Die Gemeinde der Amigafans hat wieder einen Grund mehr zum Grübeln gefunden. Seit einigen Tagen wirbt die Website von Amiga.com mit der Einführung neuer Hardware in Zusammenarbeit von Amiga, Inc. und der kanadischen Firma ACK Software Controls, Inc. Das Entwicklerteam dieser Hardware besteht aus einer einzigen Person, Adam Kowalczyk, der in Personalunion auch der Geschäftsführer von ACK Software Controls ist. Er arbeite nach eigenen Angaben seit zwölf Monaten an dem neuen Hardwaredesign. Nächste Woche, so verspricht man vollmundig, würde es mehr Details über die Spezifikationen und den Preis der neuen Geräte geben.
In den USA gab es auch offenen Widerspruch, nachdem in der Stadt Kent nahe Seattle das Unternehmen Amiga Inc. das Sponsoring des "Kent Event Center" in Zusammenarbeit mit der dortigen Stadtverwaltung bekannt gab. Geschäftsführer Bill McEwen veröffentlichte zudem, man plane den Firmensitz ebenfalls in die Stadt Kent zu verlegen. Diverse Stimmen beunruhigter Bürger wurden auf topic.net laut, Gerüchte über unbezahlte Mitarbeiter von Amiga Inc., die bereits vor Gericht um ihre Löhne klagen würden, bekannt. McEwen musste diese Informationen bereits öffentlich zugeben. Im Forum von topic.net wurde behauptet, Amiga Inc. hätte sich die finanzielle Existenz über die letzten Jahre angeblich mit weniger sauberen Geschäftspraktiken gesichert. Wie auch immer, bis auf diverse Versprechungen und der Vertrieb aufgekaufter Handyspiele ist bis jetzt nichts Greifbares passiert.
Fest steht, die immer geringer werdene Zahl der verbliebenen Amigafans ist sowieso schon weit verstreut. Da wäre die Fraktion des Amiga One zu nennen - kein Computer aber ein Mainboard mit Prozessor, welches von der britischen Firma Eyetech entwickelt wurde. Dagegen hält der Kreis der Fans des Rechners PegasosPPC, vertrieben vom Unternehmen Genesi. Deren Briefkastenadresse ist von Luxemburg in die USA ausgewandert. Last but not least die Benutzer der herkömmlichen Amigas, die ihrerseits untereinander meist auch nicht kompatibel sind. Neben den alten Amiga-Serien wie A1000/2000/3000, A500 etc. sind die der AGA-Generation des A1200/A4000 etc. zu nennen. Dazu kommen die Cyberstorm- und Blizzard-Prozessorkarten auf PPC-Basis von phase5 aus Oberursel. Man sieht, der auf ein Minimum geschrumpfte Markt ist auch ohne neue Hardware von Amiga Inc. schon jetzt in unzählige Fraktionen unterteilt.
CEO Bill McEwen zauberhaft. Torsten Dudai 2000
Der Aachener Geschäftsmann Jens Schönfeld von Individual Computers kommentierte die aktuellen Neuigkeiten in einem englischsprachigen Forum dementsprechend ironisch mit den Worten: "Diese News haben einen großen Unterhaltungswert, mehr davon!" Er selbst arbeitet derzeit am Clone-A, einer wohnzimmertauglichen Box, die absolut kompatibel zum klassischen Amiga, dem A500 sein wird. Dieses Gerät kann mit modernen Flash-Medien gefüttert und an einen herkömmlichen Fernseher angeschlossen werden. Das erklärte Ziel des Aacheners ist keine neue power-Hardware, sondern ab Weihnachten der Vertrieb eines kompatiblen Amiga für diejenigen Kunden, die damals beim A500 mit minimalen Erweiterungen ausgestiegen sind.
Gänzlich neue Hardware hält er bei dieser fraktionierten Marktsituation für wenig sinnvoll. Die wenigen Geräte, die man verkaufen könnte, würden seiner Meinung nach die Entwicklungskosten niemals decken. Zwar verfügt man auch bei Individual Computers über kein mehrköpfiges Entwicklerteam - aber im Gegensatz zum kanadisch-amerikanischen Dreamteam (Amiga & ACK) kann Schönfeld immerhin eine Historie von selbst produzierter und ausgelieferter Hardware vorweisen. Eine Vorführung des Clone-A Prototyps hat
bereits mehrfach stattgefunden. Die Besucher der AmiWest Show im Oktober letzten Jahres in Sacramento wurden aufgefordert, eigene Disketten mit Programmen für den A500 mitzubringen, um zu sehen, ob die Software auch auf dem Clone-A laufen würde.
Die englischsprachige Zeitschrift Total Amiga hat in einer früheren Ausgabe ein ausführliches Gespräch mit Schönfeld über alle Details dieses Vorhabens geführt, das Interview kann kostenlos als PDF herunter geladen werden. Auch können sich Interessierte das Video eines Seminars vom April diesen Jahres als Torrent-Datei downloaden. Wie geht's weiter? Flaute ist bis auf weiteres angesagt - aber an diesen Zustand haben sich die Amigafreaks längst gewöhnt.
Wenn es denn jemals neue Hardware geben sollte, sollte das von Amiga Inc. kommende AmigaOS 4 allerdings kaum nativ abwärtskompatibel sein, was die auf MorphOS basierenden inoffiziellen Varianten ja können.
shit - SuFu ist zwar toll, aber unter den Links gibts nichts mehr. edit: ich schlaf noch einwenig .... da ist ja ein re-up. @Mirxxx Davon gehe ich aus, daß die Abwärtskompatibilität nicht mehr gegeben sein wird. Wäre schade, aber auch nachvollziehbar, denn die Technik der alten Systeme ist doch schon sehr veraltet um sie in ein Produkt zu packen, daß es sicher nicht leicht haben wird auf dem Markt. Auch wenn ich den Amiga immer noch ...
Es geschieht der Amiga-Community völlig recht daß sie zwischen propietären Varianten zu kleinen Bröseln zerrieben wird. Niemals hätten sie sich auf propietäre Spielereien von Firmen einlassen dürfen: Da ist man auf Gedeih und Verderb den Launen des Herstellers ausgeliefert. Gerade Amiga-User hatten jede Menge Optionen auf freie Betriebssysteme, selbst wenn man mit Linux nicht warm wurde, gabs mit AROS einen echten Open-Source-Clone. ...
Tja - nachhinenin betrachtet, hätte man viel anders machen können.