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Raubkopien und Statistik: Kreise ohne Schnittmenge

Das Spiel "Schadenssummen erfinden" hat in gewissen Kreisen Tradition. Nach einem größeren Bust in China war einmal mehr die Rede von milliardenschweren Verlusten der Softwareindustrie. Denn zwei Milliarden klingen einfach imposanter als sieben Millionen oder, mit gutem Willen, deren 28.

Aber zugegeben - es ist schwierig, einerseits die Piraten gewähren zu lassen, um das eigene Monopol nicht zu gefährden, und gleichzeitig den Anschein zu erwecken, man gehe gegen die Kopierer vor und feiere gar noch Erfolge. Der Bust in China wurde gefeiert, obwohl Bill Gates kurz vorher zugab, die Piraterie in China sei eine der Waffen im Konkurrenzkampf mit Linux. Software im Wert von zwei Milliarden Dollar sollen die Piraten vertickt haben.

Beschlagnahmt wurden Softwarekopien im Wert von angeblich 500 Millionen Dollar. 290.000 Datenträger wurden bei dem Bust beschlagnahmt.

Felix Salmon machte sich die Mühe, kurz nachzurechnen. Auf über 1.700 Dollar pro Disc kommt er, wenn die beschlagnahmten Medien tatsächlich die halbe Milliarde Wert haben sollen, die in den Berichten angegeben werden. Die teuerste Software, die mutmaßlich verbreitet wurde, wäre das aktuelle MS Office - 400 Dollar kostet die Soft bei Amazon. Symantec-Software sei ebenfalls unter den konfiszierten Medien gewesen, hier ist die verbreitetste Software eben noch 63 Dollar teuer.

Wie es zu einem Durchschnittspreis von 1.700 Dollar pro Medium kommen kann? Genaues weiß man nicht, nur, dass der tatsächliche Wert noch weitaus niedriger wäre als die offiziellen Softwarepreise - denn eine kopierte Office-Version wird in der Regel eben nicht für 400 Dollar verkauft.

25 Dollar pro Medium veranschlagt Salmon und wird damit viel Luft nach oben lassen - in den einschlägigen Piratenparadiesen sind die Kopien zu Preisen weit im einstelligen Dollarbereich zu kaufen. Weshalb auch Linux oft teurer ist als Windows - die großen Distributionen benötigen mehr CDs als eine Windows-Version. Auch so vorsichtig kalkuliert kommt man auf eben Kopien im Wert von 7 Millionen, die beschlagnahmt wurden.

Halten wir fest: 500 Millionen Dollar schwere Kopien stellen sich als drastisch überbewertet heraus. Auf zwei Milliarden gar beziffere sich der bislang entstandene Schaden laut Microsoft - wenn hier auf dieselbe Weise übertrieben wurde, verkauften die Kopierer Medien für eben mal 28 Millionen Dollar.

Zum Vergleich: Im vergangenen Geschäftsjahr 2006/2007 machte Microsoft einen Gesamtumsatz von 51,1 Milliarden Dollar. Um 28 Millionen umzusetzen, benötigte der Konzern aus Redmond eben mal vier Stunden und 48 Minuten.

News Redaktion am Mittwoch, 01.08.2007 16:15 Uhr

tagsTags: microsoft piraterie china fbi umsatz windows schadenssummen marktwert

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8 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • ghostuser am 04.08.2007 00:33:54

    Der größte Witz ist doch immer der, wenn Hersteller erklären wie viele Käufer dadurch verloren gingen und was das für einen riesigen Verlust ausmache... Schwachsinn.... denn jeder Laie der mal das 1000,-€ teure Photoshop probiert hat, ist der Meinung es sowieso nie voll gebrauchen zu können. ...

  • manion am 02.08.2007 17:48:08

    Nur weil es irgendwo Bedarf und einen Markt für ein 10$ Windows gibt, heißt das noch lange nicht, dass es dort auch einen Markt für ein Vista um 100$ gibt. Die "Berechnungen" dieser Opferindustrien beruhen ja alle auf der völlig irrigen Annahme, dass sämtliche illegale s/w zum vollen "Legalprei ...

  • thekon am 02.08.2007 16:43:18

    Zum Beispiel das Bush Präsident ist, bevor er es war. Aber warum ist das eine Waffe im Konkurrenzkampf mit Linux? Weil Raubkopierer und alle diese illegalen dingsbums Leute....und so...ne, ähm Windows runter laden und Windows dem freien Linux bevorzugen, trotz das es ille ...

  • Mincing_Machine am 02.08.2007 16:19:49

    Und das Schöne ist, dass die (Des)informations-Medien derartige Meldungen mangels echter Journalisten fast immer ungeprüft weiterverbreiten (wie übrigens auch alle anderen Agentur- und Pressemitteilungen). Und noch besser wirds, wenn man weiss, dass "industrie"kritische Arti ...

  • tytu am 02.08.2007 14:21:56

    naja, wenn die die ganze zeit dasCreative suite bundle verkauft haben, oder 3d anwendungen, dann past das mit den 1.7$ ...

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