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ITU: Alle IP-Pakete sollen rückverfolgbar sein

Ausgerechnet auf der Basis eines chinesischen Vorschlags ("proposal") werden derzeit hinter verschlossenen Türen Pläne für eine De-Anonymisierung des Internets entworfen. Ziel: Die Unmöglichkeit, sich anonym im Internet zu bewegen. Pseudonymität soll für den Schutz der Privatsphäre ausreichen.

Auch die amerikanische National Security Agency (NSA) beteiligt sich an dieser "IP Traceback" genannten ITU-Gruppe. Die Gruppe wird sich in Kürze in Genf treffen, um den Entwurf zu bearbeiten. Die Mitglieder der Gruppe weigern sich, Dokumente herauszugeben, und die Treffen sind nicht öffentlich.

Diese neue Gefahr für das Recht der Internet-Benutzer, anonym zu bleiben, hat einige Aktivisten aus Technik und Datenschutz alarmiert. Auch der Anonymisierungsdienst TOR dürfte betroffen sein. Das Recht auf Anonymität im Internet ist in verschiedenen Ländern, unter anderem den USA und Deutschland, gesetzlich festgeschrieben.

Pikant ist daran, dass die ITU (International Telecommunication Union) eine Agentur der United Nations (UN) ist. Artikel 19 der UN-Menschenrechtserklärung lautet: "Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten."

Der Entwurf aus China, der in Genf hinter verschlossenen Türen diskutiert werden soll, sieht vor, dass der "IP-Trackback-Mechanismus an jegliche Netzwerkumgebung angepasst werden können soll, zum Beispiel an verschiedene Adresstypen (wie IPv4 und IPv6), verschiedene Zugangsmethoden (kabelgebunden und WLAN) und verschiedene Zugangstechnologien (ADSL, Kabel, LAN) usw.". Zweck: "Um Rückverfolgbarkeit sicherzustellen, sollen essentielle Informationen über den Erzeuger (von Datenpaketen, d. Verf.) mitgeloggt werden."

Die verantwortlichen chinesischen Autoren des Dokuments antworteten bislang nicht auf Interview-Anfragen. Dafür tauchte ein durchgesickertes ITU-Dokument auf, das an Steve Bellovin geschickt wurde. Bellovin ist ein bekannter Computerwissenschaftler an der Columbia University und gehört zur Internet Engineering Group sowie zur Internet Engineering Task Force (IETF). Er hatte selbst vor acht Jahren einen Entwurf zum IP-Tracing geschrieben, in welchem er zu dem Schluss kam, dass eine solche Technik wenig sinnvoll sei. Der Absender der Information sei ihm als vertrauenswürdig bekannt, und seine Authentizität sei durch eine zweite Quelle bestätigt.

In dem Dokument (es sieht eher wie ein kleiner Teil eines größeren Dokuments Aus) werden Anwendungsgebiete genannt, die teilweise durchaus Berechtigung zu haben scheinen: Spam-Botnetze und Virenautoren sollen gefunden werden. Aber es gibt da noch eine andere Kleinigkeit: Auch bisher anonyme Autoren von in einigen Staaten unerwünschten Artikeln möchte man aufspüren können.

Bellovin kommentierte sehr treffend in seinem Blog: "Ein primäres Ziel on Netzwerkdesign ist die Effizienz des Netzwerks. Natürlich ist Sicherheit in wichtiger Aspekt dabei; wobei sich die Frage stellt, was Sicherheit bedeutet. Es gibt eine Menge möglicher Definitionen; für mich gehört politische Zensur auf keinen Fall dazu." Der geplante Entwurf stehe in direkter Opposition zu Artikel 19 der UN-Menschenrechtserklärung.

Auch Jacob Appelbaum, einer der TOR-Entwickler, ist alarmiert. "Dieses Monster kann und darf das Licht des Internets niemals zu sehen bekommen. Wenn ein solches System eingesetzt wird, würde es von genau den Leuten missbraucht, die es aufspüren soll. Kein Blackhat würde damit je gefasst werden."

