Wer kennt die Grafik der Bundeszentrale für politische Bildung nicht. Zwei wunderschöne Kreisdiagramme, die deutlich aufzeigen, wie die Einnahmen in der Musikindustrie verteilt werden.
Auf der einen Seite sieht man eine CD für 15,99 Euro, auf der anderen Seite einen Musikdownload für 1,39 Euro. In beiden Diagrammen wird eines schnell deutlich. Während der Künstler mit vier Prozent abgespeist wird, erhält den Löwenanteil das Label. Dieser schlägt mit einem Anteil von fast einem Drittel wie eine Bombe in dieses Bild ein. Erhalten die Künstler aber tatsächlich einen so geringen Betrag? Ja? Nein? Es lässt sich leider nicht genau sagen, ob die Zahlen jemals korrekt waren. Die Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) gibt als Quellen unter dem Diagramm folgende Personen an: Olga Hottes/netzwelt.de und Amke Block/momag.net. Die Daten für das Diagramm stammen offensichtlich von diesen. Dass natürliche Personen als Zahlengeber jedoch eine denkbar schlechte Wahl sind, sollte klar sein. Die Grafik steht glücklicherweise unter CC-BY-NC-ND Lizenz. Stefan Herwig vom Dependent Label wurde im Rahmen der Podiumsdiskussion auf der c/o-pop ebenfalls auf dieses Diagramm hingewiesen. Auch zuvor wurde es im Rahmen einer Boarddiskussion erwähnt. Er wiegelte die Zahlen als völlig falsch und bestandslos ab und scheute keine Mühen, die Fakten auf den Tisch zu bringen.
Nun hat er selbst ein Diagramm zur Verteilung kreiert, welches ein gänzlich anderes Bild der Situation zeigt. Auch die Musik.Woche hat diese allem Anschein nach völlig falschen Zahlen in einem aktuellen Artikel zur Sprache gebracht. "Diese Statistiken sind in der gegenwärtigen Form für die öffentliche Darstellung nahezu unbrauchbar. Sie gehen nicht nur vom ungünstigsten Fall aus - einer Newcomerveröffentlichung bei einem Majorlabel - sie erklären auch nicht, dass Musiker, die ihre Songs selber schreiben und produzieren, den Löwenanteil von Produktion und GEMA-Abgaben erhalten", so Rechtsanwalt Thomas Schlegel im entsprechenden Artikel. Schlegel arbeitet für die Kanzlei Sasse&Partner, die mit Abmahnungen gegen Urheberrechtsverletzer in Filesharing-Netzen vorgeht. Tatsächlich könne ein Topmusiker mehr als drei Euro pro verkaufter CD erhalten. Dies wäre rund der fünffache Wert, dem die Grafik der BPB dem Künstler zugesteht. "Der durchschnittliche Anteil eines Musikers, der selbst auch die Werke geschrieben hat, dürfte - abhängig von weiteren Faktoren, wie zum Beispiel TV-Bewerbung - irgendwo in der Mitte liegen, im Schnitt bei mehr als 1,50 Euro zuzüglich Nebeneinnahmen von der GVL. Bei den Musikern landen dann also meist über zwei Euro pro verkauftem CD-Album." Mit zwei Euro würde dem Künstler immerhin dreimal so viel bleiben, wie es die BPB behauptet. Noch drastischer wird das Missverhältnis in der Grafik jedoch, wenn es um Musikdownloads geht. Bei den nicht-physischen Werken würde viel mehr beim Künstler bleiben. Die BPB behauptet in ihrer Statistik, dass die Künstler vier Prozent von einem Musikdownload für 1,39 Euro erhalten. Dies wären somit nur rund sechs Cent pro verkauftem Download. Laut dem Artikel der Musik.Woche zahlen manche Labels jedoch bis zu 50 Prozent der Einnahmen aus Downloads an den Künstler aus. Natürlich steckt hier der Teufel im Detail, genauer gesagt beim "bis zu". Doch selbst wenn es nur die Hälfte wäre, läge der Anteil des Künstlers sechsmal höher als von der BPB behauptet.
