
Es war nicht die Frage ob, sondern wann es geschieht. Nach Informationen der US-Zeitung Financial Times hat Facebook am gestrigen Freitag an einem kalifornischen Gericht Klage gegen StudiVZ eingereicht. StudiVZ, das der deutschen Verlagsgruppe Holtzbrick gehört, wird darin vorgeworfen, eine lediglich farblich veränderte Variante von Facebook zu sein. Unterschiede in den Systemen seien "marginal". Sollte der Klage stattgegeben werden, kann Holtzbrinck die in den USA üblichen Strafen drakonischer Ausmaße erwarten. Selbst eine Schließung ist im Bereich des Möglichen. Laut Anklage wird gefordert, dass StudiVZ
"die illegalen Aktivitäten beendet um sicherzustellen, dass die Benutzer nicht verwirrt werden und dass der Ruf Facebooks unbeschädigt bleibt."
Die letzte Äußerung kann man, wenn man will, auf die zahlreichen Skandale in Sachen Datenschutz und Verhalten der Betreiber beziehen, welche insbesondere Ende 2006 von der deutschen Blogosphäre aufgedeckt wurden. Der Imageschaden war seinerzeit immens. Die Plagiatsvorwürfe kommen nun ebenso wenig überraschend. In Anfangszeiten von StudiVZ waren selbst Dateinamen im System mit denen von Facebook identisch. Die bekannte "Gruschel"-Funktion etwa wurde mit einem Script namens poke.php aufgerufen, wobei "Poking" (Anstupsen) das Facebook-Pendant zum Gruscheln ist. Auch fand sich im System ein StyleSheet mit dem Namen myfb.css, fb ist mit größter Wahrscheinlichkeit ein Hinweis auf die ursprüngliche Herkunft der Datei.
Deutschland ist im Silicon Valley bekannt als Land der Plagiateure. So schrieb das Insider-Blog techcrunch in einem anderen Zusammenhang:
"Du hast es solange nicht geschafft, bis deine Webanwendung einen deutschen Klon hat, scheint es. Webinnovation lässt sich in diesem Land viel zu oft auf 'Copy&Paste-Innovation' reduzieren."
Brancheninsider Don Alphonso mutmaßt in seinem Blog, dass das späte gerichtliche Vorgehen Facebooks darauf zurückzuführen ist, dass ein Übernahmeversuch im Herbst 2006 gescheitert war. Im Falle einer Verurteilung wäre als Vergleich eine billige Übernahme StudiVZs mitsamt seiner Benutzergemeinschaft durch Facebook denkbar. Vermutlich wäre dabei auch eine Integration der Daten von StudiVZ in das Facebook-System nicht allzu kompliziert.
StudiVZ stellt mit insgesamt 8 Millionen Mitgliedern das größte soziale Netzwerk in Deutschland dar, zumindest wenn man Karteileichen und Fake-Accounts mitzählt. Die Schwesterprojekte schülerVZ und meinVZ kommen auf drei bzw. eine Million Mitglieder. Facebook nimmt in Anspruch, 80 Millionen Mitglieder weltweit zu haben und versucht seit Anfang März mit einer deutschsprachigen Version hierzulande Fuß zu fassen. (fraencko)
(via Don Alphonso, danke)
News Redaktion am Samstag, 19.07.2008 15:21 Uhr
Intel oder Coca Cola müssten mich also schon in Deutschland verklagen, wenn sie etwas erreichen wollen. Was sie natürlich machen würden. Aber ich denke doch, dass die Facebookleute sich dabei was gedacht haben?! ...
so ganz stimmt das nicht.. es gibt internationales patent- und markenrecht und entsprechende abkommen zwischen den staaten.. und natürlich registrieren etwas größere firmen ihre marken europa- oder weltweit..Das steht außer Frage. Ich sagte ja nicht, dass man in einem and ...
so ganz stimmt das nicht.. es gibt internationales patent- und markenrecht und entsprechende abkommen zwischen den staaten.. und natürlich registrieren etwas größere firmen ihre marken europa- oder weltweit.. ich weiß allerdings nicht, wie die verfahrensweise bei einem internationalen markenrec ...
Sieht das Gesetz nicht bei kommerziellen Plagiaten keine Haftstrafen vor?Die Frage ist, was in diesem Fall "das Gesetz" sein soll. Die Holtzbrink-Gruppe hat ihren Hauptsitz in Deutschland. Es kann ihr daher grundsätzlich ziemlich egal sein, was ein US-Amerikanisches Ger ...
"m Falle einer Verurteilung wäre als Vergleich eine billige Übernahme StudiVZs mitsamt seiner Benutzergemeinschaft durch Facebook denkbar." Schülervz von FaceBook? Schülervz ohne MICH! Wenns die deutschen mit meinen Fake Daten hausieren gehen ist das eine Sache. Aber wenn es in das Land der unb ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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