
Auf rottenneighbor.com können Benutzer auf der Basis der Google Maps-Karten Informationen über ihre Nachbarn eintragen. Dabei unterscheidet man zwischen "rotten neighbors" und "rad neighbors", also schlechten und guten Nachbarn. Dabei können beliebige Informationen, also auch sehr persönliche Informationen, angegeben werden. So beschrieben Internetnutzer das Reichstagsgebäude zum Beispiel mit "korrupte Schurken, Gauner und Ganoven" und markierten es als schlechten Nachbarn. Andere fügten sich selbst mit der Bemerkung "Hier wohne ich" als guten Nachbar ein. Von Medien und Datenschützern wurde die Internetseite oft als "digitaler Pranger" kritisiert. Die größten deutschen Internetprovider nahmen das nun offenbar zum Anlass, den Zugang auf dieses Webportal stillschweigend zu unterbinden.
Die gulli:news-Redaktion konnte die Blockade bei der Telekom, 1&1 und Alice DSL bestätigen. Außerdem soll die Seite von Arcor, KabelDeutschland, O2 DSL, Strato/Freenet, UnityMedia und Versatel ebenfalls nicht erreichbar sein. Bisher unbestätigt ist jedoch, ob es sich dabei um eine technische Panne oder eine bewusste Zensuraktion handelt. Wer nämlich auf die Seite zugreifen will, der kann das weiterhin mithilfe eines unabhängigen Proxy-Servers tun, wie beispielsweise dem freien Anonymisierungsdienst Tor, wie es in Zensurländern wie China bereits gang und gäbe ist.
Vor einigen Tagen hatte sich die Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen bei Google beschwert. Da Google mit dem Kartendienst Google Maps einen wesentlichen Teil der Infrastruktur für den Nachbarschaftspranger stellt, sei Google mitverantwortlich für Datenschutzverstöße dieser Art. Google hatte sich jedoch geweigert, den Betreibern die Nutzung ihrer Karten zu untersagen, da diese allen Nutzern zur freien Verfügung stehen. Ob die Landesmedienanstalt nun die Zensur des Internetportals veranlasst hat, es sich um freiwillige Zensur der Provider oder nur um einen weit verbreiteten technischen Fehler handelt, ist zur Zeit unklar. (Malo)
(via basicthinking.de, thx!)
Update: Im Reizzentrum Blog sind neue Hinweise bezüglich der möglichen Zensur der Website aufgetaucht. Dem anonymen Autor erscheint derzeit die Theorie am wahrscheinlichsten, dass Rackspace (der Hoster von Rottenneighbor.com) aus Deutschland die Aufforderung bekam, den Zugriff zu sperren und die Sperre mithilfe einer Liste von Dial-Up-IPs realisiert wurde. Letztlich verbleibt aber die Frage, wer und mit welcher Begründung jemand Rackspace.com dazu aufgefordert haben soll, diese Blockade zu realisieren?
Update (2): Um die Angelegenheit aufzuklären, rief der Betreiber des Webblogs REIZZENTRUM eigenhändig bei Rackspace an.
"Ich sprach mit Melissa McConnell, welche unter der Rufnummer 001 210 447 4000? ans Telefon ging. Ich versuchte von Melissa zu erfahren, was mit rottenneighbor los wäre, ob sie etwas wüsste, oder mich bitte zu jemandem durchstellen könne, der zu diesem 'technischen Problem' etwas sagen kann. Die einzige Aussage, die ich bekam war, dass Rackspace keinerlei Auskünfte über ihre Kunden gibt. Auch ein Weiterverbinden in das NOC, einen Techi oder einen anderweitig 'Informierten' wurde mir verwehrt, solange ich kein Kunde mit Kundennummer etc. bin. Alle Stilmittel des 'social Engineering' verliefen im Sande :("
Zumindest, so wurde ihm telefonisch versichert, durfte er den Inhalt des Gesprächs veröffentlichen. Schlauer sind wir deswegen natürlich noch immer nicht, warum die Website unerreichbar ist und bleibt. Sogar die Anfrage von Focus Online blieb unbeantwortet. Die Blockade scheint nicht flächendeckend zu funktionieren: Beispielsweise über den Provider freenet.de ist die Domain noch immer erreichbar.
Auch wenn er das vielleicht gerne möchte: Herr Prof. Dr. Norbert Schneider, der Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, hat mit der möglichen Zensurmaßnahme nichts zu tun. Dieser hatte die Betreiber der gesperrten Website vor einigen Tagen des "CyberMobbings" bezichtigt. Noch im Juli hatte er sich auf der "Konferenz Neue Medien und Technologien der Informationsgesellschaft" für neue, möglichst globale Regulierungsansätze in der vernetzten Medienwelt ausgesprochen, was einer Ausradierung sämtlicher virtueller "Rotlichtbezirke" gleichkommen würde. Jochen Hoff, ein Autor von Radio Utopie, konnte den Vorstellungen des Herrn Professors nur wenig Verständnis entgegenbringen:
"Medienregulierung bedeutet Kontrolle. Kontrolle bedeutet Macht. Wer will schon Macht verlieren? (...)
Er [Herr Schneider] ist Jahrgang 1940, also eigentlich in Freiheit groß geworden. Hat die Entwicklung weg vom Rotlichtviertel und hin zu einem viel enspannteren Umgang mit dem Sex doch voll miterlebt. Er war auch bei Kolle noch nicht zu alt."
Oswalt Kolle beziehungsweise CyberMobbing oder auch nicht: Wer sich die freie Wahl seiner Informationsquellen nicht nehmen lassen will, muss das Netzwerk TOR oder einen anderen Anonymisierungsdienst in Anspruch nehmen, um die Blockade auszuhebeln. (Ghandy)
News Redaktion am Mittwoch, 03.09.2008 20:35 Uhr
Nee, die seite geht schlicht nicht richtig. Die Suche funktioniert nicht aber direktlinks z.b unter dem Punkt : Recent Rotten Neighbors gehen (leider). Ja, thx. So scheint es wohl wirklich zu sein. Zwischenzeitlich hab ich es testweise auch mal mit den DSL-by-Call-Zugangsdate ...
Ob die darunter, solche Seiten zu sperren, inzwischen schon "Filterung von Kinderpornographie" (dazu gibt es hier auch nen Thread irgendwo) verstehen? :mad: MfG Andy Nee, die seite geht schlicht nicht richtig. Die Suche funktioniert nicht aber direktlinks z.b unter dem P ...
Bei mir erscheint ohne Proxy das hier: We're sorry, we are currently down for maintanence. Und man wird, wenn man http://www.rottenneighbor.com eingibt, (zwangsweise?) auf http://www.de.rottenneighbor.com/ umgeleitet, wo dann dieser Text erscheint. Zuga ...
was bedeutet das den hier ? Internal error (module sqconfig.c, line 66) - contact system administrator ...
rotten neighbors ist aber die beste und bekannteste und über ein Proxy no Problem ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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