Der unabhängige IT- und Tech-Kanal!
internet.board.entertainment.games.hardware

  • gulli
  • Nachrichten
  • Soziale Netzwerke: Interview mit Bettina Sokol, Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW

Soziale Netzwerke: Interview mit Bettina Sokol, Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW

Soziale Netzwerke erfahren aktuell in Deutschland einen unglaublichen Hype. Neun Millionen Deutsche sind laut einer Erhebung des BITKOM bei StudiVZ, SchülerVZ, Facebook, Myspace & Co. registriert. Zunehmend beteiligen sich ausgerechnet die jüngsten und unerfahrensten Surfer an diesem Trend. Wir haben uns mit Bettina Sokol, der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW über dieses Thema unterhalten.

Lars Sobiraj: Neun Millionen Deutsche präsentieren sich neuesten Schätzungen zufolge in sogenannten Online-Netzwerken. Zwölf Prozent der Bürger ab 14 Jahren sind dort vertreten. Besonders bei Jugendlichen kommen Einrichtungen wie SchülerVZ oder StudiVZ sehr gut an. Was halten Sie von diesem Trend?

Bettina Sokol : An sich entspricht es der natürlichen Entwicklung von Jugendlichen, dass sie den Meinungs- und Interessenaustausch untereinander sehr intensiv suchen, dass sie sich präsentieren und dabei unter Umständen auch extreme Formen der Darstellung der eignen Persönlichkeit zeigen. Das Ausprobieren von Eigendarstellungen und die Suche nach eigenen Positionen gehören zum Erwachsenwerden dazu. Durch soziale Netzwerke sind hierfür einerseits ganz neue und interessante Formen und Möglichkeiten entstanden, andererseits aber auch leider Gefahren, die sich oft erst viel später realisieren. Denn anders als in der realen Welt, in der eine absurde Meinung oder eine misslungene Selbstdarstellung in Vergessenheit geraten, bleibt im Netz alles erhalten und kann Jahre später noch recherchiert werden. Die Fälle etwa, in denen Stellenbewerberinnen und -bewerber mit "Jugendsünden" konfrontiert werden, die im Netz noch vorhanden waren, nehmen leider zu.

Lars Sobiraj: Sind unsere jüngeren Mitbürgerinnen und Mitbürger ausreichend auf alle Risiken im Internet vorbereitet? Sind sich die Kids überhaupt darüber im Klaren, welche Gefahren die Veröffentlichung ihres Profils mit sich bringen könnte? Und was man mit deren Daten so alles anstellen kann?

Bettina Sokol: Ich denke hierzu ist sicher noch Aufklärungsarbeit notwendig. Wir erstellen gerade zur Stärkung der Medienkompetenz in Kooperation mit der Initiative IT-Secure NRW eine Broschüre für den Unterricht an Schulen, die im Herbst zur Verfügung stehen soll.

Lars Sobiraj: Immer mehr Teilnehmer veröffentlichen bei Myspace, Facebook oder auf ihrem persönlichen Weblog intimste Daten, laden private Bilder von sich hoch, die später auch von Suchmaschinen gefunden werden können. Was kann man tun, um an dieser Stelle für mehr Datenschutz zu sorgen?

Bettina Sokol: Die Netzwerkbetreiber können und müssen für die Sicherheit der Daten sorgen. Sie haben etwa sicherzustellen, dass die Daten ihrer Nutzerinnen und Nutzer nicht massenhaft herunter geladen werden können.

Wer sich aber persönlich umfassend im Netz öffentlich präsentieren will, nimmt, damit sein Recht auf informationelle Selbstbestimmung in dieser Form war. Vor den negativen Konsequenzen ihres eigenen Handelns können solche - ich nenne sie einmal "Netzexhibitionisten" - nicht geschützt werden.

Für diejenigen, die zwar in Netzwerken aktiv sein wollen, aber dabei einen gewissen Schutz der eigenen Persönlichkeit dennoch waren möchten, empfehle ich die Nutzung von Pseudonymen.

