
Im Januar 1999 fing alles an. Eskil Simonsson von der Gruppe Covenant, Johan van Roy von Suicide Commando, Bryan Erickson (Velvet Acid Christ), Ronan Harris (VNV Nation) und Stefan Herwig (ehemals Repertoire-Manager beim Label Off Beat) hauchten dem damals neuen Label Dependent erstmals Leben ein. Man wollte sich bei den Veröffentlichungen auf Qualität reduzieren anstatt den Fans viel mittelprächtiges Material zu präsentieren. Die eigenen unter Vertrag stehenden Musikgruppen sollten stärker und intensiver in grundlegende Labelentscheidungen eingebunden werden.
Und jetzt einige Jahre später soll das alles vorbei sein? Die Szene hat sich im Laufe der Jahre stark verändert. Das Geld wurde knapp und wird eigenen Aussagen nach immer knapper. Die Kosten für die Produktion und Bewerbung der eigenen Scheiben stiegen konstant an, die Verkäufe waren im Vergleich dazu stets rückläufig. So wurde jede Neuveröffentlichung damit zum finanziellen Risiko für das Unternehmen. Jede neue Scheibe eine erneute Zerreißprobe für das Label.
Und während man binnen der ersten drei Wochen knapp 2500 legale Abnehmer fand, landete das gleiche Album z.B. alleine bei der Downloadseite mp3db.ru nach einer Woche in deren Charts mit über 5000 gezählten Downloads. Pro verkaufte CD also im Vergleich mindestens drei bis fünf illegale Downloads. Es wird im Internet immer behauptet, dass diese P2P Kultur die Majors schwächt und die Independent-Label stützt. Laut Firmenchef Stefan Herwig und seinem Statement auf dependent-records.de ist dies nicht der Fall.
"Es ist uns eigentlich egal, ob wir unsere Veröffentlichungen auf CD oder als Download verkaufen, aber alleine die vernünftige Produktion und Bewerbung von Musik kostet eine Menge Geld, selbst wenn man keine CDs presst. Wir bemustern DJs und Presse, helfen unseren Musikern ihre CDs vernünftig aufzunehmen und zu gestalten, bezahlen Toursupports, oder verknüpfen Bands mit Veranstaltern und Agenturen und bewerben deren Liveshows. Das alles kostet Geld, aber es ist nicht einmal unsere primäre Aufgabe. Unsere primäre Aufgabe ist es aus einem riesigen Wust von oftmals grottenschlechter Musik für euch die Perlen herauszupicken, von denen wir glauben, dass sie wirklich deutlich besser sind als andere, und die ein größeres Publikum verdient haben. (...) In letzter Konsequenz handelt eine Plattenfirma aber nicht wirklich mit CDs, sondern mit Rechten an den Aufnahmen ihrer Künstler."
Und ob die aufgewendeten Kosten in Form von verkauften CDs im Laden oder als MP3s über Online-Portale für die Firma wieder reinkommen ist eher sekundär.
"Die Bundesregierung hat es in mehreren Anläufen nicht geschafft, das über 30 Jahre in dieser Form existierende Urheberrecht so zu modifizieren, dass es auch heute den mit der Musik handelnden Personen eine Grundlage bietet, davon zu leben. Gäbe es ein Urheberrecht, das darauf hoffen ließe, dass sich die Situation für Label und Musiker wie uns verbessert, dann würden wir weiterkämpfen. (...)
In letzter Konsequenz jedoch machen wir nicht aufgrund der Existenz von Piratenseiten zu, sondern weil sie von zu Vielen benutzt werden, die unsere Bands und Songs zwar schätzen, dafür aber nichts bezahlen wollen. Auch wenn wir den Preis unserer CDs vor zwei Jahren deutlich gesenkt haben, so scheint das vielen Leuten immer noch zu teuer."
Auf den Preis angesprochen macht Herwig auf einer früheren Mitteilung seiner Seite eine interessante Rechnung auf:
- für die "nackte" CD werden unabhängig von der Spielzeit zwischen 35 und 50 Cents an Kosten bezahlt. Dazu kommt für das Label durchschnittlich rund ein Euro an Kosten für die Verpackung samt Booklet und Einlegekarten dazu.
- Gebühren, die von der GEMA erhoben werden ziemlich genau 1 Euro.
- Beteiligung der Künstler im Schnitt zwischen 1 und 2 Euro, bei Independentfirmen meist etwas mehr als bei den grossen Majorfirmen, die durch ihren riesigen Apparat aber auch viel höhere Kosten haben. Im Schnitt kann man durchaus von 1,75 Euro für eine etablierte Band sprechen.
- 3 Euro Kosten gehen an Vertriebsfirma, die die Alben flächendeckend in Deutschland anbieten und verschicken. Bei den Majors übernehmen dies eigene Vertriebsabteilungen, die anteiligen Kosten sind aber die gleichen.
