
Ironischerweise beauftragten die Berliner Verkehrsbetriebe selbst Wissenschaftler aus dem Büro für angewandte Statistik in Berlin mit der Evaluierung des Pilotprojektes, bei dem drei Linien der Berliner U-Bahn mit Überwachungskameras ausgestattet wurden. Die Überwachung und ihr Nutzen wurde untersucht, ein Zwischenbericht wurde angefertigt und der BVG vorgelegt, woraufhin diese kurzerhand den Forschungsauftrag kündigte: es kamen offenbar nicht die gewünschten Ergebnisse heraus.
Denn was tatsächlich nach der Installation der Kameras passierte, dürfte manchem Überwachungsfanatiker sauer aufstoßen. Dass öffentliche Bereiche "zu Ihrem Schutz videoüberwacht" sind, dürfen Bürger regelmäßig auf den einschlägigen Hinweisschildern lesen, im Fall der Berliner U-Bahn gilt offenbar das Gegenteil: im Bereich der drei untersuchten U-Bahn-Linien stieg die Anzahl der registrierten Straftaten im Untersuchungszeitraum leicht an. Geringen Erkennungsquoten und hohem Zeitaufwand bei der Sichtung des Videomaterials steht kaum praktisch messbarer Nutzen gegenüber. Das ernüchternde Fazit der Studie:
"Die gegenwärtige Nutzung rechtfertigt die 24-Stunden-Videoaufzeichnung hinsichtlich bestimmter Delikte wie Angriffe auf Mitarbeiter oder Raub, hinsichtlich Sachbeschädigung oder Taschendiebstahl bislang nicht. Auch ist in Bezug auf die Gesamtheit der gemeldeten Vorfälle bei der gegenwärtigen Nutzung des Instruments keine erhebliche Verbesserung der Sicherheitslage in der Berliner U-Bahn zu erwarten."
Wenig Begeisterung bei den Überwachern, die aus diesem Grund eine weitere Zusammenarbeit mit den Forschern aufkündigte. BVG-Vorstandsvorsitzende Thomas Necker kommentierte den Schritt damit, dass
"...eine Verbesserung der objektiven Sicherheit für unsere Fahrgäste bei derzeit festzustellenden steigenden Kriminalitätszahlen im Bereich des ÖPNV in Berlin mit dieser Art der Evaluation nicht nachgewiesen werden kann."
Der klassische Fall: wenn einem die Ergebnisse nicht gefallen, muss anders untersucht werden - bis das Gewünschte herauskommt. Und das Unerwünschte wird unter den Teppich gekehrt - was jedoch auf Widerstand stieß. Die HU dazu:
"Angesichts dieses offenen Widerspruchs - Kündigung des Evaluationsauftragen wg. Unwirksamkeit und dennoch voller Erfolg des Pilotprojektes - beantragte die Humanistische Union Berlin Akteneinsicht in den Bericht. Nachdem sich die BVG zunächst strikt weigerte, die Studie auch nur auszugsweise zu veröffentlichen, sah sich das Unternehmen schließlich doch gezwungen, die Ergebnisse des Pilotprojektes zu veröffentlichen."
Die Studienergebnisse sind auch im Volltext auf der Webseite der HU einzusehen (PDF).
News Redaktion am Mittwoch, 10.10.2007 10:41 Uhr
Anstatt nutzloser Kameras sollte man sich lieber um geeignetes Personal kümmern, welches für Ruhe sorgen kann. Trotz Kameras haben wir in Essen Strecken, in denen selbst Bahnmitarbeiter (Securities, Kontrolleure) aussteigen und diese Strecke meiden, da sie, vorallem die weiblichen Beamten, immer h ...
Sitzt da wohl ein Entscheidungsträger in dem Vorstand des Überwachungskamera Hersteller? So wie bei Gerhard Schröder bei Gasprom... ...
Die nächste Generation von Schmerzwaffen wird implantiert, erst dann kann sich die volle Effektivität der Videozertifizierung der Bürgerlichen Unbedenklichkeit entfalten. Die Ausrottung des Antisozialen Verhaltens der Potential Terroristen oder altdeutsch "Bürger" wird damit maximiert. ...
So vernichtend finde ich die Studie gar nicht. Dort wird die Qualität und damit Auswertbarkeit der aufgezeichneten Bilder kritisiert. Zudem ist die Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden zu unkoordiniert. Auch sind die Fahrgäste nicht aureichend über die Überwachung informiert, weshalb ...
in frankfurt gibt es in den neuen straßen- und sbahnen kameras. wurde nicht auch dieser eine kinderschänder aufgrund dieser kameraüberwachung gefasst bzw ein foto von ihm, wo er neben einen kleinen jungen sitzt gemacht? ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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