Lars Sobiraj: Kostenlose Communitys finanzieren sich häufig über Werbung. Mithilfe der privaten Angaben können diese z. B. bei weiblichen Besuchern für kosmetische Artikel oder bei Männern gezielt für technische Geräte werben. Wie weit darf, und sollte die Kontrolle staatlicher Behörden hierbei gehen?

Bettina Sokol: Bei der Nutzung persönlicher Daten von Netzwerkmitgliedern für Werbezwecke, sind die Datenschutzgesetze zu beachten und die Datenschutzaufsichtsbehörden können hier auch umfassend kontrollieren, ob die Gesetze eingehalten werden. Dabei handelt es sich nicht um eine Kontrolle der Inhalte des Netzes, sondern um die Kontrolle der wirtschaftlichen Betätigung der Netzwerkbetreiber, die wie jedes andere Wirtschaftsunternehmen da der Datenschutzkontrolle unterliegen. Einzelheiten dazu, was Netzwerkbetreiber bei der Nutzung von personenbezogenen Daten zu Werbezwecken beachten müssen, haben die Datenschutzaufsichtbehörden in einem Beschluss dargestellt, der auf unserer Homepage veröffentlicht ist.

Lars Sobiraj: Frau Sokol, ich bedanke mich sehr herzlich für das Gespräch! Weitere Informationen über die Arbeit der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW finden sich auf der offiziellen Website.

News Redaktion am Donnerstag, 19.06.2008 13:36 Uhr

tagsTags: schülervz studivz facebook myspace soziales netzwerk ldi bitkom landesbeauftragte sokol

Bookmark and Share
 
Weitere interessante News
3 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Destiny666 am 19.06.2008 21:15:30

    Es sollte jedem selbst überlassen sein, was er von sich preisgibt. Und nicht vom Staat als Zwang. Ich z.B. meide so einen Mist wie MySpace. ...

  • Ghandy am 19.06.2008 18:11:58

    50+ ? Teils, teils. ...

  • phunkydizco am 19.06.2008 16:45:14

    Als "unerfahrensten Surfer" sehe ich eher die Generation 50+. ...

  • gullinews am 19.06.2008 13:32:07

    Soziale Netzwerke erfahren aktuell in Deutschland einen unglaublichen Hype. Neun Millionen Deutsche sind laut einer Erhebung des BITKOM bei StudiVZ, SchülerVZ, Facebook, Myspace & Co. registriert. Zunehmend beteiligen sich ausgerechnet die jüngsten und unerfahrensten Surfer an diesem Trend. Wir ...

weitere Kommentare lesen     Nachricht kommentieren

 
Fotostrecke
News [Kurioses]

Apple filterte den Begriff "Jailbreak" im iTunes Store

Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr

befreit: ipad 3 & iphone 4s

Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.

mehr mehr lesen...

Browsergames
Gondal World

TOPTIPP: Gondal World

Kämpfe als Held in diesem einzigartigen Fantasy Game. Viele Gefahren und Abenteuer erwarten dich! Escaria spielen

Escaria

Escaria

Erschaffe deine eigene Insel und erobere die Welt. Krieg oder Wachstum - deine Strategie entscheidet! Escaria spielen

Artyria

Artyria

Werde Gladiator und kämpfe im antiken Zeitalter um Ruhm und Ehre. Gehe Bündnisse mit anderen Spielern ein und kämpft gemeinsam gegen die schrecklichen Barbaren. Artyria spielen

Gondal

Gondal

Ziehe als einsamer Waldläufer oder an der Seite von Kampfgefährten in einem Fantasy-Spiel von Abenteuer zu Abenteuer. Gondal spielen

Last Emperor

Last Emperor

Tritt gegen legendären Samurai aus Japan des 19. Jahrhundert an und werde der gefürchtetste aller Samurai. Last Emperor spielen

Nightcreeps

Nightcreeps

Tritt in eine epische Schlacht zwischen Werwölfen und Vampiren, in der nur die Stärksten überleben werden, ein. Nightcreeps spielen

gulli:picsArtikel empfehlengulli RSS News Feedsgulli RSS NewsPresso Feedsgulli:Newslettergulli twittertgulli bei facebookgulli:news im AppStoreSeitenanfang