möglich, sich ein Bild vom Seelenleben des Amokläufers zu machen. Das Web 2.0 macht die Menschen sichtbar - von einer Domainabfrage bis zum Luftbild des Wohnorts, von seiner bevorzugten Musik und seinen Lieblingsfilmen, von den ICQ-, AIM- und Yahoo-kontakten bis hin zu den Videos(Google-Cache), die er gedreht hat - Myvideo meldet inzwischen, der Film "werde bearbeitet".
Und mit dem von ResistantX bevorzugten "Bowling for Columbine" kann man fragen, ob nun Michael Moore, KMFDM, Wumpscut oder WIZO für seinen Amoklauf verantwortlich waren. Oder doch die Killerspiele?
Fragen kann man sich das jedoch nur, solange die Inhalte noch im Netz verfügbar sind. Denn momentan werden die Mirrors schneller gelöscht, als sie erneut gefüllt werden. Gründe: unbekannt. Die Zensierer sollten sich jedoch fragen, ob sie die Statements eines Jugendlichen, dessen Anliegen im Internet offensichtlichst darin bestand, gehört zu werden, ins Datennirvana schicken wollen. Und ob sie sich zu Handlangern von Akteuren machen lassen, deren Hauptinteresse offenbar in einer öffentlichen Diskussion besteht, die von Fakten und Originalquellen möglichst wenig belastet wird.
| 270 Reaktionen aus dem gulli:Board |
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Kontrolltroll am 21.04.2008 14:09:44: |
musicjunkie am 21.04.2008 14:25:04: |
mac-seal am 21.04.2008 15:07:47: |
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