
Der Schwerpunkt der GVU-Ermittlungen richtete sich 2006 gegen die "Supplier" - GVU-Jargon für die ursprünglichsten Quellen kopierter Ware, namentlich Releasecrews und "First Seeders" in Tauschnetzen. Weitere Ermittlungsschwerpunkte waren der Handel mit kopierten Medien beispielsweise bei eBay oder auf Straßen- und Flohmärkten. Der Erfolg: die Einleitung von 1.843 Verfahren (im Gegensatz zu deren 2.549 im Jahr 2005) und der Abschluss von 1.475 Verfahren abgeschlossen, 25 weniger als im Vorjahr.
Spannend ist die klare Absage der GVU an die Methoden, wie sie beispielsweise von der IFPI angewendet werden. Die massenhafte Verfolgung privater Kopierer zur Durchsetzung von Schadensersatzzahlungen, wie sie in den Tausenden von Filesharingklagen der IFPI stattfand, sieht die GVU skeptisch:
"Die GVU hält ein solches Vorgehen nicht nur für wenig Ziel führend im Hinblick auf die sich daraus ergebenden spezial- und generalpräventiven Effekte, sondern auch für kontraproduktiv. Die Belastung der Strafverfolgungsbehörden mit einer hohen Anzahl von Verfahren ... birgt die Gefahr in sich, dass für die Strafverfolgungsbehörden die Identifikation von solchen Tätern, die entweder für Urheberrechtsverletzungen größeren Ausmaßes selbst verantwortlich sind oder für diese die Voraussetzungen schaffen, innerhalb der Verfahren erschwert wird."
Aus der sinkenden Zahl der Verfahren schließt die GVU auf die kontraproduktive Wirkung der Massenabmahnungen. Vor allem mit Strafverfolgungsbehörden, die durch Filesharing-Massenklagen lahm gelegt wurden, war die Kooperation deutlich erschwert, da die Bereitschaft zur Ermittlung bei steigender Verfahrenszahl fällt. Hier habe die GVU - erfolgreich - Aufklärungsarbeit betreiben müssen, dennoch seien Fallermittlungen in direkter Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden von 242 im Vorjahr auf nur noch 51 im Jahr 2006 zurückgegangen.
Überwiegend Filme wurden bei den GVU-Aktivitäten beschlagnahmt. Die GVU konstatiert einen einsetzenden Abschreckungseffekt: Verfahren gegen Ersttäter würden meist gegen vergleichsweise niedrige Zahlungen eingestellt, die "Rückfallquote" sei laut GVU sehr gering.
Gefeiert wird erwartungsgemäß die Operation Boxenstopp, in der die GVU Realdaten der Mitglieder zahlreicher Releasecrews erlangt haben will. Ebenso sei die Strategie des "First Seeder Kill" vorläufig aufgegangen - gegen die ersten Seeder einer Kopie in Tauschbörsen wird verstärkt vorgegangen, erfahrungsgemäß seien die "First Seeds" von relativ wenigen Personen in den Tauschbörsen veröffentlicht worden. Eine interessante Interpretation, wenn man bedenkt, dass laut Eigenbericht der GVU Filme im Schnitt 3,7 Tage vor dem Kinostart im Netz verfügbar werden.
Amüsant liest sich die Passage zu den Maßnahmen der GVU in Tschechien. Die Blamage, als GVU-Agenten "Hautabschürfungen und Prellungen" bei mehreren Razzien im tschechisch/deutschen Grenzgebiet erleiden mussten, umschreibt der Jahresbericht mit den Worten:
"So führten GVU-Ermittler unter teilweise abenteuerlichen und auch zum Teil physisch gefährdenden Umständen Voraufklärungen durch, bevor die tschechischen Strafverfolger zugeführt wurden, um die Beschlagnahmungen tatsächlich durchzuführen."
Wie meistens fehlen Erwähnungen der Fehlschläge: zahlreiche Händler konnten sich bei den Razzien in Tschechien durch die Flucht entziehen. Auch vom Kieler Landgericht war keine Rede, welches im vergangenen Jahr untersagte, die GVU mit Ermittlungstätigkeiten zu betrauen oder als neutrale Sachverständige in strafrechtlichen Ermittlungsverfahren zu bestellen. Und auch die blamable Durchsuchung der Räumlichkeiten der GVU während der Operation Boxenstop war der GVU keine Erwähnung wert:
"Entgegen anders lautender Einschätzungen in Teilen der Medien hat es sich bei der durch die drei unterschiedliche Staatsanwaltschaften in Zusammenarbeit mit der GVU im Januar 2006 durchgeführten Aktion „Boxenstop“ um einen sehr nachhaltigen Schlag gegen die Szene der so genannten Release-Groups und ihre Unterstützer gehandelt",
schreibt es im Jahresbericht, ohne ein Wort über die Vorwürfe zu verlieren, selber Server bereitgestellt und an der unerlaubten Verbreitung von Medien mitgewirkt zu haben.
Dennoch - oder naturgemäß - betrachtet die GVU das "Kalenderjahr 2006 im Sinne ihres strategischen Ansatzes als erfolgreich." Wie auch schon im letzten Jahr.
News Redaktion am Dienstag, 24.04.2007 18:34 Uhr
Die Statements der GVU zu den IFPI-Massenklagen halte ich fuer duerchaus intelligent und lesenswert, und daraus macht der Text ja keinen Hehl. Auf der anderen Seite leistet sich die GVU natuerlich auch Pannen und Fehlleistungen, auf die hinzuweisen imo durchaus legitim ist. [/QUOTE ...
ja ne is klar...so legitimierst du also das verhalten sämtlicher ripper und filesharer? weil die großen es nicht anders verdient haben? Die Kunden unfreundlichen Konzerne haben es meiner Ansicht nach nicht anders verdient. ...
Zitat von quasimodo2000: Hier gehts ja schliesslich nicht um den kleinen Künstler von Nebenan, sondern um multinationale Konzerne und Kartelle, die massiv Einfluss auf die Politik nehmen, um weltweit einen totalitären Überwachungsstaat aufzubauen und Aber-Millionen von Bürgern zu Schwerst ...
Immerhin wird so ein erheblicher finanzieller Schaden angerichtet, und ihr habt nichts besseres zu tun, als euch über Versuche, dies einzudämmen, lustig zu machen? Ich profitiere als junger Mensch ja auch davon, aber Copyright-Verfechter zu verarschen geht mir doch etwas zu weit ...
Die GVU ist der faulste Haufen, denn ich je gesehen habe. Ich hatte denen mal diverse Mails zum Thema abzocke im Internet geschickt, keine Antwort. Wofür ist die GVU denn überhaupt noch gut, ich finde die könnte man auch abschaffen, da die leider eh nichts b ringt. Sie unternehmen überhaupt nich ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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