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Copyright in Kanada: Medien vor dem Karren der Musiklobby

Ein "erleichtertes Aufatmen" gehe durch die Reihen des kanadischen Musikbiz, glaubt man Reuters. "Lang erwartet" sei die Reform des Copyright in Kanada, die Regierung sehe die Notwendigkeit schnellen Handelns. Warum? Wegen enormer Verluste, die von der Industrie angesichts laxer Copyrightbestimmungen hingenommen werden müssen. Glaubt man Reuters, so widerspricht dem eben einmal eine "Lobby Group" namens "Canadian Music Creators Coalition". Und wie sieht die Wirklichkeit aus?

Ganz anders als propagiert. 1,3 Milliarden Tracks würden jährlich in Kanada "illegal geladen", behauptet Reuters - um postwendend zu erklären, dass der Download in Kanada eben nicht illegal sei. Diesmal jedoch, um auf das entsprechende Gesetz von 1921 hinzuweisen - wohl, um die Rückständigkeit Kanadas diesbezüglich zu betonen. Legal, illegal? Egal, offenbar, geht es darum, Stimmung zu machen.

Das funktioniert beispielsweise auch dadurch, dass als Befürworter der Gesetzesverschärfung das "kanadische Musikbusiness" angeführt wird, während die Gegner eine "Lobbygruppe" sind. Treffender ist das Gegenteil.

Denn die kanadischen Musiker haben sich schon vor einiger Zeit von ihren angeblichen Interessensvertretern distanziert - vielmehr benötige man als Musiker in Kanada inzwischen Schutz vor den angeblichen Helfern. Der Verband der kanadischen Musikindustrie CRIA musste sich nach dem Austritt zahlreicher kanadischer Labels fragen lassen, wieviel Kanada er noch repräsentiert, die ehemalige Kultusministerin Sarmite Bulte wurde nach einem Spendenskandal der Copyrightlobby abgewählt.

Auch der Copyright-Lobbyistenverband CRA hat die Hände nicht im Schoß liegen: er ließ sich aus Regierungstöpfen bezahlen, um seine Propaganda in Schulen zu verbreiten. Gleichzeitig hat man sich der "Anerkennung internationaler Verträge und Verpflichtungen zum stärkstmöglichen Schutz der Rechteinhaber" verschrieben. Nur: vertreten werden vor allem die Interessen ausländischer, insbesondere US-amerikanischer Unternehmen und Verbände.

Nun stellt sich die Frage: wer ist der Lobbyist und wer vertritt die Interessen der kanadischen Künstler? Ein kleines Lehrstück in der Beeinflussung der Bevölkerung durch die Massenmedien, das Reuters hier abliefert: So wird Meinung durch scheinbar objektive Darstellung manipuliert.

Aber glücklicherweise wird entsprechende Propaganda im Netz nicht mehr kritiklos nachgebetet. Und so weist beispielsweise der kanadische Copyrightexperte Howard Knopf auf zahlreiche Fehler in der öffentlichen Darstellung der Situation hin: Leermedienabgaben würden nicht berücksichtigt, Aufführungsgebühren und Pauschalabgaben für Bildung und Wissenschaft ebensowenig und so weiter.

Aber immerhin: die kanadischen Künstler sind schon einige Schritte weiter. Das geht so weit, dass auch schon einmal Filesharern durch ein Plattenlabel das Verfahren komplett finanziert wird. Schließlich geht es ja um die kauffreudigsten Kunden. Wer hier wohl das zukunftsträchtigere Geschäftsmodell erarbeitet? Vielleicht schreibts Reuters in ein paar Jahren mal.

News Redaktion am Montag, 19.11.2007 16:07 Uhr

tagsTags: medien kanada netzwerk copyright cria propaganda reform reuters cmcc cra wipo

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1 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • niD am 19.11.2007 17:05:31

    Ich find es sehr gefährlich zu behaupten das eine Nachrichtenagentur Stimmung verbreitet (abgesehen jetzt mal von BILD etc.). Nicht das ich alles glaube was so eine Zeitung schreibt aber gerade in Sachen wo ja vermehrt (ich will nicht sagen subjektiv) für "Fileshare" und gegen solche Labels gesc ...

  • gullinews am 19.11.2007 16:04:24

    Ein "erleichtertes Aufatmen" gehe durch die Reihen des kanadischen Musikbiz, glaubt man Reuters. "Lang erwartet" sei die Reform des Copyright in Kanada, die Regierung sehe die Notwendigkeit schnellen Handelns. Warum? Wegen enormer Verluste, die von der Industrie angesichts laxer Copyrightbestimmu ...

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