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LittleShoot: Ein offenes Browser-P2P-System für alle

Adam Fisk hat sich viel vorgenommen. Der ehemalige Limewire-Entwickler arbeitet derzeit an LittleShoot, einem Projekt, das ein auf Peer-to-Peer-Technologie beruhendes "YouTube für alle Arten von Dateien" werden soll. Über eine Webseite wird man Dateien suchen können, die über eine Hintergrund-Anwendung von anderen Usern heruntergeladen und per Streaming sofort angeschaut,-hört und durchgelesen werden können.

Ganz groß auf die Fahne hat sich LittleShoot die Usability geschrieben. Sämtliche Verbindungs- und Filetransferaktivitäten übernimmt das Programm im Hintergrund, während über das Web-Frontend Dateien in Google-Manier gefunden werden können. Die Freigabe von Dateien funktioniert über eine einfache "Publish"-Funktion. Datei auf der Festplatte aussuchen, mit Tags (Schlagwörtern) versehen und schon steht sie dem gesamten Netzwerk zur Verfügung und können über die Website aufgefunden werden. Auf diese Art soll auch Anfängern in der Materie Filesharing der Einstieg so leicht wie möglich gemacht werden.

In der Tat klingt LittleShoots Konzept gut, es steht in der Landschaft der Filesharing- und Mediastreaming-Applikationen für sich: Keine aufwändige Suche nach einer funktionierenden Torrent-Datei, keine komplizierte Einrichtung eines P2P-Clients, keine Einschränkungen hinsichtlich Qualität und Länge wie bei YouTube-Videos mehr.

Technisch basiert LittleShoot auf modular integrierten Open Source-Protokollen. Darunter befinden sich unter anderem solche, die NAT Traversal beherrschen und somit dem Benutzer die ewig mühsamen Portweiterleitungen und Firewallkonfigurationen ersparen sollen. Ebenfalls integriert wird eine Technik, mit der geographisch näher gelegene Peers beim Transfer bevorzugt werden, um die internationalen Netzkapazitäten zu entlasten. Aufgrund der offenen Protokolle soll später auch anderen Anwendungen wie BitTorrent-Clients ermöglicht werden, auf LittleShoots Infrastruktur zuzugreifen. Da die Entwickler anfangs noch von keiner überwältigenden Anzahl von Shares ausgehen, wird die Suche auch Ergebnisse von externen Diensten wie YouTube, Flickr und LimeWire auflisten. Gerade letztere Schnittstelle könnte interessant werden, da der sich sonst sehr "seriös" gebende Service mit einer Downloadmöglichkeit aus dem Gnutella-Netz durchaus ein Gros an urheberrechtlich geschütztem Material ausspucken dürfte.

Entfernt erinnert LittleShoots Funktionsweise an die 2002 von der RIAA eingestampfte Musiktauschbörse Audiogalaxy. Auch hier gab es ein kleines Programm, den so genannten "Satellite", welcher im Hintergrund die Transfers abwickelte, während man sich über eine zentrale Website nach Downloads umsah. Mag man über ein Browser-basiertes Frontend denken was man will — zuletzt ist AllPeers mit diesem Ansatz baden gegangen — dank der offenen Architektur des Projekt dürfte es bei anhaltendem Erfolg sicher auch bald Standalone-Clients mit eigener GUI geben.

Eine gewichtige Frage bleibt die nach urheberrechtlich geschütztem Material. Denn so sehr die Leute hinter LittleShoot auf der Website auch das basisdemokratische Potential ihrer Software betonen, zeigen sie sich genauso offen gegenüber möglichen Forderungen der Rechteverwerter:

Zuerst und zuvorderst: Littleshoot ist kein Tool zur Verbreitung urheberrechtlich geschützter Inhalte. (...) LittleShoot befolgt das Copright und etwas, von dem du vielleicht schon gehört hast, dem "Digital Millenium Copyright Act" oder "DMCA". Nach diesem kann uns ein Rechteinhaber auffordern, Links zu Dateien zu entfernen, für die sie die Rechte besitzen. Wenn wir gerechtfertigte Löschforderungen erhalten, werden wir besagte Inhalte entfernen. Ebenso werden wir, sobald wir darauf aufmerksam werden, Dateien aus dem System entfernen, (...) von denen wir wissen, dass die Benutzer nicht die Rechte dafür besitzen.

Das klingt nach vorauseilendem Gehorsam, ist aber insofern verständlich, da schon LimeWire nicht zu knapp verklagt wurde. Bloß ist fraglich, ob LittleShoot tatsächlich dem postulierten Graswurzel-demokratischen Anspruch gerecht werden kann, wenn es mit dem Ausschluss von Dateien aus den Ergebnissen der Suche eine zentrale Instanz gibt, bei der Zensur auszuüben möglich ist. Eine P2P-Applikation, welche nicht wenigstens mehrere alternative Suchfunktionen beinhaltet, ist heutzutage viel zu leicht angreifbar und wird auch dem tendenziell anarchischen Geist des Filesharing, bei dem eben häufig Copyright und Informationsfreiheit kollidieren, nicht gerecht. Aber auch hier könnte die Open Source-Bewegung aushelfen und alternative Suchserver oder gar eine dezentrale Suchfunktion, etwa basierend auf DHT, bereitstellen. Man darf gespannt sein, in welche Richtung der Service sich entwickelt.

LittleShoot befindet sich derzeit noch im geschlossenen Betastatus. Wer informiert werden will, wenn der Service an die Öffentlichkeit geht, kann auf der Startseite des Projekts seine E-Mail hinterlassen. Wir werden euch ebenfalls über den Entwicklungsstand auf dem Laufenden halten.

(via p2pnet, thank you!)

News Redaktion am Donnerstag, 05.06.2008 20:47 Uhr

tagsTags: filesharing p2p technik limewire adam fisk browser-basiert littleshoot

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