
Wieviel Kanada noch im Verband der kanadischen Musikindustrie übrig ist, fragt Copyrightexperte Michael Geist rhetorisch, nachdem sechs kanadische Plattenlabel den Verband verlassen haben. Diese geben an, dass die aktuellen Forderungen des Verbands negative Effekte auf das Wachstum der kanadischen Labels haben werden.
"Es ist in den vergangenen Monaten in wachsendem Maße klar geworden, dass die Positionen der CRIA zu einigen wichtigen Bereichen der Musikindustrie nicht mehr mit unseren Interessen als unabhängige Labels übereinstimmen."
So der gemeinsame Brief der sechs Labels. Nettwerk-Präsident Ric Arboit geht noch einen Schritt weiter: Die CRIA vertrete die Interessen einiger multinationaler Labels, nicht die kanadischen. Nettwerk machte vor kurzem von sich reden, als sie die Prozesskosten einer verklagten Filesharerin komplett übernahmen und sich gegen die Kriminalisierungskampagnen der Dachverbände einsetzten.
Zweifelhafte Lobbypolitik tat ein weiteres: die ehemalige kanadische Kultusministerin Sarmite Bulte ließ sich großzügig vor dem Wahlkampf von der CRIA finanziell unterstützen, scherte sich wenig um die Wirkung auf die musikliebende Wählerschaft, deren Vertreter sie gelegentlich auch als "Pro-User-Fanatiker" beschimpfte - und wurde daraufhin prompt abgewählt.
Für Missstimmung sorgte auch CRIA-Chef Henderson, der kürzlich die Abschaffung der Leermedienabgaben forderte, da diese eine Legitimation des Musiktauschs im Netz darstelle. Die Leermedienabgabe ist eine wichtige Einnahmequelle der kanadischen Musiker, die selbst die getrost als überhöht veranschlagten Verluste durch Verkaufsrückgänge der letzten Jahre übertrifft.
Die CRIA steht damit vor massiven Problemen. Während sie bereits die Musikfans und die wählende Bevölkerung gegen sich aufgebracht hat, verlor sie - im Rahmen ganz normaler Wahlen - Unterstützung in den Regierungsgremien und wird nun ausgerechnet auch noch von den Akteuren verlassen, deren Interessen sie vorgibt zu vertreten: den kanadischen Plattenfirmen.
Dass ihre Strategie mit den Realitäten nichts mehr zu tun hat, hätte sie an sich schon längst ahnen können. Denn dass sie ihre besten Kunden kriminalisiert, ergab eine Studie, die sie selbst in Auftrag gegeben hatte - im März diesen Jahres.
News Redaktion am Mittwoch, 19.04.2006 15:06 Uhr
Sehr nice. Lese ich immer gerne. Zumindest sind die nicht so hirnverbrannt wie ihre amerikanischen Kollegen der RIAA, die mal eben das Internet abschalten wollen :lol: ...
Kann sein es gibt in Kanada gute Musik,von kleinen Labels vertreten,die auch gekauft wird,weil gut. ...
Wo bleibt die Einsicht unserer Politiker? ein widerspruch in sich??? warum sollten sie ihre meinungen ändern?? ...
Wo bleibt die Einsicht unserer Politiker? Die arbeiten immer noch fleißig gegen das Volk. Dafür waren sie jedoch nie gedacht. ...
Ist Kanada einmal mehr der Zeit voraus? Der Verband der kanadischen Musikindustrie bricht momentan auseinander. Skandale und der wachsende Widerstand der Labels gegen die Kriminalisierung ihrer tauschenden Kundschaft treiben den Auflösungsprozess an. Sechs kanadische Labels haben nun den Verband ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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