
Der Datensatz beinhaltet um die 20 Millionen Suchabfragen, die von über 600.000 Usern während drei Monaten bei AOL gestellt wurden. Ausgefiltert wurde nichts: auch sexuell explizite Suchabfragen sind in den Logs enthalten. Gemeinsam mit den gängigen Anfragen beispielsweise nach einschlägigen Medikamenten oder Drogen und der Angewohnheit von Usern, ihren Eigennamen zu suchen, tun sich zahlreiche Möglichkeiten auf für Spammer, Identitätsdiebe oder gar Erpresser.
Warum AOL die Daten höchstselbst zu "Forschungszwecken" zum Download angeboten hatte, ist kaum verständlich. Die Anforderungen der US-Regierung an mehrere Suchmaschinen, Stichproben der Suchabfragen zur Analyse weiterzugeben, führte in der Vergangenheit bereits zu lautstarken Protesten. Das halbe Gigabyte sensibler Daten gab AOL nun nicht nur ans Justizministerium, sondern an alle interessierten Netznutzer heraus.
Die AOL-Logfiles ersetzten den AOL-Namen des suchenden Users durch eine eindeutige Identifikationsnummer, was jedoch vielen Usern nicht wirklich zu Anonymität verhelfen dürfte - oft suchen User nach ihren Eigennamen oder nach dem Vorkommen privater Daten wie ihrer Sozialversicherungsnummer im Netz. Bei vielen der "anonymisierten" Suchanfragen dürften sich so Verknüpfungen und schlussendlich die Offenlegung der Identität des Suchenden herstellen lassen. Verknüpft man diese Suchanfrage mit anderen Suchen mit derselben Identifikationsnummer - nach explizit sexuellem Material, nach Suchanfragen zum Thema Drogen oder ähnlichem - lassen sich von der Erpressung bis hin zur Strafverfolgung Szenarien denken.
Erstaunlicherweise plant Microsoft ähnliches: nur will man für Forschungszwecke zwar Suchanfragen publizieren, diese jedoch völlig abgekoppelt vom suchenden User.
AOL hat den Logdump inzwischen vom Netz genommen, andere Mirrors sind teilweise überlastet, ein erster Torrent ist aufgesetzt worden. Die jetzigen Maßnahmen dürften nicht mehr dazu ausreichen, die Verbreitung der 450 MB sensibler Userdaten zu verhindern. Auf das Suchmaschinenspamming mit den Suchbegriffen kann gewartet werden, AOL-User dürften demnächst in großer Zahl am Hoffen sein, nicht unter den 657.426 betroffenen Usern zu sein.
Was für eine Goldgrube die Datensätze für die verschiedensten Zwecke darstellen könnte, wird inzwischen bereits in einem eigens gegründeten Forum diskutiert.
(via)
News Redaktion am Montag, 07.08.2006 10:48 Uhr
Ich glaube es waren einfach nur Wissenschaftler, die sich über derartige Dinge eben keine Gedanken machen. Wieso ist in de facto eigentlich jedem Studiengang eine Veranstaltung über Paragraphen pflicht? Gerade ein Wissenschaftler sollte Verantwortung zeigen! Irgendwie war s ...
Jaja, die Neugier :D Ich ziehs mir auch grad, mal sehn was die Leute so suchen ...
Da sind ein paar wirklich ueble User drin, die nach wirklich ueblen Kram suchen. So wie hier :D :D :D Wo konntest du das denn in Erfahrung bringen? ...
Wie schon im Jabber gesagt, ich frag mich, was sie damit bezwecken wollten. Ich glaube es waren einfach nur Wissenschaftler, die sich über derartige Dinge eben keine Gedanken machen. Spannender Followup soweit: http://plentyoffish.wordpress.com/2006/08/07/aol-search ...
Werbung fuer ihren Datenschutz ist das definitiv nicht, und die Message "Hey, bei AOL trifft man nette Leute" kickt das ebenfalls nicht. Da sind ein paar wirklich ueble User drin, die nach wirklich ueblen Kram suchen. ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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