
Während deutsche Provider beim Schlagwort Kinderpornografie umfallen wie ein Sack Reis, gibt es im nicht allzu fernen europäischen Ausland noch Provider, die sich nicht nur an vorherrschende Gesetze halten, sondern diese auch vor Gericht angehen, um ihre Kunden zu schützen.
Einer dieser Provider stammt aus Schweden und trägt den Namen Ephone. Doch der Reihe nach. Im vergangenen April wandten sich fünf Verleger an ein schwedisches Gericht. Sie hatten einen FTP-Server entdeckt, der angeblich mehr als 2.000 urheberrechtlich geschützte Hörbücher enthielt, an denen die Verleger die Rechte innehatten. Man beantragte im Rahmen der Intellectual Property Rights Enforcement Directive (IPRED), welche am 1. April in Kraft getreten war, die Herausgabe der Nutzerdaten des betreffenden Kunden. Der FTP-Server lief über den Provider Ephone, an welchen schlussfolglich auch das Auskunftsersuchen herangetragen wurde. Ab da begann die Feuertaufe für die IPRED-Richtlinie, die schwedischen Rechteinhabern die Jagd nach Urheberrechtsverletzern vereinfachen sollte. Denn Ephone gab die Daten nicht einfach heraus, sondern stellte sich vehement quer.
Man richtete stattdessen eine Umfrage auf der Homepage des Providers ein, um den Kunden bezüglich dieses Sachverhalts eine Frage zu stellen. Soll man die Daten entsprechend der IPRED-Richtlinie aushändigen, obwohl die Beweislage vorsichtig formuliert doch sehr fraglich ist? Oder soll man die richterliche Entscheidung anfechten und vor Gericht ziehen? Die Umfrage lief einige Zeit auf der Homepage, bis schließlich 20.000 Teilnehmer zu einem mehr als eindeutigen Ergebnis kamen, dass bei 99 Prozent lag. So viele Besucher waren es nämlich, die für eine Berufung seitens des Providers stimmten. Einige der Kommentatoren boten sogar an, falls notwendig sogar Geld für das Berufungsverfahren zu spenden. Der Chief Executive Officer von Ephone, Bo Wigstrand, erklärte, dass man die Problematik intern zwar diskutiert hätte, jedoch auch auf die Meinung der Kunden hören wollte. "Das hat final zu unserer Entscheidung geführt", so Wigstrand. Laut dem Provider seien die angebotenen Beweise - Screenshots und Log-Files - mehr als nur unzureichend. Außerdem sei es die wichtigste Aufgabe seines Unternehmens, so Wigstrand, die Privatsphäre seiner Kunden zu schützen.
Der Chef der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI), Lars Gustafsson, sieht dies gänzlich anders. Seiner Ansicht nach war die Umfrage lediglich ein Publicity-Gag, wie er gegenüber der schwedischen Nachrichtenagentur TT erklärte. "Das Gesetz hat für den Standpunkt von Ephone nicht viel übrig, man hat das Verfahren lediglich in die Medien gebracht", so Gustaffson. Vielleicht ist es aber gerade dies, was unabdingbar notwendig ist. Dass die Vorgehensweise der Rechteinhaber, die ihnen durch die IPRED-Richtlinie ermöglicht wird, durch die Medien geht und präsenter wird. Vielleicht formt sich so der Widerstand - wenngleich vielleicht zu spät.
Für Bo Wigstrand geht es bei der Berufung jedoch vielmehr um persönliche Integrität. "Sollten Sie und Ich in der Lage sein, frei im Netz zu surfen, sich sicher wissend, dass niemand anderes feststellen kann, was ich lese oder ansehe? Wenn das Gerichtsurteil final ist, dann werden private Firmen die Möglichkeit haben in den Computern von Leuten umherzuschnüffeln, indem sie sich einfach an ein Gericht wenden."
Auch der schwedische Abgeordnete Karl Sigfrid stellte sich bereits hinter den Provider. Sigfrid war es, der vor einiger Zeit seinen Provider schriftlich dazu aufforderte, unverzüglich sämtliche persönliche Daten von ihm zu löschen, die in Verbindung zu seinen IP-Adressen gespeichert würden. Diese Aktion sorgte für einiges an Aufsehen. Egal wie das Berufungsverfahren ausgeht, eines ist sicher. Ephone hat Rückgrat bewiesen, indem es in einer rechtlich scheinbar aussichtslosen Situation als erster Provider den Kampf gegen ein Auskunftsersuchen im Rahmen der IPRED-Richtlinie aufnimmt. Man hätte es verdient, als Sieger aus dem Prozess hervorzugehen. (Firebird77)
(via torrentfreak, thx!)
(Bild via ephone, thx!)
News Redaktion am Donnerstag, 16.07.2009 12:18 Uhr
ja alle reden immer von wehren aber in die hand nehmen tut niemand was... schon schade ich würde mich gerne wehren aber ich weiß nicht wo ich anfangen sollte YMMD :D :T Der erste Post, der mich seit langer Zeit mal wieder richtig zum Lachen gebracht hat :) ...
ja alle reden immer von wehren aber in die hand nehmen tut niemand was... schon schade ich würde mich gerne wehren aber ich weiß nicht wo ich anfangen sollte Es gibt doch eh schon eine wunderbare Gelegenheit sich zu wehren, und sogar ohne physische Gewalt einzusetzen: U ...
ja alle reden immer von wehren aber in die hand nehmen tut niemand was... schon schade ich würde mich gerne wehren aber ich weiß nicht wo ich anfangen sollte Naja, das Problem ist halt, das keiner was organisiert. Wenn es jemanden gäbe der sowas organisiert, würden sich ...
Nun wendet sich das Blatt und keiner wehrt sich. ja alle reden immer von wehren aber in die hand nehmen tut niemand was... schon schade ich würde mich gerne wehren aber ich weiß nicht wo ich anfangen sollte ...
Also Deutschland ist schon lange kein Land mehr, wo man unbedingt hin will. Dank den neuen Gesetzen. Erst habt ihr die Chinesen wegen der Zensur ausgelacht, dann die Engländer wegen der Überwachung und am schluss die Türken wegen der Youtube Sperre. Nun wendet sich das Blatt und keiner wehrt sic ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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