
gulli:news: Sie haben bereits mehrere Bücher veröffentlicht, die die Problematik des Zinssystems und der Geldschöpfung behandelt haben. Können Sie den LeserInnen grob schildern, wie es nach Ihren Erkenntnissen zu der jetzigen Weltfinanzkrise kommen konnte? Kam diese Krise für Sie überraschend?
Bernd Senf: Diese Krise kam für mich nicht überraschend - im Gegenteil. In meinen Veröffentlichungen zu wirtschaftlichen Fragen habe ich seit vielen Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass das bestehende Geld- und Zinssystem Spannungen hervor treibt, die sich nach einigen Jahrzehnten immer mehr krisenhaft zuspitzen und entladen müssen. Diese These habe ich schon im Titelbild meines Buches "Der Nebel um das Geld" angedeutet, das 1996 in 1. Auflage erschienen ist und inzwischen die 10. Auflage erreicht hat. Dort wird eine Verbindung von Geld und Zins dargestellt, aus der fünf Blitze hervor schießen - als Symbol für krisenhafte Spannungsentladungen: die Krise der Wirtschaft, der Umwelt, der Gesellschaft, des Staates und der 3. Welt. Später folgten weitere Veröffentlichungen, zum Beispiel 2001 mein Buch "Die blinden Flecken der Ökonomie", in dem ich unter anderem heraus gearbeitet habe, warum wesentliche Theorien der Wirtschaftswissenschaft für diese Zusammenhänge blind sind, während der Sozialreformer Silvio Gesell schon vor hundert Jahren einen wesentlichen Kern des Problems klar erkannt und benannt hat, aber weitgehend unbeachtet blieb. Tatsächlich waren ja die meisten Wirtschafts- und Finanzexperten von der jüngsten Weltfinanzkrise völlig überrascht, weil sie mit ihren abstrakten und realitätsfernen Theorien den Blick vor den tieferen Ursachen der Weltfinanzkrise verschlossen hatten. So ähnlich, als würde man beim Wetter den Blick immer nur nach Osten richten, wo der Himmel noch blau ist, während sich im Westen schon ein gewaltiges Unwetter zusammen braut - und die, die vor dem Unwetter warnen, einfach ignorieren.
gulli:news: Welche Problematik ist denn im Zinssystem angelegt?
Bernd Senf: Der Zins spielt in mehrfacher Hinsicht eine Rolle im Wirtschaftsgeschehen, zum Beispiel als Sparzins und als Kreditzins. Wer Geld bei der Bank anlegt, erwartet auf den angelegten Betrag einen jährlichen Zins, und wer einen Kredit bei der Bank aufnimmt, muss dafür jährlich Zinsen zahlen. Das scheint so selbstverständlich wie das Amen in der Kirche oder sogar noch selbstverständlicher. Allerdings bringt das auf die Dauer mehrerer Jahrzehnte - gesamtwirtschaftlich betrachtet - immer mehr Probleme mit sich. Denn das Geldvermögen wächst durch den Zinseszins in beschleunigtem Maße an, was man exponentielles Wachstum nennt. Und das ist nur möglich, wenn irgendwo anders im Gesamtsystem die Verschuldung ebenso wächst - und mit ihr die jährlich von den Schuldnern zu leistenden Zinszahlungen, die als Zinslasten auf ihnen lasten. Die Zinserträge der einen, die zum Wachstum ihres Geldvermögens führen, sind nämlich die Zinslasten der anderen. Beides sind Spiegelbilder. Das sollte eigentlich das kleine Einmaleins der Ökonomie sein, aber kaum jemand ist sich dieses grundlegenden und untrennbaren Zusammenhangs bewusst.
Exponentiell wachsende Zinslasten könnten aber nur problemlos erwirtschaftet werden, wenn auch das Sozialprodukt exponentiell wachsen würde, und genau das ist auf Dauer in einer Welt begrenzter Ressourcen und Absatzmärkte unmöglich. Wenn es aber langsamer wächst oder gar - wie derzeit schrumpft, wird ein immer größerer Teil dieses Kuchens allein durch Zinslasten aufgefressen: ein krebsartiger Prozess.
gulli:News: Sie bringen eine Analogie zwischen dem Organismus des Geldsystems und z.B. dem System eines menschlichen Organismus. Für viele Leute klingt das recht hanebüchen.
