
Jenseits der Hektik der überfüllten Strassen von Dhaka hatte sich in den letzten Jahren eine illegale und zugleich höchst lukrative Geschäftssparte entwickelt. Das Voice Over Internet Protokoll, oder VoIP, ist eine Technologie, die bis auf wenige Ausnahmen in aller Welt völlig legal benutzt wird. Viele Firmen setzten sie ein, um eine große Menge von Anrufen über eine lange Distanz zu realisieren - so zum Beispiel auch häufig solche Unternehmen, die internationale PrePaid-Karten zum Kauf anbieten. Doch in Bangladesch wurde diese Technik verboten, sie war den Behörden schlichtweg zu preiswert. Die landeseigene Telefongesellschaft, die mit ihrer althergebrachten Technik viel zu teuer war, sollte mit diesem Schritt gestärkt werden.
Vor dem Einschreiten der Polizei kostete ein internationaler Anruf via VoIP lediglich ein bis zwei Pence. "Nun rufen wir an aber kommen nicht durch. Wir versuchen es wieder und wieder - aber wir kommen einfach nicht durch.", so ein frustrierter Servierer eines Restaurants in London. Kein Wunder, der Anteil der über das Internet abgewickelten Anrufe betrug, bezogen auf long distance calls satte 80%. Auf diese Resourcen kann man jetzt nicht mehr zurückgreifen.
Es zirkulieren Gerüchte, ranghohe Politiker und Geschäftsleute waren an dieser Branche bis zum Einsetzen der Razzien selbst beteiligt und haben fleißig mitverdient. Dementsprechend hatte man kein Interesse daran, das Geschäft zu legalisieren. Für die umfangreichen Einkünfte wären horrende Summen an Steuern fällig geworden. So ist es zu erklären, warum die Polizei über viele Jahre hinweg nur im kleinen Rahmen gegen die Provider vorgegangen ist. Und nun befindet sich das Land im Ausnahmezustand. Die neue Militärregierung hat das Wagnis auf sich genommen, diesem so lange tolerierten Geschäftszweig und der damit verbundenen Korruption den Krieg zu erklären. Reiche und gleichsam mächtige Politiker wurden verhaftet und sehen sich nun Korruptionsklagen ausgesetzt. Tausende illegal gebaute Shops der Provider wurden geschlossen, die komplette VoIP-Industrie wurde dem Erdboden gleichgemacht. Der VoIP-Unternehmer Hassan dazu:
"Sie haben bereits das Equipment von einem meiner Standorte beschlagnahmt, eine enorme Menge Equipment. 11 Gateways, 22 Modems, viele Einzelteile. Alles in allem hat einen Wert von ca. 60.000 Dollar."
Er war einer der Wiederverkäufer der Billiganbieter. Wie er mussten viele ihr einträgliches Geschäft einstellen, um seine Verhaftung zu verhindern. Doch anstatt die eigene Telefonfirma "Bangladesh Telegraph and Telephone Board" damit zu unterstützen, stürzte diese Maßnahme das ganze Land in ein totales Durcheinander. Immer mehr Personen versuchen die viel zu wenigen Leitungen zu benutzen. In der Konsequenz kommt niemand mehr durch, für die Wirtschaft und das soziale Leben des Landes bedeutet dies ein unglaublicher Schaden. Laut Zia Safdar, einem der Leiter der Razzien, war man sich über den wahren Umfang dieses Wirtschaftszweiges völlig im Unklaren. "Aufgrund der enormen Mengen unversteuerter Einkünfte hatten wir keine Wahl, als zu handeln", versucht er das Problem im Nachhinein zu rechtfertigen.
Auch nach der Verdopplung der Infrastruktur durch die staatliche Telefongesellschaft bis Ende April diesen Jahres ist eine flächendeckende Versorgung für 140 Millionen Personen völlig unmöglich. Offizielle Stellen raten jetzt sogar dazu, anstatt zu telefonieren doch besser E-Mails an die Lieben zu Hause zu schreiben. Die Bevölkerung indes sieht die Entwicklung zwiespältig. Die Notfallgesetze der neuen Regierung, vor allem die Verhaftungen führender Persönlichkeiten wegen anhaltender Korruptionsvorwürfe werden überall im Land begrüsst. Gleichzeitig gibt es auch Bedenken, dass einige der Aktionen der Bevölkerung geschadet haben, anstatt ihr zu dienen. Soll die Wirtschaft im Land funktionieren, so benötigt man dringend die Möglichkeit, jederzeit problemlos telefonieren zu können.
Für das Problem gibt es im Moment keine schnelle Lösung. Und doch: Den im Exil lebenden Arbeitern in aller Welt die Chance zu geben, ihre Verwandten in der Heimat zu erreichen, würde man in Bangladesch ebenfalls willkommen heißen.
News Redaktion am Mittwoch, 11.04.2007 23:36 Uhr
Also wenn dies ein kurzer und nicht sehr ausführlicher Beitrag sein wird möchte ich folgendes dazu sagen : Da ich öfter in Südostasien unterwegs bin und Erfahrung mit dortigen Behörden und Wirtschaftsstruckturen gemacht habe, kann ich nur sagen das diese nicht mit den europäischen oder amerik ...
Sieht für mich eher so aus, als wäre das ein zu klein geschätzter Kollateralschaden geworden, die Absichten der Militärregierung (Vernichtung der Korruption) schienen ja recht edel. Hört sich schwer nach militär an ^^ Kollateral Schaden passt hier aber mal wie die faust a ...
Warum haben Sie nicht einfch den Geschäftszweig legalisiert und mächtig hohe Telefoniersteuern erlassen? Die hätten sie dann wieder einsetzen können um die staatlische Telegesellschaft zu subvenzionieren. :rolleyes: ...
Sollte es in Bangladesh kein Gesetz wie in D geben, das eine Einziehung aller Gewinne aus illegalen Geschäften erlaubt? Dann hätten sie statt plattzumachen erst Mal alle Läden und die ganze VoIP-Infrastruktur beschlagnahmen können und nach Abschluss der Massnahme das Gesetz gegen VoIP aufheben ...
Ich kann mir grad gar nicht so recht vorstellen, wie das dort nun zugeht, aber wenn das wirklich so dramatisch ist, sollten die sich schnell etwas einfallen lassen, andernfalls wird die Bevölkerung das nicht lange mit sich machen lassen. ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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