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Cybercrime: Universitätsprofessor findet Angst vor virtuellen Verbrechen übertrieben

Der Universitätsprofessor David S. Wall von der britischen Universität Leeds hat eine wissenschaftliche Studie über den Beginn von Cybercrime verfasst. Dabei geht es weniger um das tatsächliche Auftreten von kriminellen Handlungen im Virtuellen, sondern eher um die kulturellen Ursprünge und Hintergründe des Begriffs. Diese kulturellen Bilder seien es, die unsere Angst vor virtuellem Verbrechen bestimmen. Das geht sogar bis hin zur Rechtsprechung. Dabei ist diese Angst im Grunde genommen unnötig und in Ansätzen kulturell überholt, folgert der Professor für Kriminalrecht und Informationstechnologie.

Denn seit den achtziger Jahren ist das Bild des übermächtigen Hackers allgegenwärtig, der in der Lage ist, mit wenigen Handgriffen eine Existenz zu vernichten oder die globale Sicherheit zu gefährden. Im Wesentlichen entstammt dieses Bild, beziehungsweise diese kulturelle Erzählung aus dem Science Fiction Genre "Cyberpunk", beziehungsweise aus den sozialen technischen Visionen aus dieser Zeit.

David S. Wall geht der Kulturgeschichte des Begriffs in seiner wissenschaftlichen Veröffentlichung nach, die im Original den Namen trägt: "Cybercrime and the Culture of Fear: Social science fiction(s) and the production of knowledge about cybercrime". Die großen Gefahren, so glauben wir, gehen von virtueller Kriminalität aus. Doch ob es sich in Realität tatsächlich so darstellt, ist die Frage, die zu stellen ist. Das Bild des "hi-tech low-life" Hackers ist aus dem Science Fiction Umfeld um Willam Gibsons "Neuromancer" und Neil Stephensons "Snowcrash" vor allem in die amerikanische Unterhaltungsindustrie gewandert und hat dort für unzählige Produktionen die Vorlage des "Hackers" geboten. Eine Vorlage, die bis heute immer und immer wieder reproduziert wird. Dieses als "Fakt" dargestellte Bild würde sich immer mit "Fiktionen" vermischen, die schlussendlich zu dem Bild des cleveren "Superhackers" geführt haben. Ein Bild, das auch derzeitig noch auf unsere Gesellschaft abfärben würde. Auch im Bereich des Journalismus würde sich immer der "schädliche Hacker" durchsetzen. Konnotiert ist dieses Bild meist mit möglichen Gefahren, die von diesen Personen ausgehen: Aus einem schädlichen Hacker wird unbewusst eine große Gefahr für die Gesellschaft.

Im Grunde genommen könnte man meinen, dass dieses eine nette akademische Abhandlung ist, die jeglicher Realität entbehrt. Wenn man jedoch einen Blick wirft auf diese Realität, so muss man feststellen, dass eine der größten Gefahren für die vernetzte Gesellschaft tatsächlich im Bereich der "Cyberkriminalität" vermutet werden muss. Ob das nun Spam oder Phishing ist, welches derzeitig immer aggressiver betrieben wird, oder aber Filesharing und die damit verbundenen massenhaft auftretenden "Urheberrechtsverletzungen", die in diesem Sinne auch als Cyberkriminalitätsdelikte bezeichnet werden könnten. Selbst in der deutschen Gesetzgebung geht diese Sichtweise bis hin zu den "Hackerparagraphen".

Vielleicht ist es eine Überlegung wert, sich vorzustellen, wie eine vernetzte Gesellschaft aussehen könnte, die andere Werkzeuge entwickelt, um mit dem Problem umzugehen, beziehungsweise wie eine Welt auszusehen hat, in dem "Cybercrime" weder existenzvernichtend, noch bedrohlich erscheint. Das größte Problem sind in diesem Fall nicht die schadhaft motivierten Hacker, sondern ein Mangel an technischem Sachverstand. So oder so ähnlich würde auch David Wall argumentieren. (020200)

(via Futurismic, thx!)

News Redaktion am Dienstag, 02.09.2008 01:06 Uhr

tagsTags: internet cybercrime kriminalität hackerparagraf gefahr neuromancer snowcrash universität leeds wissenschaftliche studie verbrechen

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2 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Schattenspieler am 04.09.2008 13:42:53

    Im Grunde genommen könnte man meinen, dass dieses eine nette akademische Abhandlung ist, die jeglicher Realität entbehrt.Wie das bei akademischen Abhandlungen wohl üblich ist? :rolleyes: Wenn man jedoch einen Blick wirft auf diese Realität, so muss man festste ...

  • Jimioh am 02.09.2008 06:12:15

    So ganz unrecht hat er nicht. Meiner Meinung nach ist das ein typisches Problem konservativer Weltbilder: Unter allen Umständen das Informationsmonopol behalten. Nur ein Nationalstaat der Informationsströme kontrolliert und beliebig zu seinen Gunsten steuern kann ist suverän. Diese Denkweise ist ...

  • gullinews am 02.09.2008 01:00:36

    Der Universitätsprofessor David S. Wall von der britischen Universität Leeds hat eine wissenschaftliche Studie über den Beginn von Cybercrime verfasst. Dabei geht es weniger um das tatsächliche Auftreten von kriminellen Handlungen im Virtuellen, sondern eher um die kulturellen Ursprünge und ...

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