Eva Kiltz, die Geschäftsführerin des Verbands der Unabhängigen Tonträgerunternehmen (VUT) sieht die Schuld jedoch nicht nur bei der Bundeszentrale. Man selbst habe auch "gepennt". Die etwa 1.600 Independent-Label stellen 95 Prozent aller deutschen Plattenfirmen dar und sind für rund 50 Prozent der veröffentlichten Musikwerke auf dem Markt verantwortlich. Dass man bei der Statistik der BPB "übersehen" wurde, sei unverzeihlich. Tendenziell würden die Indie-Labels ihre Künstler wesentlich besser bezahlen, als die Majors. In dem Diagramm seien jedoch offensichtlich keine Werte der kleineren Labels eingeflossen. Aber auch so ist fraglich, wie genau man zu diesen Zahlen gelangt ist. "Jetzt wissen wir auch, woher die Filesharer diese Meinung haben", erklärte Kiltz. Sie bezog sich dabei auf einen Sachverhalt, der von Filesharern oftmals kritisiert wird. Die Labels bekommen das ganze Geld und die Künstler nur den Tropfen auf den heißen Stein. "Das irreführende Diagramm wird schon lange in Filesharing-Foren im Internet rumgereicht, und es hat es sogar bis in Wikipedia geschafft", fügte sie an. Diese Aussage führt jedoch zu einer unweigerlichen Frage. Wenn man weiß, dass dieses scheinbar falsche Diagramm seit geraumer Zeit durch das World Wide Web segelt. Wieso hat man nie etwas dagegen unternommen? Wieso musste erst der Chef eines Independent-Labels nachbohren, bis diese Grafik gerade gerückt wird?
Fragen, die wir nicht beantworten können. Eines können wir aber beantworten. Scheinbar hat die BPB die Kritik an der Grafik langsam bemerkt. Die entsprechende Website sowie die dazugehörigen PDFs sind derzeit offline. Nur der Google-Cache erzählt noch eine Weile das Märchen von der BPB - wenngleich ohne Bilder und PDFs. Glücklicherweise haben wir uns schon vor einiger Zeit ein Backup des PDFs heruntergeladen. Was man von einer solchen Aktion des Bundeszentrale für politische Bildung halten kann? Nun, nicht umsonst bezeichnete mediabiz den Präsidenten der BPB als "Meister von der Bundeszentrale für politische Unbildung". (Firebird77)
News Redaktion am Freitag, 28.08.2009 20:50 Uhr
Ach ja, stimmt ja. Mittlerweile werden ja alle Bands von selbst durch Myspace megaberühmt. Nenn doch mal fünf Namen von Bands auf die das in dne letzten fünf Jahren zutrifft. :rolleyes: Stefan Du bist nicht mehr auf dem neuesten Stand oder? Eine Band brauch kein Labe ...
Okay. Es freut mich, wenn du es schaffts, ein paar neue Hits zu landen. Sonst landest du noch in der Schuldenfalle. Die Tantiemen an einer CD sind ja für Künstler nicht so hoch. Aber es reicht, um bei einer "Goldenen Schallplatte" ein Luxusleben zu führen. ...
Da wir in den letzten Wochen selbst eine CD produziert haben, möchte ich mal kurz unsere Kosten aufschlüsseln. Wir sind eine fünfköpfige Rockband, die im etwas abseitigen Mittelalterrockgenre angesiedelt sind. Die CD wird 13 Songs enthalten. Inzwischen haben wir auch einen Vertriebsdeal mit einem ...
Waren wir nicht jahrelang diejenigen, die sich eine goldene Nase verdient haben? Undnun soll das genaue gegenteil der Fall sein? Entscheiden sie sich doch mal. :D Da müssen Sie mich verwechseln .... Und warum sollen die filesarern an den definitiv sinkenden Verkä ...
Wenn nach Ihren Angaben zufolge ein Künstler 500 CDs im Jahr verkauft, pro CD ~ €3,00 bekommt, sollte er sich nach weiteren Einnahmequellen erkundigen oder schnellstmöglich einen normalen Job suchen oder von Hartz IV leben. Auch sollten die Indi-Label nicht rumjammern. Wenn sie s ...
Heutzutage ist die Internettelefonie neben Fest- und Mobilnetztelefonie immer gefragter. Per Internet zu kommunizieren ist nicht nur komfortabler und billiger, man ist zudem unabhängig von Tarifen, welche nur eine bestimmte Gesprächszeit günstig ermöglichen. Also wieso nicht auch Internet-Telefonie nutzen?
Lars Sobiraj am 14.05.2013, 13:52 Uhr
Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags steht seit vielen Jahren den Bürgern und Gruppen für ihre Anliegen offen. Wir haben uns kürzlich mit einem der 80 Mitarbeiter des Hauses unterhalten. Da seit der Gründung nur sehr wenige Gesetzesänderungen durch Petitionen entstanden sind, wollen wir den Sinn dieser Institution hinterfragen. Dies ist vorerst der letzte Teil unserer Interview-Serie.
Lars Sobiraj am 12.05.2013, 12:51 Uhr
Wie ein 73-jährige Japaner beweist, kann man das am häufigsten benutzte Tabellenkalkulationsprogramm Microsoft Excel nicht nur für reguläre Berechnungen einsetzen. Tatsuo Horiuchi erstellt ausnahmslos seine traditionellen Gemälde mit Hilfe dieses Programms. Er arbeitet bereits seit 10 Jahren mit der Software und stellt seine Bilder in diversen Ausstellungen vor.