Deckel drauf - die Gulli Glosse (Woche 33)
Ein Maulkorb geht um die Welt
Der Titel ist mitunter das Schwierigste, was es zu wählen gibt. Es soll dem Leser das wichtigste Element, das Thema, nahebringen. Dabei soll es ihn aber zugleich zum Lesen bewegen. Die Themen sind jedoch meist weit gestreut, ein gemeinsamer Nenner nicht immer leicht zu erfassen. Die vergangene Woche war jedoch von einer gewissen Mentalität geprägt, die einem wieder einmal nahe bringen sollte, welche Meinung man scheinbar haben darf.
Das fängt auf dem schwarzen Kontinent an. Da erklärt man Produktpiraterie zu einem gleich schlimmen Delikt wie den Verkauf von Drogen. Damit das dann auch jeder versteht, wird es öffentlich angekündigt. Die Bevölkerung muss schließlich informiert sein. Kaufe ein gefälschtes Produkt - beispielsweise ein Betriebssystem - und du bist keinen Deut besser als ein Junkie. Ok, wir wollen Produktpiraterie keinesfalls verharmlosen. Aber es sollte doch noch einen erheblichen Unterschied zwischen Drogen und Produktpiraterie geben.
Zur Thematik Meinungsbildung hat man im Ausland aber scheinbar sowieso äußerst kontroverse Ansichten.
Drei Studenten des Massachusetts Institute of Technology haben entdeckt, wie sich das Bostoner Nahverkehrssystem hacken lässt. Wie lange diese damit umsonst fahren konnten, wurde nicht geklärt. Die Veröffentlichung der Sicherheitslücke war zwar nicht geplant, trotzdem wurden sie mit einer Unterlassungsklage dazu gezwungen, von ihrem Vortrag auf der DefCon abzusehen. Witzigerweise haben die Drei eigentlich etwas Ähnliches getan, wie man es aus Europa bereits kennt. Sie haben den RFID-Chip manipuliert, sodass eine kostenlose Benutzung der Nahverkehrsmittel möglich war. In Europa kennen wir so was auch, hier heißt der Chip "Mifare" und die dazugehörige Studie sollte ebenfalls unter Verschluss gehalten werden. Die Richter sahen das im Prozess jedoch etwas anders. Im Gegensatz zu den amerikanischen Richtern. Ein schönes Beispiel, welches zeigt, wie mit zwei verschiedenen Maßstäben gemessen wird. Meinungsfreiheit scheint im "tollsten Land der Welt" wiedermal nicht wirklich viel zu bedeuten.
Sieht man ja auch, wenn man den aktuellen Wahlkampf beobachtet. Angeblich schickt McCain ja seine Jünger aus, damit sie in die Welt ziehen, um negative Blogeinträge über ihn zu begraben. Zu Neudeutsch: Be-Diggen. Da gräbt (Digged) man dann einfach ein so tiefes Loch, dass alle Blogeinträge die ein schlechtes Licht auf den Kandidaten werfen könnten - puff - verschwinden. An der Zahl sollen es 28 gewesen sein und genau da liegt der Knackpunkt. Wer anderen eine Grube gräbt, oder besser, wer 28 Gruben gräbt, der bewegt sich in einer sehr löchrigen Umgebung. Ein Sturz kann da leicht passieren. Gut, zum Ausgleich muss man sagen, dass im Falle Obama fünf negative Blogeinträge verschwanden. War da jemand nur zu faul zum Graben?
Im Bereich Meinungen unterbinden ist aber ein Land besonders groß. Das heißt China. Da sind grade die Olympischen Spiele - für diejenigen, die das bewusst ignoriert haben. Nun gibt es aber Menschen wie du und ich, die finden das, was in China jeden Tag so läuft, gar nicht in Ordnung. Die gehen dann raus auf die Straße, projizieren ein Protestvideo an die chinesische Botschaft und filmen ihr Werk. Kurz darauf offenbart sich dann der wahre Geist, der Olympischen Spiele, in diesem Falle das International Olympic Committee (IOC). Freier Internetzugang für Journalisten, Pressezugang in (fast) alle Bereiche und weiß der Geier, was noch für Märchen umhergeistern. Die Jungs vom IOC haben diese auf jeden Fall geschluckt, und jetzt machen sie sich auch noch zum Erfüllungsgehilfen der Chinesen. Das Protestvideo lässt man einfach - ratzfatz - von YouTube entfernen. Die äußerst fadenscheinige Begründung. Es verletzt die Urheberrechte des IOC. Was war passiert? Im Video sind die IOC-Ringe als Handschellen zu sehen. Nach amerikanischem Rechtsverständnis FairUse. Nach meiner Auffassung Zensur. Das IOC lässt sich vorführen, kaum besser als manch ein Affe im Zoo. Mit welcher Banane man wohl geködert hat? Ich will es nicht wissen.
