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Netzzensur in Japan, Australien: Niemand hat die Absicht, eine chinesische Firewall zu bauen

Denn schließlich reden wir hier von freiheitlichen, westlichen Staaten. Und wenn dort die Zensur immer wilder um sich greift, wie nun in Japan und Australien, dann ist das natürlich nur der Sicherheit der Bürger sowie dem Jugendschutz geschuldet. Mitnichten soll ein nach dem Willen der Zensoren schöngefärbtes Bild der Realität im Netz entstehen, keinesfalls wird den Bürgern online eine rosa Brille zwangsverordnet.

In Japan soll Webcontent nun ähnlich wie Rundfunk behandelt werden, was dazu führt, dass mit Ausnahme beispielsweise von Email und Messenger/Chat "schädliche" Inhalte "entfernt oder korrigiert" werden sollen. "Mobiler Schmutz und Schund" ist ein weiteres Ziel der Zensurbestrebungen: angesichts der handyverrückten Jugend Japans sollen Mobile-Inhalte in Black- und Whitelists sortiert werden: erstere dürfen anschließend nicht mehr von Minderjährigen per Handy abgerufen werden. Zu guter Letzt soll P2P-Download rechtlich stärker kontrolliert werden. Bislang ist - ähnlich wie in Deutschland bis Ende 2007 - der Upload bzw. das Angebot urheberrechtlich geschützten Materials verboten, ein Gesetzesentwurf will diese Regelung auf den "Transfer" entsprechender Daten - Up- wie auch Download - ausdehnen.

Und auch in Australien hat man nichts daraus gelernt, dass man mit bisherigen Filter-Anläufen schmerzhaft auf die Nase gefallen ist. Weniger erschreckend als die Ankündigung, Filterverpflichtungen für Provider würden unumgänglich kommen, ist die Begründung des Telekommunikations-Ministers Stephen Conroy:

"Wenn die Redefreiheit mit dem Betrachten von Kinderpornografie gleichgesetzt wird, dann wird die Regierung dem nicht zustimmen."

Wohlgemerkt: es geht um Filter, die im Dienste des Jugendschutzes "gewalttätige und pornografische Inhalte" sperren sollen. Wenn angesichts der Gängelung der erwachsenen Bevölkerung mit Jugendschutzrichtlinien die Redefreiheit angemahnt wird und einem Minister nichts besseres einfällt, als mit der Kinderpornokeule zuzuschlagen, dann ist die "Netzregulierung" offenbar in völlig falschen Händen.

Aber wie gesagt: Japan ist nicht China, Australien ist auch nicht China, und überhaupt ist alles zum Besten der Bevölkerung. Zu guter Letzt: was gefiltert werden soll, werden ja "unabhängige Stellen" beschließen. Und an diesen Stellen weiß man in der Regel ja, was gut ist für die Menschen und was nicht.

News Redaktion am Donnerstag, 03.01.2008 11:28 Uhr

tagsTags: china japan jugendschutz handy gewalt pornografie isp filter zensur firewall australien kinderporno

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7 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Schnally am 05.01.2008 16:15:18

    Die wollen doch alle nur unser Bestes... :rolleyes: Achtung: Ironie ...

  • cheaterpd am 05.01.2008 16:03:18

    Sehr schön geschrieben...mit viel Ironie und Sarkasmus;) Und wieder einmal werden die Rechte eingeschränkt, zum "eigenen Wohl". Herrlich, ich liebe das. Der normale Bürger muss schließlich geschützt werden.:rolleyes: Das Schlimme an der Sache, dass die Einführung einer Netzzensur in einem ...

  • am 04.01.2008 19:58:40

    ich meld schonmal ein patent an für meinen prototyp, den enforcer 3000 helm: lässt den tragenden ein willenloser sklave werden der nur gutes tut, viel arbeitet und ein besseres miteinander fördert. ausserdem passt er modisch zu vielerlei dingen:confused: "die partei, die partei ...

  • Mephisto74 am 03.01.2008 14:01:38

    Zum Wohle der Bevölkerung. Wenn ich das schon höre. Wieso darf sich nicht jeder selbst um sein Wohlergehen kümmern? weil du keine ahnung hast was gut für dich ist, darum solltest du deiner Regirung froh sein das sie sich so liebevoll um dein wohlergehen sorgt.......:mad: ...

  • ulud4g am 03.01.2008 13:55:58

    Zum Wohle der Bevölkerung. Wenn ich das schon höre. Wieso darf sich nicht jeder selbst um sein Wohlergehen kümmern? ...

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