gullinews am Mittwoch, 02.01.2008 12:19 Uhr
Aus 12.000 "Verdächtigen" werden in der schönen alten Medienwelt schnell "viele Täter", die auch noch "davonkommen" sollen - es geht um Kinderpornografie, da dürfen Ungenauigkeiten dieser Art wohl toleriert werden. Und auch fefe zeigt, wie aus einem "irren Verwaltungsaufwand für fast gar nichts" ein 12.000 Personen starker "Kinderschänderring" wurde.
Tatsächlich ging es offenbar um die Besucher eines einfachen Pornoportals. Udo Vetter berichtet von einem Mandanten, gegen den ebenfalls wegen angeblichem "Besitz von Kinderpornografie" ermittelt wurde. Das Verfahren wurde eingestellt, die Bilder seien legal gewesen, befand der Richter - nur dumm, dass bis dahin bereits die Ehefrau die Scheidung eingereicht und der Chef die Kündigung ausgesprochen hatte. Vetters Fazit:
"Als Konsequenz aus der Aktion 'Himmel' kann man wohl nur dazu raten, Sexseiten überhaupt nicht mehr anzusurfen. Zu groß ist die Gefahr, dass sie in ihren Untiefen (auch) illegalen Content enthalten, aber schon der Besuch auf legalen Seiten einen 'Anfangsverdacht' bei den Fahndern auslöst."
Dass damit mitnichten übertrieben wird, bestätigt der in der Operation "Himmel" involvierte Hallenser Oberstaatsanwalt Peter Vogt: dieser wies laut Reuters darauf hin, dass
"...sich Internetnutzer bei Kinderpornografie sehr schnell strafbar machten. 'Schon wenn zielgerichtet mit bestimmten Begriffen nach Kinderpornografie gesucht werde, macht man sich strafbar.' Internetnutzer, die Mails mit kinderpornografischem Inhalt erhielten, sollten sich bei der Polizei melden und die Mail weitergeben. 'Schon als Adressat solcher Mails kann man ins Visier der Ermittler kommen.'"
Eine hübsche Anleitung zum Denunzieren. Man verfasse eine Mail mit einschlägigem Inhalt, versende sie anonym an eine Reihe von Empfängern (natürlich mit sichtbarer Adressatenliste) und hoffe darauf, dass einer der so belästigten User die Mail, Vogts Rat entsprechend, an die Polizei weiterleitet. Anschließend warte man die folgenden Hausdurchsuchungen ab.
Übertriebene Sorge? Deutlicher als Vogt kann man die Vorgehensweise der StA nicht beschreiben, überzeugender als die "Aktion Himmel" wird kaum ein Praxisbeispiel sein. Und dass die Opfer auch nach erwiesener Unschuld den Job los sind und vor Scheidung und Sorgerechtsverfahren stehen, nun, auch das ist nach Udo Vetters Bericht längst Realität. Schönes neues Jahr.
| 133 Reaktionen aus dem gulli:Board |
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Chronoton am 21.01.2008 23:59:52: |
bin_nur_gast am 07.02.2008 21:03:15: |
ludwighagen am 17.03.2008 20:12:43: |
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