Es lässt sich leicht darüber spekulieren, wohin die ITU (wie gesagt, eine UN-Agentur) steuert. CNET berichtet, dass bereits bei einem Sicherheitstreffen der ITU vor einigen Jahren beschlossen wurde, dass Anonymität im Internet nicht erlaubt sein solle, da sie zu Kriminalität führe. Eine gewisse Privatsphäre sei zwar erforderlich, aber diese solle nur durch Pseudonymität, nicht durch echte Anonymität erreicht werden.

Auch Korea und Israel hätten gern, dass die UN alles zurückverfolgen kann, was so ins Internet gelangt. Während Korea es gern sähe, wenn aus "Sicherheitsgründen" jedes IP-Paket zu seinem Ursprung zurückverfolgt werden könnte, hätte Israel gern, dass jeder Provider für jeden Kundenaccount verantwortlich gemacht werden kann und jeden Kunden so exakt identifizieren kann wie eine Bank die Inhaber ihrer Konten.

Eigentlich haben die UN gar nicht die Macht, Internet-Standards zu beeinflussen. Jedoch haben UN- und ITU-Vertreter als Lobbyisten bereits versucht, mehr Einfluss darüber zu gewinnen, wie das Internet verwaltet wird. Die offizielle Charta der ITU-Gruppe erklärt, sie werde mit der IETF und dem US-amerikanischen Computer Emergency Response Team (US-CERT) zusammenarbeiten, wodurch sich ein Pfad zur weltweiten Akzeptanz öffnen könne - besonders, wenn nationale Regierungen die Idee begrüßten.

Sowohl Vertreter der NSA als auch der ITU lehnten jegliche Stellungnahme dazu ab. (Atari-Frosch)

via cnet.com, thx! Bild via illuminati-news.com, thx!

News Redaktion am Montag, 15.09.2008 19:41 Uhr

tagsTags: anonymität china nsa united nations zensur itu tor

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8 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Es-Ih-Em-Oh-En am 16.09.2008 16:04:33

    Genau das gleiche wie bei der Vorratsdatenspeicherung: 0,00000000000000...0001% aller Verbrechen werden dadurcht aufgeklärt Mit der Methode sinds vielleicht 1 Verbrechen pro Jahrhundert mehr... Ansonsten: dito ...

  • Project_2501 am 16.09.2008 13:05:25

    "Vorschlags ("proposal")" - Super, irgendein Depp in der News kann uns zeigen was "Vorschlag" auf Englisch heißt. Das passt einfach so gut zu dieser Stelle. Gerade English-Abi gemacht oder ein seltener Komplex aus der 1. Klasse, der ihn zwingt mit seinem 1-Vokabel-Wissen anzugeben? On-Topic: Verd ...

  • KidZler am 15.09.2008 23:19:47

    Is doch nicht schlecht kann man die Ketzer und Hexen wieder verbrennen gehen .... Pff LOL ?! ^^ ich komme mir echt vor wie im mittelalter .... Naja das Korea und Israel sich dazu natürlich auch noch gemeldet haben is schon klar ... die haben ja nicht gerade wenig system kritische leute unter si ...

  • SineMemoria am 15.09.2008 21:28:33

    @snagon: 3 sachen die dafür sprechen: 1. lobbyisten, habe ich lobbyisten gesagt, ich meine natürlich die "polizei", weltweit erhalten wesentlich mehr macht systemgegner, was sage ich, natürlich meine ich "terroristen", einzudämmen 2. natürlich kann die wirtschaft von den enorm ...

  • snagon am 15.09.2008 20:35:04

    Nr.1 3 gründe die das verfahren unmöglich machen: 1. zu grosse datenmenge 2. wardriving("einbrechen" in w-lan netzwerke wodurch das ipzurückverfolgen koplett sinnlos ist) 3. mann kann auch einfach seine daten verschlüsseln... die werden dumm shcauen wenn sie am ende nur vor einem zeichenberg ste ...

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