
Diese gilt unter den Nachrichtenagenturen als Rolls Royce, ihre Meldungen gelten als gut recherchiert und - darauf kommt es an - als korrekt. Ein libanesischer Photograph, Adnan Hajj, dessen Bilder Reuters verbreitete und die es auf verschiedene Titelseiten schafften, wurde am Wochenende durch Blogger als Fälscher enttarnt, was einerseits zeigt, daß Skepsis auch gegenüber professionellem Journalismus angebracht ist.
Und andererseits belegen die Vorgänge, daß das Web 2.0 als mehr oder weniger basisdemokratisches Korrektiv recht nützlich ist, jedenfalls sein kann, wenn denn manche Entdeckung nicht, wie es die Süddeutsche Zeitung in der vergangenen Woche tat, sogleich als Verschwörungstheorie diskreditiert wird. Reuters zeigte mehr Verantwortung und beendete die Zusammenarbeit mit dem fälschenden Photographen.
Der nämlich hatte eine seiner Aufnahmen der libanesischen Hauptstadt Beirut, wie Charles Johnson herausfand, mit einem Bildbearbeitungsprogramm "angepaßt". Schwarze Rauchwolken versperrten auf seinem Bild die Sicht auf die Stadt, wo tatsächlich gar kein Rauch aufstieg, und auch Gebäude tauchten doppelt auf dem Bild auf. Ironischerweise begründete Adnan Hajj seine Nachbesserungen am Original mit störenden Rauchwolken.
Schnell fanden andere Blogger weitere seiner Bilder, die von Reuters veröffentlicht wurden. Eines von ihnen zeigt ein totes Kind, das angeblich beim Angriff der israelischen Luftstreitkräfte auf Qana umkam, in den Händen eines vermeintlichen Retters. Gibt es schon Vermutungen darüber, was wirklich in Qana geschah, so stimmt zumindest die Bildunterschrift nicht, die von "mehr als 60 Toten" berichtet.
Ein weiteres Bild des Adnan Hajj zeigt laut Unterschrift eine israelische F-16 dabei, wie sie "Raketen während eines Luftangriffs auf Nabatiyeh" abschießt. Rusty Shackleford fand heraus, daß auch diese Aufnahme manipuliert wurde, der israelische Jet noch nichtmal die Raketen abfeuerte, die er in der Luft überholt, sondern diese das Ergebnis der Anwendung verschiedener Photoshop-Tools sind.
Doch damit nicht genug, Adnan Hajj schoß auch noch weitere Bilder, die authentisch wirken, aber wohl doch nicht zeigen, was sie zeigen sollen. So fand ein Blog-Leser Aufnahmen, die laut Unterschrift jeweils zeigen sollen, wie zerstörerisch die IAF-Angriffe der vergangenen Nacht gewesen seien - doch offenbar handelt es sich dabei um die gleiche Gegend, so daß mindestens einer der beklagten Angriffe offenbar nur in des Photographen Fantasie stattfand.
Unterschiedliche Ort, verschiedene Daten - und doch die gleiche Frau, die jeweils den Verlust ihres Hauses bzw. ihrer Wohnung beklagt, zeigen Photos, die skeptische Blogger unterdessen fanden. Hierfür ist anscheinend einmal nicht Adnan Hajj verantwortlich, doch gerade das belegt, wie sehr besonders die Hisbollah darüber bestimmt, was abgebildet werden darf und was nicht.
Schon Mitte Juli hatte Nic Robertson von CNN über seine Arbeitsbedingungen in Beirut berichtet: "Es gibt keinen Zweifel: Die Hisbollah betreibt eine hochentwickelte und raffinierte Öffentlichkeitsarbeit. Sie kontrolliert den Süden Beiruts. ... Ohne ihre Erlaubnis darf niemand ihre Gebiete betreten." Bleibt zu hoffen, daß Journalisten und/oder Photographen sich nicht wie Adnan Hajj auch noch mit ihr identifizieren.
Immerhin jedenfalls ist es dank Web 2.0 nicht mehr ganz so einfach, dabei unentdeckt zu bleiben ...
News Redaktion am Montag, 07.08.2006 12:17 Uhr
Omg jetzt gehts hier auch schon los mit der israelischen Propaganda! Das ist warscheinlich auch alles von Hisbollah zur Aufhetzung, und das auch: [URL="http://img291.image ...
Dieser Artikel ist tendentiös. Ich weiß, tw_24, dass Korrupt und Du da nicht frei von Meinung seid. Ich hatte vor einigen Tagen die Idee, mal zu schauen, wie sich das gelobte Web 2.0 als 'Journalismus von unten' bewährt. Grundsätzlich kann - Strom und Inte ...
Gut recherchiert hin oder her, es muss immer ein wenig skepsis gegenüber den Medien bestehen. Das traurige an der ganzen Sache ist, dass Personenkreise vorwiegend solche Nachrichten oder sagen wir besser überhaupt Nachrichten als Gottgegeben annehmen und sich damit Ihre ideologische Grundlage scha ...
Um das mal zu differenzieren. Mich stört nicht, dass ihr drüber berichtet, sondern wie. So ein Halbsatz doch gerade das belegt, wie sehr besonders die Hisbollah darüber bestimmt, was abgebildet werden darf und was nicht. ist nunmal nicht weit entfernt von diversen Medien, di ...
Hihi, dass mir das um die Ohren geschlagen wird, war mir klar. Fuer die g.news ist das imo durchaus, dass eine Agentur wie Reuters wegen Bloggerberichten die Fotografen kickt, ist imo ein durchaus neues Ding, und dass gerade die Phaenomene "embedded Journalism" durch Blogs und damit durch ganz norma ...
Julian Wolf am 27.05.2012, 21:08 Uhr
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