
Charter Communications, der viertgrößte Internetanbieter in den USA, verkündete seinen Kunden jüngst diese Hiobsbotschaft. Man wolle in Zukunft das gesamte Surfverhalten jedes einzelnen Breitbandnutzers aufzeichnen und analysieren, um zielgerichtet Werbung schalten zu können. Wer hier noch ruhig bleibt, darf sich auf den nächsten faux Pas gefasst machen. Die Daten werden natürlich nicht selbst ausgewertet und verarbeitet. Vielmehr gibt man diese an eine andere Firma, also Dritte, weiter. Diese haben sich auf Werbung spezialisiert und werden die Analyse der gesammelten Daten vornehmen. Ziel des Ganzen: Die Charter Kunden sollen während des Surfvorgangs scheinbar mit Werbung geplättet werden, die eben diesem entsprechen.
Wie ernst diese Idee ist, lässt sich kaum in Worten ausdrücken. Die Zahlen sprechen für sich. Mehrere zigtausend Kunden in 4 verschiedenen "Testbereichen" haben bereits Briefe mit der entsprechenden Mitteilung erhalten. Der Provider selbst gibt an, das System vorerst nur für 30 Tage testen zu wollen. Erst danach entscheide man sich, ob man es für die 2,8 Millionen weiteren Kunden ebenfalls einführen wolle. Über den Datenschutz bzw. die Überwachung und Ausspähung privater Daten bei einem solchen Vorgang mag man nur Mutmaßungen anstellen. Wenn "Papi" also abends noch drei oder vier Pornosites besucht, muss er ab sofort befürchten, dass den Kindern am nächsten Tag eben solche "heiße" Werbung am PC entgegen kommt.
Ted Schremp, der Vizepräsident von Charter Communications, sieht das Ganze wesentlich entspannter.
"Wir haben unseren Kunden genauestens mitgeteilt, was wir vorhaben. Unsere Mitteilungen waren sehr fürsorglich verfasst und enthielten kein Kleingedrucktes."
Das mag sogar stimmen. Der Brief enthielt nur fünf essenzielle Punkte, einer davon sprach lediglich von einer "erweiterten Online-Erfahrung, die stärker auf ihre Interessen und Aktivitäten zugeschnitten ist. Das Ergebnis unseres Projektes wird sein, dass Sie in Zukunft nicht mehr Werbung sehen, aber dafür auf Sie zugeschnittene, aufgrund der von Ihnen besuchten Seiten!"
Man möchte fast ein Loblied auf diese geniale Idee besingen. Aber halt. Wer hat eigentlich darum gebeten?
(Via New York Times, Bild via instant-thinking.de, thx!)
News Redaktion am Donnerstag, 15.05.2008 13:35 Uhr
Denkst du das wird dafür nicht ausgenutzt werden? Was weiß ich, was die alles machen... Jedenfalls steht es nicht da :) ...
Warum darf der Kunde nicht selbst entscheiden, ob er sowas will oder nicht? ...
da fallen mir doch dann gleich tausende Möglichkeiten ein, was man mit den Daten machen kann.... So nach dem Motto "Datenschutz... was ist das??" Und es wird keinen interessieren.....und wenns der eine Provider darf, werden es in Zukunft alle machen... echt krank... ...
Wird endlich Zeit das die Ära des unverschlüsselten Datenwege endlich zuende geht und jegliches HTTP zu httpS wird. *gg* Dann kommt noch einige FF Plugins hinzu die kontinuierlich Webseiten "ansurfen", dann können die ruhig alles mitloggen und da mal versuchen Geziehlte Werbung zu schalten, die ...
Naja wenns "nur" um Werbung geht, isses ja nicht der Hit.. Aber wenn sie die gesamten Datenverkehr nun aufzeichnen und weitergeben inkl. sensibler Daten wegen illegaler Aktivitäten, fände ich das ein Stück beunruhigender :) Denkst du das wird dafür nicht ausgenutzt werden? ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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