gulli: AIM schafft die Privatsphäre ab
14. März 2005

AIM schafft die Privatsphäre ab

Neue Nutzungsbedingungen nehmen dem User praktisch alle Rechte (Update)

Still und leise hat AOL die Nutzungsbedingungen des Instant-Messengers AIM geändert. Der User verliert an der Kommunikation, die er über den AIM führt, gegenüber AOL damit praktisch alle Rechte: AOL behält sich vor, jegliche Kommunikation zu überwachen, auszuwerten, verkaufen, verwenden und zu publizieren. "You waive any right to privacy", "Sie verzichten auf jegliches Recht auf Privatheit", dies in der Lizenzbestimmung zu einem Produkt, über welches User sich vor allem zu persönlichen und damit sensiblen Themen austauschen, ganz zu schweigen vom sicherheitstechnischen Aspekt.

Im Wortlaut:
"In addition, by posting Content on an AIM Product, you grant AOL, its parent, affiliates, subsidiaries, assigns, agents and licensees the irrevocable, perpetual, worldwide right to reproduce, display, perform, distribute, adapt and promote this Content in any medium. You waive any right to privacy. You waive any right to inspect or approve uses of the Content or to be compensated for any such uses."

Und auf Deutsch:
"Zusätzlich geben Sie, wenn Sie Inhalt in einem AIM-Produkt übermitteln, AOL, seinen Dachgesellschaften, Partnerfirmen, Tochterunternehmen, Bevollmächtigten und Lizenznehmern das unwiederrufliche, fortdauernde, weltweite Recht, diese Inhalte in beliebigen Medien wiederzugeben, anzuzeigen, vorzuführen, zu überarbeiten und zu verbreiten. Sie geben jegliches Recht auf Privatheit auf. Sie geben jedes Recht auf, diesen Inhalt auf seine Verwendung zu prüfen oder für seine Verwendung Vergütungen zu verlangen." Alles, was man über AIM schreibt, kann demnach nicht nur beliebig protokolliert, überwacht und für Werbetreibende ausgewertet werden, sondern AOL darf diese privaten Unterhaltungen auch nach Belieben veröffentlichen.

ICQ beispielsweise schreibt in den Nutzungsbedingungen dagegen ausdrücklich, dass "...the information you access or receive by using the ICQ Software, or available on the ICQ Services and Information or information sent to you by other users is provided, entered or posted by the users and is not reviewed, controlled, examined, verified or endorsed by ICQ Inc. in any way." Der Nutzer wird weiter darauf hingewiesen, dass es zahlreiche Möglichkeiten von Angriffen auf die Privatheit seiner Unterhaltungen geht und weiter, dass ICQ entsprechenden gesetzlichen Anforderungen zur Userüberwachung nachkommen wird. Vergleichsweise offene Worte - während AIM momentan seine User still und leise verkauft. Oder die User sich und ihre Privatsphäre unwissentlich an AOL verschenken.

Zusammenfassend kann man nur sagen: Von einer Nutzung ist bis auf weiteres abzuraten.

Update: AOL streitet entsprechende Vorwürfe inzwischen ab: Die Abgabe der Verwertungsrechte beziehe sich ausschließlich auf öffentliche Forenpostings, nicht auf private Kommunikation über den AIM, so AOL-Sprecher Weinstein. AOL würde die AIM-Mitteilungen von Usern untereinander weder überwachen noch irgendwo speichern. Ungeachtet dessen räumt die Art der Formulierung AOL exakt diese Rechte ein, und an einem Satz wie "You waive any right to privacy" gibt es leider nicht viel zu interpretieren.

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