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Nielsen vs. Videopiraten: Meinungsforscher wollen Netzpolizei spielen

Nielsen, einer der großen Namen in der Meinungsforschung, will sich als Netzpolizist versuchen: nächstes Jahr soll ein Service starten, der "sicherstellen soll, dass Videos im Netz nur so zugänglich sind, wie von den Rechteinhabern vorgesehen ist". Wie das wohl funktionieren soll?

Das weiß momentan noch niemand, ebensowenig, warum sich Nielsen auf dieses Terrain begibt, in dem man - ganz anders als in den sonstigen Betätigungsfeldern von Nielsen - kaum verlässliche Zahlen finden kann. "Video Census" soll der Dienst heißen, der unter anderem über Stichproben-Befragungen Daten ermittelt. Kunden will Nielsen sowohl unter den Content-Lieferanten wie NBC Universal oder dem Discovery Channel als auch bei den Plattformen wie MySpace und YouTube finden.

Warum? Anwendungsbereiche sind zwar viele denkbar, weshalb Nielsen hier jedoch den Aspekt "ausschließliche Verwendung genehmigter Kanäle" so stark in den Vordergrund stellt, verblüfft.

Im Fall YouTube ist beispielsweise anzunehmen, dass diverse Rechteverwerter mit Pauschalbeträgen bedacht werden, um die Uploads geschützten Contents durch die User zu vergüten. YouTube Deutschland schloss beispielsweise einen Deal mit der GEMA ab, um zu verhindern, dass User wegen unlizensierter Uploads verklagt werden. Und in der Tat wäre es nun gut zu wissen, welche Videos wie oft angerufen wurden, um entsprechend Vergütungen zu verteilen. Dasselbe Muster kann für andere Medien und andere Verwerter bzw. Rechteinhaber gelten.

Nur müsste dafür nicht das Fass "Netzpolizei" aufgemacht werden. Denn wie will Nielsen herausfinden, wieviele Videofiles als gepackte RAR-Files über verschiedene Kanäle verbreitet werden? Wie soll die ominöse "Sicherstellung" der ausschließlichen Verwendung "genehmigter" Verbreitungswege stattfinden?

Während ein einigermaßen gerechter Schlüssel zur Verteilung von Pauschalabgaben durchaus richtig und wichtig wäre. Dass Einnahmen durch Netzlizenzen nach demselben Schlüssel verbreitet werden wie die bei Offline-Medien, führt zur Übervorteilung innovativer Künstler, die überwiegend im Netz populär sind, in den Offline-Medien hingegen selten vorkommen.

Zu befürchten steht aber auch, dass einmal mehr irrsinnige "Pirateriezahlen" publiziert werden, die mit der Wirklichkeit wenig zu tun haben werden. Bei Umfragen ist mit einer hohen Verfälschungsquote zu rechnen - Fragen nach illegalen Aktivitäten werden nicht gerne wahrheitsgetreu beantwortet. Im Netz ist die Lage nicht anders - einen Großteil der Distributionswege für Videos via Internet kann Nielsen gar nicht wahrnehmen, geschweige denn analysieren.

News Redaktion am Mittwoch, 05.12.2007 15:37 Uhr

tagsTags: piraterie online gema download myspace marktforschung nielsen youtube meinungsforschung rating video nbc

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