- Der Vertrieb verkauft die CD für im Schnitt für 10 Euro an die Plattenläden, und gibt davon ca. sieben Euro pro verkauftes Album an das Label zurück.
- Der Einkaufspreis für den Schallplattenhandel liegt also bei 10 Euro. Der verkauft die CD zwischen 15 und 17 Euro an den Kunden, abzüglich der Mehrwertsteuer. Sein Verdienst liegt also bei ca. drei bis fünf Euro netto.
Unterm Strich gehen bei dieser Rechnung also ganze 3,25 Euro an das Label. Wenn sich so eine CD nicht verkauft, verdienen alle beteiligten Stellen wie Vertrieb, Handel und Künstler wenig. Nur das Label, welches die ganze Veröffentlichung finanziert, trägt alleine das Risiko und kann dabei viel Geld in den Sand setzen. Was man Dependent nicht vorwerfen kann ist, dass sie als Indi-Label ihre Musikdateien mit DRM oder ihre CDs mit Kopierschutz versehen würden. Das ist nur in einem Fall vor sieben Jahren passiert und hat sich damals schon für die Betreiber des Labels als nutzlos erwiesen. Herwig weiter in gewohnt schnodderig wie kontroversem Tonfall:
"Die Ifpi und die Majors haben im Kern leider Recht. Das übermäßige Kopieren, Brennen und Saugen schadet der Musik, den Künstlern und uns, den Labeln, die wir diese ganze Sache vermarkten, finanzieren und verwerten. Und hier hat die Ifpi also durchaus Recht mit ihrer Strategie, Uploader zu verklagen, Urheberrechte zu verschärfen und den Missbrauch von Musik zu verfolgen.
Wir verstehen also den Standpunkt der Musikkonsumenten, die uns immer noch für grundböse halten. Wir verstehen aber auch den Standpunkt der Majors und der Musikinteressenverbände. Wie kann also ein möglicher Kompromiss aussehen? Ein Kompromiss zwischen der Erhaltung von Musik als wertvollem Gut, und für das ihr auch in Zukunft eure sauer verdiente Kohle hinlegen werden müsst - und zwischen den Interessen der Konsumenten, die auch weiterhin Musik so kopieren und antesten wollen, wie es IHNEN passt, und nicht wie es irgendwelche geänderten Urheberrechte vorsehen?
Der drohenden Verschärfung des Urheberrechts und dem zunehmenden Einsatz von Kopierschutzmassnahmen kann jeder einzelne "Käufer" nur mit einem Prinzip entgegenwirken: Dem Prinzip des "fairen Gebrauchs" ("Fair Use Policy") von Musik. Denn es ist nach meiner Meinung, und nach der Meinung ALLER unserer Künstler nicht verwerflich, unsere Musik ausschnittsweise zu kopieren, sei es nun für das private Autoradio, für den Minidiscplayer oder meinetwegen auch für die Musikfilesammlung auf der Festplatte (sagte ich schon, dass Musik auf dem Computer beschissen klingt?). Aber gerade bei der Weitergabe unserer Musik muss man gewisse Regeln beachten, wenn man nicht wirklich ein "Tool" in der Argumentationskette der bösen Musikindustrie werden will:
Wir müssen vom Verkauf von Musik leben, genauso unsere Künstler. Wenn du unsere Musik anderen Freunden oder Bekannten empfehlen willst, dann gib' sie weiter - aber bitte nicht ganze Alben, sondern ein oder zwei gute Stücke auf einem Mixtape (oder Mix-CD, Mix-Minidisc oder was auch immer du so für deine Musik benutzt). Und wenn du von einem Freund ein Mixtape bekommst, und dir gefällt das aktuelle Material von Dismantled oder Seabound, dann kauf' es einfach, anstatt dich zu freuen, dass du es schon auf einer besch. aussehenden CD-R hast.Wenn du Material aus dem Netz runterlädst, dann beschränke dich bitte auf einige wenige Tracks zum Auschecken, und gib dem Material wenigstens drei bis vier Versuche. Wenn es Dir nicht gefällt, lösch' es wieder, anstatt Gigabytewiese Material auf deiner Festplatte zu horten, das du eh NIE WIEDER anhören wirst.
Wenn du feststellst, dass einer Deiner Freunde sich deine CDs nur deswegen ausleiht, um davon Kopien zu machen, ohne die Absicht, sie jemals zu kaufen, dann zeig' ihm den Mittelfinger. Und wenn dir dein Freund dann erzählt, dass er keine Kohle hat, sich CDs zu kaufen und sie sich leider deswegen aus dem Netz saugen muss, dann frag' ihn wieso er die Kohle für die Breitbandverbindung hat (Sagte ich nebenbei schon, dass MP3s scheiße klingen?). Und wenn dir dein Freund die neue gebrannte CD von VNV Nation als ganzes Album als "Gastgeschenk" mitbringt, dann hau die gebrannte CD am besten vor seinen Augen in die Tonne (in diesem Falle nicht, weil es VNV Nation ist, sondern weil die Weitergabe ganzer Alben einfach "asi" ist).
