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US-Wahlkampf: John McCain lässt Blogs manipulieren

Augenscheinlich manipulieren Anhänger des republikanischen Präsidentschaftkandidaten John McCain gezielt die Social Bookmarking-Seite Digg und lassen Kritik an dem konservativen Politiker verschwinden. Zugleich werden seine Unterstützer offen dazu angehalten, vorformulierte Kommentare in Blogs zu verbreiten.

Wie die Süddeutsche Zeitung mit Verweis auf die LA Times berichtet, verschwanden über einen Zeitraum von 30 Tagen 28 bei Digg gepostete negative Nachrichten über McCain im Nirvana - und nur fünf, die auf seinen Konkurrenten Barack Obama zielten.

Möglich ist das, weil User bei Digg Nachrichten nicht nur nach oben, sondern auch runter voten können. Per Klick auf "bury" - beerdigen - lassen sich unliebsame Nachrichten versenken. Üblicherweise zur Qualitätserhaltung gedacht, lässt sich diese Funktion von organisierten Gruppen leicht missbrauchen. In den amerikanischen Blogs ist daher schon von "McCains Totengräber-Brigade" die Rede. Verboten ist das Vorgehen allerdings nicht: In den Nutzungsbedingungen von Digg ist nur das "künstliche Ändern" untersagt, nicht aber, dass sich User untereinander absprechen.

Gleichzeitig werden McCains Unterstützer auf seiner Seite dazu aufgefordert, in täglich frisch ausgewählten Blogs vorgefertigte Kommentare zu hinterlassen. Der Hammer ist allerdings, dass die "Kommentatoren" dazu eingeladen werden, per Webformular ihre "Erfolge" zu berichten - und dafür Punkte in einem Bonusprogramm erhalten. Kommentiert werden soll dazu auch noch anonym.

Die Kommentatoren sollen also Statements der McCain-Kampagne auf fremde Seiten kopieren, ohne ihre Identität oder zumindest die Herkunft der Aussagen offenzulegen. In der Fachsprache heißt das Astroturfing: Das Vorspiegeln einer künstlichen Graswurzelbewegung gilt nicht gerade als die feine englische Art. Mashable zieht angesichts dieses Konzepts Parallelen zu Bonusmeilen-Programmen für Vielflieger.

"Während Rivale Obama darauf setzt, dass seine Anhänger ihn aus Überzeugung öffentlich unterstützen, wird die politische Unterstützung bei McCain durch das Belohnungssystem zum schlichten Kommerz",

kommentiert Thomas Pleil die Kampagne und nennt McCain einen "Netzbeschmutzer", der die Glaubwürdigkeit von Onlinemedien systematisch unterhöhle. Da die McCain-Kampagne nicht nur auf liberale, sondern auch auf konservative Blogs abzielt, könnte der Kandidat mit dieser Taktik sogar seine eigene Wählerschaft verärgern. Verdient hätte er es für dieses Verhalten. (Simon Columbus)

(via netzpolitik.org, thx!)

News Redaktion am Dienstag, 12.08.2008 19:26 Uhr

tagsTags: john mccain barack obama astroturfing digg blog

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15 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • cyhyryiys am 14.08.2008 06:43:15

    Naja, wenns Obama wird, dann können sich die diktatoren dieser Welt wieder auf den verlorengegangenen realpolitischen Kuschelkurs einstellen. Dafür werden sozialstaatliche Reformen zumindest vorangetrieben Wenns Mc Cain wird, so sich innenpolitisch nur wenig hin zu einer sozialeren Ordnung hin b ...

  • freeburma am 14.08.2008 06:33:46

    Wie kommst du denn darauf? Das wäre mir neu... Ich dachte immer die Republikaner wäre die konservative, eher rechts gerichtete Partei und die Demokraten eben nicht so konservativ und eher links. Afaik war bei der Gründung die republikanische Partei "linker" als die demok ...

  • Nomisis am 13.08.2008 18:43:28

    Eben, die amerikanische Sozialdemokratie ist wirklich zum kotzen (nur zur Erklärung, die amerikanische sozialdemokratische Partei und Schwesterpartei der SPD ist in der Tat Mitglied der Republikaner, nicht der Demokraten) Wie kommst du denn darauf? Das wäre mir neu. ...

  • EsquilaX™ am 13.08.2008 01:28:51

    Die sind allesamt vollkommen abgehoben und was die an Gelder verschleudern...:eek: ...

  • am 13.08.2008 01:21:25

    Ganz klar! Digg hat versagt bzw. läßt sich zu leicht manipulieren! ...

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