In solch harten Zeiten kann man sich dann wirklich noch freuen, wenn an manchen Stellen begriffen wird, worum es eigentlich geht. Wie beispielsweise die Berliner Oberstaatsanwältin Vera Junker. Für ihre Äußerungen bezüglich der Verfolgung von Filesharern muss sie sich jetzt von vielen Seiten angiften lassen. Hat sie etwas Falsches gesagt? Nun, zumindest nicht für den kleinen Bürger, welcher ja in den Augen der großen Rechteinhaber wohl schon pauschal kriminell ist, sobald er nur einen Internetanschluss besitzt. Ein Boarduser schreibt wunderschön in seiner Signatur: Die Frau hat's begriffen. Die Frau hat es wirklich begriffen, worum es geht, und zwar allerorts zu jedweder Zeit. Geld. Es geht nur um das schöne Geld. Die Frau hat's begriffen. Begriffen, dass die Verfolgung Einzelner wegen einer MP3 nicht einfach nur sinnlos ist. Nein, auch zweckfremd. Denn kein Filesharer wird mit einem fetzen Papier zum geläuterten Sünder. Bestenfalls zum unwilligen Zahler. (Firebird77)
News Redaktion am Sonntag, 17.08.2008 17:19 Uhr
Diskriminierung?Wow. Jetzt bin ich baff. :rolleyes: Was man nicht alles hineininterpretieren kann... Denn überall hört man immer nur das selbe von Menschen die keine Ahnung haben.Ahja. -> [URL="http://de.wikipedia.org/wiki/Glo ...
Mal wieder gut geschrieben und sehr passend das ganze. :T Sehe ich nicht so. Insgesamt ist der Artikel ganz nett. Aber die Diskrimierung, die aus einem Satz einhergeht, ist einf. nicht mehr zu ertragen. Denn überall hört man immer nur das selbe von Menschen die keine Ahnung ha ...
Mal wieder gut geschrieben und sehr passend das ganze. :T ...
Schön geschrieben und sehr treffend :T @Harmlos: ääääähm...... ja :D ...
Friede Freude Eiersuchen ... Menschen ohne sind am Fluchen Menschen mit ... kriegen von allen einen Tritt. Sinn tut man suchen ... Doch sind alle nur am Fluchen. Die die schreien und sich Kasteien ... Werden überhört und zerstört ... Iss ja unerhört ... empört der letzte Röhrt : Ich hatte nic ...
Heutzutage ist die Internettelefonie neben Fest- und Mobilnetztelefonie immer gefragter. Per Internet zu kommunizieren ist nicht nur komfortabler und billiger, man ist zudem unabhängig von Tarifen, welche nur eine bestimmte Gesprächszeit günstig ermöglichen. Also wieso nicht auch Internet-Telefonie nutzen?
Lars Sobiraj am 14.05.2013, 13:52 Uhr
Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags steht seit vielen Jahren den Bürgern und Gruppen für ihre Anliegen offen. Wir haben uns kürzlich mit einem der 80 Mitarbeiter des Hauses unterhalten. Da seit der Gründung nur sehr wenige Gesetzesänderungen durch Petitionen entstanden sind, wollen wir den Sinn dieser Institution hinterfragen. Dies ist vorerst der letzte Teil unserer Interview-Serie.
Lars Sobiraj am 12.05.2013, 12:51 Uhr
Wie ein 73-jährige Japaner beweist, kann man das am häufigsten benutzte Tabellenkalkulationsprogramm Microsoft Excel nicht nur für reguläre Berechnungen einsetzen. Tatsuo Horiuchi erstellt ausnahmslos seine traditionellen Gemälde mit Hilfe dieses Programms. Er arbeitet bereits seit 10 Jahren mit der Software und stellt seine Bilder in diversen Ausstellungen vor.