
"Verkaufe ich jemandem ein materielles Gut, sagen wir, ein Auto, so hat nach dem Geschäft der Käufer das Auto, ich habe es nicht mehr. Verkaufe ich jedoch jemandem eine Information, so hat nach dem Geschäft natürlich der Käufer die Information, ich habe sie aber auch noch."
Prof. Dr.Wolfgang G. Stock, Universität Düsseldorf
Das digitale Zeitalter brach in die privaten Haushalte ein, noch bevor sich der Gesetzgeber an die neuen Technologien anpassen konnte. "Immer wenn neue Techniken zum Vertrieb von Unterhaltung und Information eingeführt werden, gibt es eine Übergangsphase, bis die rechtlichen Bestimmungen die Technik einholen", bemerkte Lawrence Lessig, Professor für Jura an der Stanford University. Bis dahinsieht der Gesetzgeber sich mit Problemen einer digitalen Gesellschaft konfrontiert, denen er mit herkömmlichen Gesetzen gerecht zu werden versucht. Die Informationstechnologie ist die nächste Herausforderung, der sich die Gesellschaft zu stellen hat. Das Thema führt geradewegs zu philosophischen Debatten über Software und Information im allgemeinen.
Vertrauen ist ein Gut
Wie Bill Gates der Community 1976 in seinem Open Letter mitteilte, könne er keinen Sinn darin erkennen, mit viel Geld und Mühe Software zu entwickeln, um dann zuzusehen, wie sie jeder kopiert. Aus wirtschaftlicher Sicht entwickelt ein Unternehmer ein Produkt zum Zweck der Gewinnmaximierung und möchte dementsprechend vergütet werden. Doch wenn es um den Preis einer Information beziehungsweise Software geht, tun sich die Entwickler schwer.
Jeder Besitzer eines Luxusfahrzeugs kennt den Wert seines Autos. Der praktische Wert muß dabei nicht ausschlaggebend sein. Dinge wie Fahrsicherheit, Geräumigkeit und moderne Technik möchte man sicherlich nicht missen. Ginge es aber allein um den Nutzen, würde auch eine durchschnittliche Automarke in gleicher Ausstattung genügen. Der persönliche Wert übersteigt oft den Nutzeffekt, bei einem Luxuswagen spielen beispielsweise die Marke und die Exklusivität eine Rolle. Natürlich muß ein Produkt auch eine Nachfrage befriedigen, der Konsument muß das Gefühl haben, daß das Produkt einen Zweck erfüllt. Der emotionale Aspekt und das persönliche Empfinden sind jedoch ebenfalls wichtige Kaufentscheidungen. Menschen kaufen Dinge nicht aus reinem Nutzen heraus.
Bei Software dagegen sieht es anders aus. Es ist nicht die Marke, die eine Kaufentscheidung hervorruft. Hier steht die Funktionalität, also der Nutzen, im Vordergrund. Ebenso eigen verhält es sich mit den Entwicklungskosten eines Autos gegenüber denen einer Software. Bei einem neuen Automodell entstehen wie bei allen Produkten Entwicklungskosten. Sobald dieser Prozeß abgeschlossen ist, folgt die Produktion. Die Zusammensetzung des Fahrzeugs in der Fabrik nimmt Material- und Arbeitskosten in Anspruch. Auch bei einer Software entstehen Entwicklungskosten. Sobald die Software diese Kosten eingeholt hat, gehen jedoch die Herstellungskosten gegen null. Die Software kann nun ohne großen Aufwand vervielfältigt werden, schließlich besteht sie lediglich aus kopierbaren Daten. Daher sind beim Kauf einer Software so gut wie keine Materialkosten zu bezahlen. Der Kunde erwirbt lediglich die Kopie.
Der Wert einer Software ist also der Verkaufspreis, den das Unternehmen für diese Software ansetzt. Was der Kunde am Ende erwirbt, kann nicht am Rohmaterial gemessen werden. Dabei handelt es sich um einen Datenträger, der einen Materialwert unter einem halben Cent hat. Weder das Gewicht des Datenträgers noch die Verpackung lassen den Wert des Produktes erkennen. Für den Kunden ist es deshalb nicht annähernd möglich, den realen Wert der Software nachzuvollziehen.
Der Kunde muß dem Hersteller glauben, daß der Preis dem Nutzen entspricht. Außerdem muß er darauf vertrauen, daß das Programm auch bei längerer Nutzung seinen Zweck erfüllt. Beobachtet man die derzeitigen Feldzüge gegen Schwarzkopierer, zeigt sich, daß die Hersteller ihrerseits nicht bereit sind, dem Kunden zu vertrauen. Ausgerechnet bei einem Wirtschaftsgut wie Software, das frei in die Welt gekommen ist, und einem Marktplatz namens Internet, der dezentral existiert, versuchen die Softwarehersteller totale Kontrolle auszuüben.
Zu den größten Kritikern der Beschränkung digitaler Güter gehört Lawrence Lessig. 2002 ging er gegen den amerikanischen Kongreß vor Gericht und warf ihm in bezug auf Copyright-Regelungen vor, gegen die Verfassung verstoßen zu haben. Gemeinsam mit weiteren Kritikern legte er der Regierung zur Last, den Grundsatz der Meinungsfreiheit verletzt zu haben. Sie würde durch restriktive Gesetze den Zugriff auf kulturelle Werke im Internet einschränken, die der Öffentlichkeit zustünden. Lessig vergleicht die Beschränkungen und Copyrights von Software mit dem Feudalsystem: "Das ist ungefähr so, als ob ich einen Tisch habe und ihn vom Eßzimmer ins Arbeitszimmer stellen will. Vorher muß ich aber den Hersteller des Tisches anrufen und um Erlaubnis fragen, ob ich das Möbelstück umräumen darf."
No Copy. Die Welt der digitalen Raubkopie
von Jan Krömer, Evrim Sen
Paperback, 304 Seiten, EUR 15,80
Tropen Verlag
News Redaktion am Sonntag, 11.06.2006 13:39 Uhr
Da kennst du Korrupts Kruppstahldildospielereien nicht, mein Lieber. ;) Müsste ich da etwa was wissen, was mir verborgen blieb bisher? :eek: ...
Niemand ist hier doch gezwungen irgeneinen Beitrag zu lesen, oder? Da kennst du Korrupts Kruppstahldildospielereien nicht, mein Lieber. ;) Netter Artikel. Ob man dies als Werbung deuten kann, ist mir schnurz. Szeneboard? Wacht auf. ...
Genauso verhält es sich doch mit dem Buch UNDERCOVER von Oliver Dierks. Seit es hier immer wieder im Forum diskutiert wurde, muss es sich so gut verkauft haben, dass der Typ einen Autorenvertrag bekommt und nun die 2. Auflage des Buches erscheint. Dazu möchte ich n ...
Okay Okay !!! Na ja unsere Meinung zu No Copy habt Ihr ja schon bereits gehört . Aber was ihr alle habt regt euch doch nich so über das Buch auf . Kauft es oder lasst es sein , lasst Gulli.com da raus die Attacke (das es reine Werbung is) bringt doch nichts . Es mag auch richtig sein das ein Buch ...
und auch wenn dies reine werbung wäre? pfft, was solls? ich habe den artikel mit interesse gelesen. ich wundere mich warum leute sich hier z.t. schon fast aufregen... ihr wollt gulli.com als seite haben, aber an das finanzielle denkt wie immer fast keiner. seid doch froh, dass bei gulli wenigstens ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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