Wenn Dein DJ seine ganze CD-Sammlung nur aus CD-Rs zusammengesaugt hat, dann darfst du ihn von mir aus Geizkragen oder Arschloch nennen, oder was immer dir einfällt, um ihn auf die Palme zu bringen, und ihn vor seinen Freunden zu diskreditieren. Leider gibt es keine deutsche Übersetzung für das englische Wort "cheap ass", aber euch fällt bestimmt eine ein.
Ich weiß, dass tierisch viele Leute ihre Tauschbörsen dazu nutzen, um sich nur über Musik zu informieren, die sie später eh' kaufen wollen, aber leider gibt es mindestens ebenso viele Asis, die sich dort Musik saugen, weil sie zu geizig sind, und weil sie Musik nur als Soundtrack für ihre jämmerliche Existenz vor dem Computer sehen, und nicht als eine der wenigen Sachen, die dieses verdammte Leben mit Emotionen und Visionen würzt.
Diese Leute sind die Brennerasis wegen denen die IFPI Filesharer verklagt. Wegen diesen Leuten droppen die Majors Bands, entlassen Personal und benutzen Kopierschutz. Und wenn es so weitergeht, sind diese Raubkopierer der Grund, weswegen du Leuten in ein paar Jahren vielleicht keine Mixtapes mehr aufnehmen darfst, und weswegen du Musik an deinem Computer nur noch hören darfst, wenn du die entsprechende Lizenzerlaubnis hast. Du wirst für ihren Geiz und ihre Arroganz bluten müssen. Aber ich höre niemanden, der sich über diese Leute beschwert, die die IFPI zu Recht verklagt und wegen denen sie - zurecht - halbgare Kopierschutztechnik verwendet.
Ich weiß, dieser Ansatz ist idealistisch, blauäugig, hoffnungslos irrational und absolut unkontrollierbar. Passt also eigentlich supergut zum Produkt mit dem wir unseren Lebensunterhalt verdienen: der Musik"
Was man auch immer von seinen Worten halten mag, seinen Aufruf zur "Fair Use Policy" kann ohne Abstriche unterstützen. Wer gute Musik hören will, sollte auch bereit sein die Künstler und Firmen zu entlohnen und etwas dafür zu bezahlen. Dependent verurteilt keine Testdownloads sondern die Leute, die niemals etwas für die Arbeit Dritter bezahlen wollen. Selbst dann wenn ihnen die Musik gut gefallen hat und sie diese ständig konsumieren.
Weder die künstliche Kriminalisierung der bösen Filesharer und Privatkopierer durch IFPI & Co. noch der Umstieg auf kopiergeschütztes Material, welches von den Majors online angeboten wird, sind Wege, die zu einem konstruktiven Ziel führen. 1000 Filesharer pro Monat anzuklagen oder alles nur noch drm-kastriert anzubieten wird die Probleme der großen wie kleinen Labels nicht lösen können. Und wenn wie im Fall von Dependent die ersten kleinen Labels aufgeben, werden es ihnen irgendwann die großen Fische im Haifischbecken nachmachen. Möchte man lieber ein Monopol weniger fetter Haie anstatt die Vielfalt vieler kleiner Fische, die Musik verkaufen?
Andererseits: Wenn wirklich so gut wie alle Beteiligten wegen der anhaltenden Finanznot irgendwann tatsächlich aufgeben sollten - was bleibt dann noch übrig?
News Redaktion am Sonntag, 01.04.2007 17:50 Uhr
Hi(Gh), gerade ereilten mich uebelst geile NEWS! In Hamburg wird wohl einer der geilsten ZIVILPROZESE - SCHLECHT HIN - stattfinden! Dieser Herwig und so einTYP NAMENS Lotze ( Manager von Gruftie Bands ) , haben unseren LIEBEN TESTBESTELLER und BUSTER DARKLORD aka....IHR WISST schon ...angezeigt :p ...
ahhahahahah schaut mal auf www.sharedmp3.net ....seit der laden von ihm zu ist scheint er auf FILESHARER mit Dönertier by PAYPAL zu machen! Ist das mal dreckig! :D ...
Aha, hier ist der Beitrag gelandet... Erstmal sorry, dass dieser Text überhaupt nicht zum Bericht passt und es aussieht, als würde sich hier ein Forentroll auslassen. Das war so nicht geplant. Ich war an diesem Tag in ziemlich vielen Foren unterwegs, und der Text, den ich da geschrieben hatte, w ...
@der Rebell: Kann es sein, dass Du keine Minute darauf verwand hast, Dir genau durchzulesen, was und vor allem wie er über "Raubkopierer" denkt und schreibt? ich glaub das is auch so, grad mal bis zum ende der zusammenfassung gekommen ;) ...
@der Rebell: Kann es sein, dass Du keine Minute darauf verwand hast, Dir genau durchzulesen, was und vor allem wie er über "Raubkopierer" denkt und schreibt? ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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