gulli: Afrika: Nigeria wird zum gefährlichen Pflaster für Blogger

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03. November 2008

Afrika Nigeria wird zum gefährlichen Pflaster für Blogger

So hatte sich Jonathan Elendu den Aufenthalt in seinem Geburtsland sicher nicht vorgestellt: Als der in den USA lebende Nigerianer am 18. Oktober in der Hauptstadt Abuja sein Flugzeug verließ, wurde er bei der Passkontrolle von Polizisten des Staats-Sicherheits-Dienstes (SSS) festgenommen.

Elendu verbrachte daraufhin elf Tage unter unzumutbaren Bedingungen im Gefängnis. Sieben Tage lang wurde er in Einzelhaft gehalten und noch drei weitere Tage dauerte es, bis er erstmals mit einem Anwalt sprechen durfte. Während dieser Zeit wusste er noch nicht einmal, ob das jemals geschehen würde. Polizisten hatten ihm erzählt, seine Anwälte und seine Familie hätten sich von ihm abgewandt.

"Am zehnten Tag durfte ich zum ersten Mal mit meinen Anwälten sprechen. [...] Mein Anwalt erzählte mir von dem Erguss an Liebe und Unterstützung für mich aus der ganzen Welt. Ich bin zusammengebrochen und habe geweint.

Ich weinte, weil mir vom SSS gesagt worden war, dass ich von meinen Anwälten und meiner Familie verlassen sei. Ich wusste, dass das falsch war. Ich weinte, weil ich nicht wusste, dass meine Lage öffentlich bekannt war. Ich weinte, weil ich einfach überwältigt war von der Unterstützung und mich fragte, ob ich eure Liebe verdient hätte. Und ich weinte für mein Land."

Mit diesem Bericht meldete sich Elendu aus dem Gefängnis zurück. Während seiner Gefangenschaft hatten nigerianische Blogger sich intensiv um die Freilassung ihres Kollegen bemüht. Ein gemeinsamer Protest war für den 31. Oktober geplant - nur einen Tag vorher kam Elendu frei.

Die Gründe für die Inhaftierung des Exilnigerianers sind alles andere als klar. Elendu war aus seiner Heimat in Michigan nach Nigeria gekommen, um an zwei Dokumentarfilmen und einen Bühnenstück zu arbeiten, die er bereits früher im Jahr begonnen hatte. Seine Verhaftung scheint allerdings eher auf seine journalistische Arbeit zurückzuführen sein.

Als offizielle Angabe wurde lediglich gemacht, dass er für die "Unterstützung einer Guerilla-Nachrichtenagentur" inhaftiert worden sei. Was sich genau dahinter verbirgt, ist seitdem Thema von Spekulationen. Eine häufig genannte Theorie ist eine eher lose Verbindung zu Sahara Reporters. Die Online-Nachrichtenseite gilt als regierungskritisch, aber wenig seriös.

Auch das von Elendu betriebene kritische Politblog "Elendu Reports" könnte eine Ursache für die Verhaftung gewesen sein. Der Betroffene selbst schweigt sich bisher über die Hintergründe aus, da seine Papiere weiterhin in der Hand der Polizei sind und er somit nicht ausreisen kann.

Unterdessen ist bekannt geworden, dass seit letzter Woche ein weiterer nigerianischer Blogger im Gefängnis einsitzt. Emmanuel Emeke Asiwe, Journalist und Betreiber des Onlineportals huhuonline.com wurde wie Elendu festgenommen, als er von seinem Wohnsitz in den USA nach Nigeria reiste.

Über das Schicksal von Emeke Asiwe, der unter anderem zwischen 2000 und 2003 für die nigerianische Regierung des letzten Präsidenten Obasanjo gearbeitet hat, ist bisher nicht viel weiteres bekannt. Er wird seiner eigenen Website zufolge wie zuvor Elendu im Hauptquartier des SSS verhört.

Die beiden Verhaftungen sind die ersten Inhaftierungen von Bloggern in einem afrikanischen Staat südlich der Sahara. Solomon Sydelle sieht darin eine "Abkehr von der Demokratie". Nigeria hat eine lange Geschichte von zweifelhafter Meinungsfreiheit insbesondere unter dem Abacha-Regime. Unter Präsident Olusegun Obasanjo hatte sich die Sitation für Journalisten zumindest ein wenig gebessert.

Der 2007 gewählte Nachfolger Obasanjos, Umaru Yar'Adua, dagegen setzt mit den Verhaftungen von Jonathan Elendu und Emmanuel Emeke Asiwe ein deutliches Zeichen, dass Nigeria sich in die Reihen von China, Ägypten und dem Iran begeben will, die bereits regelmäßig gegen unliebsame Blogger vorgehen. (Simon Columbus)

(via Nigerian Curiosity, thx)

  • Ich kenne da einen selbst ernannten apostolischen Internetsherrif, der würde liebend gerne den einen oder anderen Blogger in der gleichen Situation sehen wie Jonathan Elendu, aber vorher noch schnell deren ganzes Geld kassieren.

    elChupaCabra am 04.11.2008 07:08
  • Für was steht SSS?

    Project_2501 am 04.11.2008 10:09
  • Zitat: Zitat von Project_2501  Für was steht SSS? SSS= State Security Services

    soricsoon am 04.11.2008 12:11
  • Thanks, dachte schon es wäre wirklich Solid State Society Haha

    Project_2501 am 04.11.2008 12:27
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