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Laptops, Zypries, Banken, harmlose verschwundene Daten und die Botschaft an die Bürger

Für den Spott nicht zu sorgen brauchte Justizministerin Zypries, nachdem zwei Laptops aus ihrer Wohnung geklaut wurden. "Keine brisanten Daten" seien enthalten gewesen. Auch die Reaktion auf zunehmende Quoten bei verschwundenen Laptops aus Banken scheint gar zur Routine geworden zu sein. Grund genug, um einmal nachzufragen, was das Gefasel von "nicht brisanten Daten" soll und welche Botschaft mit solchen Statements vermittelt wird.

Denn sind wir mal ehrlich: gäbe es ein Festplattenimage der Zypries-Rechner via Torrent, wer würde es sich nicht einmal ansehen wollen? Selbst wenn die Aussage der Wahrheit entspräche: was wäre von einer Justizministerin zu halten, die nachweislich zwei Laptops besitzt, auf denen sich absolut keine Daten befinden, die mit ihrer Arbeit zu tun haben? Wären enthaltene private Daten denn nicht "brisant"? Könnte nicht jedes Boulevardblatt sogar aus den Minesweeper-Highscores von Brigitte "Was ist nochmal ein Browser?" Zypries eine dreiseitige Story machen?

Umso schlimmer, wie reflexartig der Spruch von den "nicht brisanten Daten" aufgesagt wird. Faktisch demontiert die Aussage die Ministerin komplett: wer heutzutage nicht einen, sondern gar zwei Laptops besitzt, und auf keinem der Rechner Daten gespeichert hat, die nicht für alle Welt bestimmt sind, outet sich als technisch inkompetenter Mensch, der möglicherweise einen MySpace-Account braucht, aber mit Sicherheit keine zwei Laptops.

Die reflexartige "Alles in Ordnung" - Reaktion scheint sich jedoch generell bei Datenverlusten durchzusetzen. 2005 hatte sich bereits das Angebot der kostenlosen Kontenkontrolle nach Datenlecks etabliert, und heute scheint es zum Normalfall geworden zu sein. Kunden- oder Bankdaten verschwunden? OK, wir bieten ein Jahr Kontenüberwachung für lau an, dann wird wohl wieder alles in Ordnung sein.

Beide Sachverhalte zeugen von einer erschreckenden Gleichgültigkeit bezüglich der Sprengkraft so verloren gegangener Daten. Während Securityexperten vor Identitätsklau warnen, während Bürger ihre Festplatte als Teil ihrer Privatsphäre und quasi-externalisiertes Hirn vor staatlichen Schnüfflern geschützt wissen wollen wie ihre Wohnung auch, erklärt eine Justizministerin zwei geklaute Laptops zum "nicht brisanten" Datenverlust, setzen Banken und Unternehmen den Schaden durch verlorene oder gestohlene Kundendaten mit dem Preis einer einjährigen Kontenüberwachung gleich.

Insofern: es steht zu befürchten, dass Unternehmen Securitykosten aufrechnen gegen die Unkosten einer Anzahl von Kontenüberwachungen, die man im Verlustfall eben aufbringen muss. Und dass die zweite Lösung die billigere ist. Weiter steht zu befürchten, dass diese Abwertung privater Daten auch von der Politik tätig unterstützt wird - eine Justizministerin, die auf zwei Rechnern "nichts zu Verbergendes" gespeichert hat, ist offenbar ein Glücksfall und nicht etwa ein Skandal. Fakt ist: wer auf einem Laptop keine vertraulichen Daten gespeichert hat, braucht keinen. Und eine Justizministerin, die den Verlust zweier Laptops mit einem "keine brisanten Daten enthalten" abtut, propagiert nebenbei eine "Nichts zu verbergen" - Haltung, die suggeriert, dass kein Normalbürger sich darüber sorgen müsste, dass sonstwer auf seinen Platten herumstöbert - wer "brisante Daten" besitzt, ist ja offenbar selbst schuld. Schließlich muss sich nicht einmal die Justizministerin nach dem Verlust ihrer Laptops um so etwas Sorgen machen.

News Redaktion am Montag, 04.02.2008 10:49 Uhr

tagsTags: identitätsdiebstahl justizministerium festplatte laptop kontodaten zypries

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14 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Wulk am 06.02.2008 00:26:30

    sieht nur für mich diese ganze laptop-klau-aktion total gestellt aus? Solche Nachrichten über schlimme Ereignisse muss die gleichgeschaltete Presse immer dann bringen, wenn unsere Volksvertreter uns auf eine neue Gängelei vorbereiten wollen. So wurde aus Florida-Rolf Hartz ...

  • griever92 am 05.02.2008 10:10:20

    auf jedenfall weis man jetzt wie kompetent diese dame in sachen computerfragen ist... was fast auf die ganze regierung zutrifft und diese machen gesetze die computer betreffen... is ja fast so, wie wenn ein blinder den mond beschreiben soll, er könnte ihn zwar beschreiben, aber auch nur dann wenn d ...

  • gruni1984 am 05.02.2008 08:46:29

    Also wer nicht weiß, was ein Brausär :D ist, versteht wohl auch nicht, dass dieses automatische Vervollständigen der URL, ähm Internetadresse nur klappen kann, wenn der Computer gespeichert hat, wo man schon drauf war. Passwörter die der Rechner selbstständig ins Feld schreibt, sind da auch ge ...

  • W.Tang am 04.02.2008 20:03:25

    Umso schlimmer, wie reflexartig der Spruch von den "nicht brisanten Daten" aufgesagt wird. Faktisch demontiert die Aussage die Ministerin komplett Das funktioniert bei Politikern wie bei Säuglingen die Spontanatmung ...

  • rynard am 04.02.2008 17:19:18

    Wenn das Zeug auf den Platten anständig verschlüsselt ist, haben die Diebe nur Datenmüll. Die Aussage "keine brisanten Daten" wäre dann eine typische Politiker-Halbwahrheit - bis die Daten (via brutforce) entschlüsselt sind, könnten sie in der Tat nicht mehr brisant sein. Je nachdem, mi ...

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