
Deckel drauf - die Gulli Glosse (Woche 29)
Mittelgroße Katastrophen - und ihre Lösungen!
Eine großartiger Titel, nicht wahr? Nein. Sie haben Recht. Er ist äußerst bescheiden. Also vergessen wir ihn einfach und steigen knallhart ein. Runter von Wolke sieben und rein in die Realität. Diese beginnt am 14. Juli, und zwar für Abgemahnte wie für Abmahner. Eine Leecherin wird von einer Kanzlei wegen eines Urheberrechtsverstoßes abgemahnt. Sie hat ein urheberrechtlich geschütztes Werk in Tauschbörsen verbreitet. Na, wer findet den Denkfehler? Eine uppende Leecherin. Na gut, sie mag das File im Shareordner gehabt haben, doch hochgeladen hat sie - ihrer Aussage nach - definitiv nichts. Über moralische Verwerflichkeit wollen wir hier nicht diskutieren, denn die Dame hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, welches den vermeintlichen Fehler der Loggingfirma bestätigt. Fehler? Nein. Die Loggingfirmen machen keine Fehler! Wissen wir doch, schreibt doch eine bekannte Kanzlei sogar auf ihrer Homepage. Technische Fehler seitens der Software sind in der Regel ausgeschlossen. Lang lebe der Entwickler der ersten absolut kompatiblen und fehlerfreien Software.
Während man bei uns das eine Süppchen kocht, brodelt drüben das andere. United Kingdom. Auch dort gibt es P2P - hab ich mal gehört. Abmahnende Kanzleien gibt es auf jeden Fall und das sind ganz raffinierte Anwälte. Die verklagen einfach mal vier Leute, die Filesharing betrieben haben, gehen rein in den Gerichtssaal, gehen raus aus dem Gerichtssaal, haben gewonnen! Ja, was? Gewonnen! Dummerweise war von den vier Verklagten keiner beim Prozesstermin anwesend. Ein beeindruckender Sieg, der definitiv von deren juristischer Größe zeugt. Bestärkt in dem Glauben, man könne die Welt beherrschen, haut man jetzt die Meldung raus "Wir verklagen jetzt 100 Leute". Sollte ja kein Problem sein, Geld Kundschaft haben sie sicherlich genug. Damit wir nicht dumm sterben müssen erklärt uns ein Anwalt von deren Kanzlei noch, dass es keinen Unterschied zwischen dem Diebstahl einer DVD und dem Download (ich dachte immer Upload sei böse?) eines Films aus einer Tauschbörse gibt. Materiell, immateriell, was war das gleich? Egal, gibt's ja doch keinen Unterschied. Problem erkannt, Problem gebannt.
Lustig dürfte es in dem Sektor sowieso bald werden, haben doch einige findige Richter ein "Beweisverwertungsverbot" ausgegraben. An sich eine feine Sache, die es aber an sich in Deutschland so nicht gibt. Mal abgesehen von der Fernwirkung. Interessanterweise setzen die Richter aber dennoch darauf an und - oh Wunder - die Datenerhebung von Filesharern könnte nicht rechtmäßig sein. Sowas aber auch. Kennen wir solche Ideen nicht bereits aus der Schweiz?
Trotz aller Freude über das Urteil des OLG Frankfurt mit seiner fairen Tendenz versetzte das LG Düsseldorf dem Ganzen einen ordentlichen Dämpfer. Nun gut, ein einig Rechtssystem konnte man wohl nicht erwarten, aber Frankfurt hat eine gute Richtung vorgegeben, die man beibehalten sollte. Im Namen des Volkes.
Den Kern aller Weltprobleme bilden natürlich seit eh und je die Raubkopierer. Es gibt gar keine Terroristen, Mörder und Konsorten. Wenn die Welt einmal zugrunde geht, dann durch die bösen Raubkopierer. Die Business Software Alliance (BSA) hat es uns wieder einmal einleuchtend erklärt, wie es dazu kommt. Ein Bericht der Vereinigung stellt nämlich fest, dass vier von fünf Programmen auf legalem Wege erworben wurden. Das böse Programm verursacht - hochgerechnet und verbraucherfreundlich - 11 Milliarden US-Dollar Steuerverluste pro Jahr. Wahnsinn.
Die Datenhorterei hat vergangene Woche auch wieder einen ordentlichen Fehltritt abbekommen. Nein. War nur ein Scherz. Ich finde es ist nicht wirklich besorgniserregend wenn das britische Verteidigungsministerium 658 Laptops, zahlreiche USB-Sticks und vieles weitere Zeug seit 2004 verloren hat. Die sensiblen Daten darauf kümmern doch sowieso niemanden.
Wer sich jetzt denkt, oh Gott, wo lebe ich bloß, dem sei ein Blick auf rottenneighbor.com geraten. Da kann man dann seine besten Nachbarn positiv (wie negativ) bewerten und somit nicht nur zur allgemeinen Erheiterung beitragen. Nein, vielleicht sollte man mal das Innenministerium auf der Karte suchen. Wozu? Keine Ahnung.
In diesem Sinne auf in eine bessere neue Woche.
(Bilder via spiegel, thx!)
News Redaktion am Montag, 21.07.2008 10:41 Uhr
Kein Unterschied zwischen Diebstahl einer DVD und Filesharing? Wenn man in einem Laden eine Musik CD klaut, dann schädigt man afaik nicht die Musikindustrie, sondern den Laden. Dieser bezahlt für die CDs und wenn eine geklaut wird ist das nicht das Problem der Musikindustrie. Ist bei Filmen und S ...
Dann lies doch derweil die vorhergehenden :) ...
Ich muss zugeben, dass dies die erste Gulli Glosse ist, die ich gelesen habe, seitdem ich hier Mitglied bin, und muss sagen: Die nächsten werde ich wieder lesen! (: ...
Mit Spaß zu lesen.. :T ...
Sehr gut geschrieben, wie immer. :T ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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