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Glonass versus GPS: Russland will eigenes Satellitennavigationssystem aufbauen

Es hört sich ein wenig an wie Glasnost, hat damit aber herzlich wenig gemein. Schon bald will Russland mit seinem eigenen System namens Glonass (Global Navigation Satellite System) am Himmel die Vormachtstellung der USA und deren GPS (Global Positioning System) brechen und dem europäischen Projekt Galileo zuvorkommen. Bis Ende 2007 sollen insgesamt acht Navigationssatelliten ins All gesendet werden, um zunächst Russland sowie Teile Europas und Asiens mit dem eigenen Netz abzudecken. Indien und China haben bereits im Vorfeld Interesse angemeldet und werden sich mit Material und finanziellen Mitteln an dem Projekt beteiligen. Bis 2009 plant man die lückenlose Netzabdeckung auf dem gesamten Erdball.

Eigentlich wurde Glonass zu Zeiten des kalten Krieges in den 70ern für militärische Zwecke entwickelt. Der erste Satellit ging drei Jahre vor der politischen Entspannung der Weltmächte im Jahr 1982 in die Umlaufbahn, elf Jahre später war das Militärprojekt Glonass offiziell einsatzbereit. 24 Satelliten müssen entsprechend positioniert sein, um eine weltweite Versorgung gewährleisten zu können. Aber bis dato ist dies nicht der Fall. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus war kein Geld mehr für die Weiterführung des Netzaufbaus vorhanden. Aktuell sind 19 Satelliten im All, nach Angaben des Kontrollzentrums funktionierten davon aber nur elf. Bis Ende 2009 soll Glonass mit Hilfe der Gewinne Russlands aus dem Öl- und Gasgeschäft weltweit einsatzbereit sein.

Die Einhaltung dieses Termins ist wichtig denn die Satellitennavigation hat sich zu einem finanzstarken Markt entwickelt. Die Russen hoffen, zukünftig auch ein Stück vom Kuchen abbekommen zu können. Der Washingtoner GPS Industry Council gab bekannt, im Vorjahr wären Navigationsgeräte im Gesamtwert von 15 Milliarden Dollar verkauft worden. Man erwartet einen weiteren Anstieg der Verkaufszahlen von rund 25 bis 30 Prozent. Alleine in Deutschland sollen im Verlauf diesen Jahres aufgrund der gefallenen Preise der Navis insgesamt mehr als drei Millionen Geräte an die Kunden gebracht werden. Dies würde einem Umsatz von einer Milliarde Euro entsprechen. China entwickelt derzeit Zeit Baidu - ein eigenes Konkurrenzprojekt für die Satellitennavigation. Bezogen auf die Eigenentwicklung der EU, Galileo, entbrannten zwischen den Teilnehmern viele Streitereien über die Vergabe der Konzessionen. Aufgrund der Verzögerungen darf man frühestens ab 2011 mit dessen Einführung rechnen. Wenn sich die Erwartungen verwirklichen hätte das russische Projekt immerhin zwei Jahre Vorsprung, um erste Gewinne abwerfen zu können.

Wer und wieviele Länder auch immer ihre eigenen Projekte in diesem Bereich anleiern: Konkurrenz belebt das Geschäft und drückt zum Vorteil der Verbraucher die Preise. Wenn in naher Zukunft für alle beweglichen Objekte kaum mehr ein modernes Leben ohne die Unterstützung von "oben" möglich ist, wäre ein Monopol, unabhängig von wem, stark zum Nachteil aller Beteiligten. Die New York Times befürchtet hinter dem Kampf um die Kontrolle der Navigation via GPS auch sicherheitspolitische Erwägungen der USA. Im Krisenfall könnten die Amerikaner sonst ihr derzeitiges Monopol missbrauchen, um Signale punktuell zu unterdrücken. Man könnte so den Kontrahenten per Knopfdruck einfach das Signal ausschalten, um diese wirtschaftlich oder militärisch zu schädigen.

Der Anspruch der USA, jederzeit und an jedem Ort der Welt Einfluss zu nehmen und diesen gegebenenfalls mit militärischen Mitteln durchzusetzen, hängt jedoch seit Jahren immer stärker von der technischen Infrastruktur auf dem Land, dem Wasser und vor allem im Weltraum ab.

News Redaktion am Mittwoch, 11.04.2007 13:07 Uhr

tagsTags: russland gps usa washington galileo glonass glasnost satellitennavigation navis baidu

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12 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Verbogener am 06.05.2007 17:38:44

    Wieder mal was neues. Diesmal zum europäischen GPS. | Erstellt am: Sonntag | 06.05.2007 | 13:49 EU-Staaten sollen Galileo-Start finanzieren Der deutsche Verkehrsminister und EU-Ratspräsident Wolfgang Tiefensee hält es nach dem Scheitern des privaten Galileo-Kons ...

  • Verbogener am 30.04.2007 23:02:32

    Ein Artikel vom ORF Erstellt am: Montag | 30.04.2007 | 14:18 GLONASS wird Weltraumschrott Das russische Satelliten-Navigationssystem GLONASS kämpft mit massiven Problemen. Laut ...

  • psycho_matic am 13.04.2007 08:38:41

    Das europäische galileo ist wenigstens nur für zivile Zwecke... Die Konkurrenten aus Übersee und aus dem Russenland sehen das etwas anders und gebrauchen es für ihre militaristischen Zwecke.... ...

  • Mr.Harmlos am 12.04.2007 00:21:35

    psst .... http://de.wikipedia.org/wiki/Passives_Radar http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,271578,00.html http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,296103,00.html http://www.radartutorial.eu/05.bistatic/bs07.de.html mfg ...

  • kPP am 11.04.2007 21:33:52

    Ich meinte es so, das es Praktisch wäre ;) War vielleicht n bissl kacke Formuliert, hab davon auch nicht alt zu viel Ahnung *g* Will mich aber mal ein bisschen schlau machen ;) greetz 4ldi ...

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