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Deckel drauf - Die Gulli Glosse (Woche 27)

Wie haben wir diese Woche gelitten, insbesondere in Bayern. Man mag sich ab sofort nicht mehr wundern, wenn es in der eigenen Wohnung merkwürdig aussieht. Die Polizei darf jetzt - heimlich - in die eigenen vier Wände einbrechen. Unverletzlichkeit der Wohnung? Stört nur bei der Terrorismusbekämpfung. Denn die Terroristen sind überall, vor allem aber in Bayern. Die Zeche zahlt wieder einmal der kleine Bürger, wenngleich letzte Woche auch ein Großer den Kopf (finanziell) hinhalten durfte.

Deckel drauf - die Gulli Glosse (Woche 27)

Streitwert für 300 MP3s: 3 Millionen Euro

Produktfälschungen bei eBay: 40 Millionen Euro

Freiheit, Schutz der Privatsphäre und des Grundgesetzes: unbezahlbar ?!

Die vergangene Woche war schon wieder ein Knüller schlechthin. Total überzeugt, dass man die Messlatte wieder mal höher gelegt hatte, war ich nachdem ich von dieser P2P Abmahnung erfahren hatte.

drei Millionen Euro Streitwert. Nun gut, dieser Betrag muss nicht beglichen werden, aber man darf sich getrost fragen, was sich unsere Künstler und Richter heutzutage so denken. Schlussendlich muss natürlich ein Gericht in letzter Instanz diesen Wert bestätigen, aber wer zweifelt schon an der fehlerfreien Gerichtsbarkeit? Diese "Summe" wiegt schon ordentlich, insbesondere wenn man sie mal in Relation setzt, was fleißig arbeitende Hände so fabrizieren. Natürlich, künstlerisches Genie, Schöpfungshöhe, alles feine Sachen. Aber hallo, drei Millionen Euro Streitwert für 300 MP3s? Das beeindruckt den Filesharer sicher total. Nämlich so total, dass er jeden DSL Anschluss abmeldet und sich unter einer Brücke verkriecht. Sollte er nämlich bei diesen Werten einen Prozess riskieren, ist der Durchschnittsbürger sowieso finanziell ruiniert. Dann kauft die CDs so oder so keiner. Gratulation, eine tolle Taktik um Filesharer zum legalen Erwerb zu bekehren. Wundern darf es uns aber nicht. Künstlerische Werte stehen ja schon immer groß im Kurs. Man werfe einen Blick zum Erbfreund Frankreich. Ein geniales Land, oder? Kappt die Filesharer, das kann man abwarten. Davon aber nicht genug. Da wird nicht nur mit Streitwerten von 3 Millionen gespielt, sondern ein Unternehmen - welches es sich wohl aber auch leisten kann - zu 40 Millionen Euro Schadensersatz verurteilt. Erwischt hat es eBay Frankreich, weil sie auf deren Plattform Produktfälschungen von Markendesignern verkauft haben. Daumen hoch, Justitia. Die Designer deren Namen ich wegen Abmahngefahr nicht nennen werde, nagen sowieso am Hungertuch. Würde ich auch, wenn ich eine Handtasche oder ein Kleid verkaufen müsste, welches im Gegenwert einem neuen Haus gleichkommt - oder übersteigt. Gott sei Dank ist damit jetzt Schluss, eBay muss blechen, die Verkäuferin auch, und Zukünftige werden sich hüten, Produktfälschungen bei eBay zu versteigern. Klasse gelöst, den schwarzen Peter kann man jetzt zuschieben, wem man will. Sei es eBay, sei es der Verkäufer. Hauptsache irgendwer ist schuld und was noch viel wichtiger ist: Hauptsache einer zahlt!

In Bayern ist das jetzt inzwischen das Volk geworden. Heimliche Online-Durchsuchung. Polizeibeamte, die heimlich in die Wohnung einbrechen. Heimliche Verwanzung des PCs und der Wohnung. Sobald der Staat von heimlich spricht, sollten eigentlich alle Alarmglocken schrillen. Wenn es nämlich soweit ist, dass man etwas nicht mehr mit der gebotenen Präsenz in der Öffentlichkeit handhaben kann, dauert es sich nicht mehr lange bis wir uns im Jahre 1984 wiederfinden. Bayern hat hier eine Rechnung vorgelegt, die keiner bezahlen kann, weil sie auf Kosten jedweder Privatsphäre geht. Zum Schutze vor dem Drohgebilde "Terrorismus", dass uns ja regelmäßig überfällt. Wohin also mit der Zeche?

Am besten rüber auf die Insel! United Kingdom. Klasse Land, da geht das Volk noch auf die Straße und protestiert. Das Google Street View Car wollen sie nicht haben. Das sei ein massiver Eingriff in die Privatsphäre jeder einzelnen Person. Wenn man dieser Aufforderung nicht folgt, droht man gar mit dem obersten Datenschützer. Eigentlich ganz lustig, wenn man sich so über dieses "Fotoauto" aufregt, insbesondere in Anbetracht der Kameradichte in und um London. Ein wirklicher Gewinn für die Privatsphäre, wenn dieses Auto nicht fahren darf.

Aber nun gut, was erwartet man schon von einer Nation, die von sich tausende Daten horten lässt, ohne überhaupt zu wissen, was man damit anfangen soll. Power of Information ist eine grandiose Bezeichnung für eine Organisation, die eigentlich keine andere Aufgabe hat als herauszufinden, was man nun mit diesen ganzen Daten machen könnte. Rate-My-Prison, Repair-My-Street, Rate-My-Area. Ganz feine Sachen, die man sich da hat einfallen lassen. Wir hier haben auch eine Idee. Wie wär's mit löschen?

In diesem Sinne geht die heutige Rechnung auf die G:N. Kopf hoch, es wird noch schlimmer.

(Bild via informationspflicht, colour-dreams thx!)

News Redaktion am Sonntag, 06.07.2008 18:21 Uhr

tagsTags: google filesharing p2p privatsphäre frankreich mp3 online information bayern gulli england durchsuchung ebay car uk power gulli glosse deckel drauf abmahnung google street view tauschbörse

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4 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • snagon am 12.07.2008 11:50:46

    na super ...

  • am 07.07.2008 10:58:31

    Politiker sind immer nur so gut, wie der Wähler es will. Wenn die Wahlbeteiligung regelmäßig sinkt, teilweise schon unter 50 %, wenn der Souverän nicht besseres zusammenbringt als ständig nur zu Jammern, darf man sich über Politikerfreiheiten nicht wundern. Ach du bemi ...

  • Firebird77 am 06.07.2008 20:49:17

    die 3 mille sind ja nur der streitwert :D Blechen müsste der arme ja erheblich weniger.. ...

  • xXMRWXx am 06.07.2008 20:41:05

    Ich sag mal so: "Wer braucht schon Grundgesetz und den ganzen Mist?" Die Leute in Afrika, die irgendwo im Busch leben haben sowas doch auch nicht und leben den ganzen Tag munter vor sich hin. Und wenn die lieben Staatsbeamten mir zuschauen wollen, wie ich meine Freundin in meinen eigenen vier Wänd ...

  • gullinews am 06.07.2008 17:51:08

    Wie haben wir diese Woche gelitten, insbesondere in Bayern. Man mag sich ab sofort nicht mehr wundern, wenn es in der eigenen Wohnung merkwürdig aussieht. Die Polizei darf jetzt - heimlich - in die eigenen vier Wände einbrechen. Unverletzlichkeit der Wohnung? Stört nur bei der Terrorismusbekä ...

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