
Nachdem China bei der Bewerbung für die Olympischen Spiel im Jahr 2001 noch den freien Informationsfluss für ausländische Journalisten garantierte, war die Empörung über die Probleme der Presseleute, sich mit den heimatlichen Websites zu verbinden, groß. Kevan Gosper, Vorsitzender der IOC-Pressekommission, forderte noch im April "ungehinderten Zugang" für die Journalisten. Wäre dieser nicht sichergestellt, würde nicht nur der Vertrag mit den Organisatoren gebrochen, sondern auch ein schlechtes Licht auf das Land geworfen werden. Aber was kümmert das IOC, welches ein Millionen schweres transnationales Werbeevent ausrichtet, das Gerede von vorgestern? Heute wurde bekannt, dass laut der Verträge mit China Zensurmaßnahmen nicht komplett ausgeschlossen seien. Den Journalisten sei "breiter", jedoch "nicht vollständiger" Zugang zum internationalen Internet zugesichert. Chinas Olympia-Organisationskomittee Bocog schließt dabei Webseiten aus, die a) Kinderpornographie und b) "Themen, die die öffentliche Ordnung betreffen" enthalten. Ein breit auslegbarer Euphemismus für Webseiten der westlichen Medien und solche Informationen, die auch nur ansatzweise regimekritisch sein könnten.
Gosper relativierte dann auch, der Passus des ungehinderten Zugangs bezöge sich lediglich auf für den Sport relevante Themen. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung gab er sich defensiv: "Wir können denen nicht die Pistole auf die Brust setzen - wir haben keine." Nun, die Möglichkeit Olympia acht Tage vor dem Start abzusagen, was für China einen PR-Gau allererster Güte darstellen würde, nicht mindestens einmal laut zu bedenken, spricht wenig für das demokratische Selbstverständnis des IOC. Olympische Spiele waren und sind immer auch politische Ereignisse. Es ist enttäuschend, dass die Organisatoren in solch wichtigen Fragen einknicken.
Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" kritisierte das Verhalten des IOC und gibt ausländischen Journalisten Tipps, wie sie die "Great Firewall" technisch überwinden können.
Man kann darüber streiten, ob ein Boykott der olympischen Spiele in Beijing, welcher Form auch immer er sein mag, etwas bewirken würde. Klar ist, dass mit den vielen ausländischen Gästen in der kapitalistisch-kommunistischen Chimäre Volksrepublik China ein gewisser Druck seitens der Weltöffentlichkeit auf die technisch hocheffiziente Praxis der dortigen Internetzensur ausgeübt wird. Die Funktionäre des IOC fallen nun jedoch denjenigen Journalisten in den Rücken, die mit "sanften" Methoden versuchen wollen, von dort auf die Zensurproblematik, Chinas Menschenrechtssituation sowie andere politisch-gesellschaftliche Entwicklungen aufmerksam zu machen.
In China ist es ohne technische Tricks wie Proxy-Server nicht möglich, auf Webseiten wie die der Sekte Falun Gong, Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International, aber auch westliche Medien wie die BBC und die Deutsche Welle, zuzugreifen. Daneben filtern Google, MSN und Yahoo! Suchbegriffe freiwillig heraus, TCP-Pakete mit "verdächtigen" Begriffen wie "Tibet", "Demokratie" oder "Platz des himmlischen Friedens" werden nicht weitergeleitet. Auch auf Blogs und RSS-Feeds kann oft nicht zugegriffen werden. Einen genaueren Überblick der Konsequenzen verschaffen die englischsprachigen Wikipedia-Artikel "Liste bekannter Websites, die in China blockiert werden" und "Internetzensur in China". Die Maßnahmen in ihrer Gesamtheit, technisch maßgeblich unterstützt durch die US-Firma Cisco Systems (bekannt etwa für LinkSys-Router), werden "Great Firewall of China" genannt. Das Deutsch-Schweizer Projekt picidae (wir berichteten) versucht auf kreative Weise, diese zu umgehen. (fraencko)
Bild "Chinesische Zensoren bei der Arbeit": Charles Hope (cc)
(via Der Standard und Süddeutsche Zeitung, vielen Dank)
News Redaktion am Mittwoch, 30.07.2008 21:12 Uhr
Was anderes von diesen feigen Gutmenschen erwartet? Das sind IMO die selben Typen, die vor ca. 70 Jahren auch vor dem Hitler eingeknickt sind. Da hat sich nichts geändert Es geht nicht um Sport, es geht auch nicht um Pressefreiheit, es geht einzig um Geld ...
Naja es geht ja nicht drum die weltöffentlichkeit für dumm zu verkaufen. die journalisten werden es irgendwie schaffen, sachen nach draussen zu bekommen(über satellit oder sonstiger) es geht darum, dass die chinesen dumm bleiben. finde es aber lächerlich von der ioc, dass se sowas mit sich mach ...
Das Böse gewinnt wenn die Guten tatenlos zusehen. ...
Das ist doch alles nicht neu, warum so überrascht? Manchmal bekommt man das Gefühl das einige IOC-Funktionäre wirklich so naiv sind & haben geglaubt durch Sport alles dort verändern zu können. Der Rest war einfach nur geschmiert und das darf man sich jetzt nun mal ...
huch, die Presse und der IOC haben auf einmal festgestellt, das in China Zensur betrieben wird? Mach Sachen :eek: Und das wussten die noch net, als sie die Spiele nach Peking vergeben haben oder wie? :eek: Das ist doch alles nicht neu, warum so überrascht? ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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