
So gab es beispielsweise ein recht heftiges negatives Medienecho auf die Tatsache, dass die sogenannten "No-Fly-Lists", also Listen mutmaßlicher Terroristen, die nicht am Luftverkehr teilnehmen dürfen, zusammen mit den für die als weniger gefährlich eingestuften Verdächtigen gedachten "warn lists", mittlerweile ungefähr eine Million Einträge enthalten. Diese Menschen sind natürlich nicht alle Terroristen- viele von ihnen sind noch nicht einmal in irgendeiner Form verdächtig. Auf den Listen finden sich bereits tote Terroristen, ebenso unbescholtene wie hochdekorierte amerikanische Kriegsveteranen, US-Senatoren und Grundschulkinder. Mit dieser Auswahl ist natürlich keine sinnvolle Terrorismusbekämpfung möglich, wofür die Verantwortlichen heftige Medienschelte kassierten.
Zu den heftigsten Kritikern der Vorgehensweise der TSA gehört der US-amerikanische Sicherheitsexperte Bruce Schneier, unter anderem Autor des Buches "Beyond Fear- Thinking sensibly about security in an uncertain world". Bereits vor einigen Wochen hatte Schneier auf seinem Blog einen Artikel veröffentlicht, in dem er unter anderem Berichte zitierte, nach denen ein "übereifriger TSA-Mitarbeiter" um ein parkendes Flugzeug zu kontrollieren an Bauteilen herumgeklettert ist, die "unabdingbar für die Funktion der Bordcomputer" sind und bei dieser Aktion ernsthaft beschädigt hätten werden können. Auch ein CNN-Bericht, in dem die Mutter eines achtjährigen Jungen, der auf der "No Fly List" steht, berichtet, wie die Familie trotzdem fliegen kann (meist reicht ein hohes Trinkgeld oder die Bestellung des Tickets auf den Namen "J. Pierce Robinson" statt "James Robinson") wurde von Schneier zitiert.
Nun legt der Sicherheitsexperte nach und befasst sich in seinem neuen Text ausführlich mit der neuen Regelung der TSA, nur noch Reisende mit Lichtbildausweis fliegen zu lassen. Laut Schneier ist diese Regel relativ leicht zu umgehen- er beschreibt das Schema sogar. Es sieht vor, zuhause ein Ticket auf einen fremden, unverdächtigen Namen über das Internet zu bestellen und sich die zugehörige Bordkarte auszudrucken. Anschließend speichert man die entsprechende Website als PDF, ändert den Namen auf seinen eigenen und druckt das Dokument erneut aus. Auf dem Flughafen benutzt man zunächst die gefälschte Bordkarte (auf den eigenen Namen) und den echten Ausweis, um durch die Sicherheitskontrollen zu kommen. Anschließend (am Gate) benutzt man die echte Bordkarte auf den fremden Namen, um damit ins Flugzeug zu kommen. Damit würden laut Schneier die Sicherheitskontrollen der TSA ausgehebelt, da nur die Passagierlisten der Flugzeuge mit der "No Fly List" verglichen werden, während bei den Sicherheitskontrollen am Checkpoint nur der Ausweis und die Bordkarte überprüft werden. Niemand vergleicht Passagierlisten und Ausweise, was laut Schneier das System angreifbar macht.
Dieses Problem ist offenbar schon mindestens seit dem Jahr 2006 bekannt, wurde von den Verantwortlichen aber nie behoben. Schneier merkt an, dass, selbst wenn die "No Fly Lists" effektiv wären (was sie seiner Meinung nach nicht sind) so keine effektiven Sicherheitskontrollen möglich wären. Es sieht also so aus, als würde die öffentliche Kritik an der TSA so schnell nicht verstummen. (Annika Kremer)
(Bildquelle: salon.com, thx!)
News Redaktion am Dienstag, 02.09.2008 23:16 Uhr
Bruce Schneier wird sich vermutlich schon seit Jahren regelmäßig an den Kopf fassen, bei dem, was die USA unter Sicherheit versteht. ...
Die amerikanische Flugsicherheitsbehörde Transportation Security Administration (TSA) musste in den vergangenen Monaten immer wieder heftige Kritik für ihre Antiterrormaßnahmen einstecken. Von vielen Seiten wurde das Vorgehen der TSA als ineffektiv und als unverhältnismäßiger Eingriff in di ...
Lars Sobiraj am 04.02.2012, 11:32 Uhr
Während Die Linke zur Teilnahme an einem europaweiten Aktionstag gegen ACTA aufruft und Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger die Kritik am internationalen Handelsabkommen zurückweist, führte der Jurist Jens Ferner eine ausführliche Analyse jedes einzelnen Artikels durch. Wir fragten ihn, wie gefährlich ACTA tatsächlich ist. In welchem Rahmen bedroht dieses Abkommen unser aller Freiheit?
Lars Sobiraj am 09.02.2012, 11:40 Uhr
In der südenglischen Grafschaft Sussex ereignete sich letzten Monat ein Fauxpas der besonderen Art. Statt einen Einbrecher zu fassen, jagte ein Polizist mit Hilfe von Kameras für etwa 20 Minuten sich selbst. Sein Kollege an den Monitoren hatte ihn nicht erkannt und fand sein Verhalten sehr auffällig. Der beobachtete Mann habe auf heißen Kohlen gesessen, weswegen er dringend tatverdächtig sei.
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