
Das die Amerikaner eine ganz besondere Haltung gegenüber Schimpfwörtern haben, ist allgemein bekannt. Und auch das Apple bei der Lizensierung von Apps für das iPhone gerne einmal hart durchgreift, ist keine Neuigkeit. Der Fall der Wörterbuch-Anwendung "Ninjawords" erinnert allerdings an ein Possenstück.
Insgesamt dreimal mussten die Entwickler ihr Angebot einreichen, bevor es von Apple zugelassen wurde. Dabei handelt es sich um ein einfaches Wörterbuch der englischen Sprache. Also etwas, das jeder Schüler in der Analogversion regelmäßig in der Hand hat.
Die Apple-Kontrolleure verlangten aber, dass eine Reihe "anstößiger" Begriffe aus dem Wörterbuch gelöscht wurden. Als die Entwickler dabei das Wörtchen "cunt" (zu Deutsch "Fotze") vergaßen, mussten sie den Einreichungsprozess gleich noch einmal wiederholen. Trotz alledem wurde die Anwendung letztlich auch noch mit der Altersbegrenzung "ab 17" belegt.
Dabei hatten sich die Entwickler sogar besondere Mühe in Sachen Jugendschutz gegeben: "Wir haben eine Menge Zeit darin investiert es so einzurichten, dass man vulgäre Wörter vollständig eintippen muss, und nur dann bekommt man Vorschläge in den Suchergebnissen angezeigt. Wenn man zum Beispiel "fuc" eingibt, dann wird man nicht "fuck" als Vorschlag sehen." Im Klartext: Man konnte nur nach "bösen Wörtern" suchen, die man so oder so bereits kannte.
Zu den letztlich entfernten Begriffen gehören etwa "ass" ("Arsch"), "pussy" ("Muschi") und "cock" ("Schwanz"). "Ass" und "cock", merkt ein Kommentator süffisant an, werden übrigens auch in der geläufigsten englischen Bibelübersetzung regelmäßig verwendet. In der Tat scheint das Vorgehen Apples selbst für amerikanische Verhältnisse äußerst ungewöhnlich. Selbst Unternehmen wie die sonst äußerst konservative Supermarktkette Wal Mart kleben schließlich keine Warnschilder auf Wörterbücher.
Der letzten Endes nicht weltbewegende Fall Ninjawords verweist auf ein weitaus bedeutenderes Problem. Apple kann als zentrale Kontrollinstanz festlegen, welche Anwendungen in seinem App Store angeboten werden dürfen. De facto bestimmt das Unternehmen damit, was seine Kunden sehen dürfen und was nicht. Würde ein Staat sich so verhalten, wäre schnell von Zensur die Rede. Bei kommerziellen Angeboten dagegen gibt man sich häufig mit Kontrolle und Bevormundung zufrieden.
Es ist nicht so, dass Apple nicht das Recht hätte, über die Angebote in seinem App Store zu entscheiden. Aber es ist eben ein Recht, dass auf einer zentralisierten Infrastruktur basiert: Für die Kunden gibt es keine Wahlmöglichkeit gegen den App Store. Die enge Verknüpfung von iPhone-Hardware und entsprechenden Software-Angeboten mag für das Unternehmen der sprichwörtliche Goldesel sein. Für die Kunden bedeutet es aber das Leben mit einem Zensor. (Simon Columbus)
(via Techdirt, thx!)
News Redaktion am Donnerstag, 06.08.2009 19:53 Uhr
Ja, Google übersetzt das nämlich so. Aber ich verwende kein I-Phone vor allem aufgrund der teuren Gebühren, wenn ich es verwende. Und die legt ja die Telekom fest. Mir ist es daher egal, was und wieviel zensiert wird. Außerdem gibt es doch schon längst Apps, bei denen man die Zensur rückgängi ...
naja auch wenn das keine zensur, sonder jungenschutz ist, greift apple trotzdem ziemlich häufig ein, und "zensiert" apps von google oder ähnlichem. mit sowas muss man eben leben, wenn man iphone besitzer ist, oder man jailbreakt das ding einfach. ...
Würde ein Staat sich so verhalten, wäre schnell von Zensur die Rede. Bei kommerziellen Angeboten dagegen gibt man sich häufig mit Kontrolle und Bevormundung zufrieden. Na, na, na.... das ist doch keine Zensur. Hier nennt man sowas doch "Jugendschutz".... : ...
dann ist tricky dick gar keine technik? :D ...
und Dick ist bekanntermaßen auch die Kurzform von Richard (also Ritschärt, nicht Richard). ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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