
Der Buchhandel sieht sich nach der Musik- und der Pornoindustrie nun in einer vergleichbaren Überlebenskrise wie die Plattenlabels und die Hersteller von Schmuddelfilmen. An den Verlusten der Branche sind, wie üblich nur die Online-Piraten schuld. Das Internet sei nicht nur voller illegaler Musik, Filme oder Sexvideos. Man sieht sich auch mit einer Flut von illegalen Kopien von Büchern konfrontiert. Fest steht: Ursache der Krise ist ähnlich wie in der Musikindustrie das Fehlen eines brauchbaren Geschäftsmodells für das digitale Zeitalter. Das Buch in seiner herkömmlichen Vertriebsform scheint überholt zu sein. Und was die Filesharer auf legalem Weg nicht kaufen können, kopieren sie sich halt. Der Verband indes bezeichnet das Internet als ein zweischneidiges Schwert. "Es ist gut, um die Leserschaft eines Autors zu steigern aber verhängnisvoll, wenn es darum geht, diese in Erträge umzuwandeln", erklärte die britische Schriftstellerin Tracy Chevalier. Auch sie fordert neben neuen Vertriebsmodellen nach härteren Strafen für die Raubmordkopierer.
Auch in Deutschland seien die Auswirkungen deutlich zu spüren. Von einem bevorstehenden Tod der Literatur wollte Gudrun Bolduan vom Verlegerausschuss des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels gegenüber pressetext.at nicht sprechen. Die nicht lizenzierten Kopien von Büchern hätten aber enorm zugenommen. Besonders betroffen sei dabei die Gattung der Hörbücher. Vor zwei Jahren hätte man etwa 110.000 illegale Hörbuchangebote im Netz gezählt, dem standen damals 24.0000 nur legale Hörbücher gegenüber. Doch auch Frau Bolduan ruft nach härteren Strafen und schlägt vor, das Angebot von E-Books vermehrt in das Angebot des Buchhandels zu integrieren.
Aber es geht auch ganz anders: Paulo Coelho ("Der Alchemist", "Die Hexe von Portobello" etc.) stellt Raubkopien seiner eigenen Werke ins Netz - und verkauft so zum Erstaunen seiner Verleger mehr seiner Bücher. Er kann und will der Logik der Industrie "Raubkopierer sind Verbrecher" nicht folgen. Coelho hat die Filesharer als potenzielle Kunden verstanden und vertreibt seine Werke in den unterschiedlichsten Sprachen auf seinem Weblog "Pirate Coelho" per eDonkey2000-Links. Seiner Meinung nach konnte er so die Verkaufszahlen seiner Bücher stark steigern. Vielen, denen das Buch als PDF gefallen hat, werden nicht zögern, es auch als Printausgabe zu bestellen. Viele Leser vom PDF sprechen darüber und wirken als Multiplikatoren, was den Bekanntheitsgrad des Buches steigert. Wenn jemand die Datei geschenkt bekommt und mehr von dem Autor lesen will aber nicht versiert genug ist den Esel (eDonkey) anzuwerfen, wird weitere Bücher im Buchhandel um die Ecke beziehen. Andere begeisterte Leser des E-Books verschenken es in einer gebundenen Version an Dritte, was wiederum den Bekanntheitsgrad steigern dürfte.
Ob man Paulo Coelho seine Theorie glaubt oder nicht: Er persönlich war damit bisher überaus erfolgreich. Um seine PiratenSite noch populärer zu machen, hat er sie sogar auf seiner offiziellen Website verlinkt. In einem Eintrag seines eigenen Weblogs soll er mit gespieltem Entsetzen darauf verwiesen haben. Er zumindest hört wegen sinkender Verkaufszahlen nicht auf zu schreiben, im Gegenteil.
(Via pressetext.at & literaturcafe.de)
News Redaktion am Montag, 31.03.2008 18:26 Uhr
Na ja, den größten Verlust werden die wohl dadurch hinzunehmen haben, das immer weniger Leute überhaubt noch n Buch in die Hand nehmen. Wird ja wohl kaum so sein das jetzt alle Welt vorm eBook sitzt?! (ausser eventuell mal ne Gebrauchsanleitung!) ...
Nettes Bild gefunden: http://users.du.se/~jsv/downloading_communism.jpg Gilt das auch für Blood and Honour? :eek: ...
naja dann warten wir mal auf den kopierschutz für bücher, gespannt wie sie das anstellen wollen :D Tinte die bei Lichteinfall verblasst (Kopiererlicht). Könnte man prima mit einer Zeitlizenz verknüpfen. Die Tinte bleicht auch nach 30 Tagen aus :) ...
ich hab mir das jetzt nich alles durchgelesen, will aber trotzdem meinen senf dazu geben. ich glaube dass die ganzen umsatzeinbrüche auch großteils darauf basieren, dass in letzter zeit einfach nurnoch mittelmäßiger müll produziert wird...... ich kann das jetzt nur persönlich für mich so fes ...
jemand der nur schreibt um geld zu verdienen, kann meintewegen gerne aufhören Jup. Ganz genau. Das Gleiche gilt für Musik. Ich finde es fraglich, ob Kunst zu machen, UM davon zu leben eine sinnvolle Motivation ist. Bringt das die Welt weiter? Es sollten Leute Kunst machen ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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