Bernd Senf: Der Zins ist wie der Krebs des sozialen Organismus. Deswegen müssen nach ein paar Jahrzehnten nach 50, 60, 70 Jahren immer mehr Schuldner unter der krebsartig wachsenden Schuldenlast zusammenbrechen: private Haushalte, private Unternehmen, der Staat, die Dritte Welt. Und aus der Sicht der Gläubiger müssen sich die vermeintlichen Vermögen entwerten, weil die Forderungen gegenüber den Schuldnern nicht mehr einzutreiben sind. Dann kommt es zu Kettenreaktionen, zu drohenden Bankzusammenbrüchen, zu staatlichen Rettungsschirmen usw. Letztendlich müssen dafür die Staatsbürger die Zeche zahlen, die wohl deswegen so heißen, weil sie für die Staatsschuld bürgen. Die Immobilienkrise in den USA war lediglich ein Spielfeld von vielen, auf denen dieses "Spiel" gespielt wurde.
gulli:News: Die Ökonomen weltweit müssten doch von der Zinsproblematik wissen und davon, dass mit diesem Geldsystem Krisen vorprogrammiert sind. Wieso wird denn daran festgehalten?
Bernd Senf: Das ist tatsächlich schwer zu begreifen. Diejenige Wissenschaft, die doch eigentlich die Aufgabe haben sollte, wirtschaftliche Zusammenhänge möglichst klar zu beschreiben und Ursachen von Fehlentwicklungen aufzuzeigen, verschließt bislang am meisten die Augen vor der Problematik des Zinssystems. Und die wenigen, die öffentlich darauf verweisen, müssen sich auch noch üble Abstempelungen gefallen lassen. Stattdessen bekommt der Zins einen scheinwissenschaftlichen Segen: als wichtiger Regulator innerhalb einer Marktwirtschaft - neben den Preisen und den Löhnen. Durch das Zusammenspiel von Zinsen, Preisen und Löhnen an den Kapital-, Güter- und Arbeitsmärkten käme angeblich das Beste für alle heraus: "Optimale Allokation der Ressourcen" nennen das die Ökonomen (damit es keiner versteht, sondern einfach nur glaubt). Die herrschende Ökonomie ist längst zu einer neuen Weltreligion geworden. Und wer das Glaubenssystem grundlegend in Frage stellt oder erschüttert, ist ein Ketzer. Früher hat man die Ketzer verbrannt, heute werden sie einfach ignoriert - nicht nur von der Wissenschaft, sondern auch von einem Großteil der Medien und der Politik. Und wenn das nicht reicht, werden sie diffamiert.
Die Ideologie des Neoliberalismus wurde in den letzten Jahrzehnten im Zuge der Globalisierung der ganzen Welt aufgedrückt.
Profitiert haben davon nur ganz wenige Reiche und Einflussreiche, die große Mehrheit der Weltbevölkerung gehört zu den Verlierern und zu den Opfern. Und die Wirtschaftswissenschaften haben sich dazu hergegeben, ein solches System, das nur wenigen Herrschenden dient, scheinwissenschaftlich zu legitimieren. Deswegen heißt die herrschende Wissenschaft wohl auch "herrschende Wissenschaft": weil sie Herrschaftswissen schafft.
gulli:News: Sind die Maßnahmen, die die Regierung bis jetzt auf den Weg gebracht hat, nach Ihrer Einschätzung angemessene und wirksame Mittel zur Überwindung der Krise?
Bernd Senf: Sowohl die politischen Diskussionen über die Weltfinanzkrise als auch die Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung sind nach meinem Eindruck überwiegend an der Oberfläche stecken geblieben. Die tieferen Ursachen wurden kaum aufgezeigt, und die Maßnahmen wie Rettungsschirme für marode Banken oder die Abwrackprämie für ältere Autos haben den Charakter von Symptombekämpfung. Aus der Medizin wissen wir, dass durch bloße Symptombehandlung oftmals schwerwiegende "Nebenwirkungen" ausgelöst werden, die später zu Hauptproblemen werden können, und Ähnliches gilt für den sozialen Organismus einer Wirtschaft. Konfliktverdrängung führt zu Systemerstarrung und zunehmender Destruktion - wo immer sie in lebenden Systemen stattfindet, und das gilt auch für diesen Zusammenhang.
Eine der Nebenwirkungen, die immer mehr zum Hauptproblem werden wird, ist die als Folge der staatlichen Rettungsschirme noch einmal drastisch gestiegene Staatsverschuldung.
Eine andere Nebenwirkung ist die schon wieder in Gang kommende Börseninflation durch Überflutung der Finanzmärkte mit Unsummen von Geld, die von den Zentralbanken aus dem Nichts geschöpft und in die Wirtschaft gepumpt worden sind. Schon vor Zuspitzung der Krise hatte ich von "Börsenfieber und kollektivem Wahn" geschrieben - oder vom "Wahnsinn des durchdrehenden Kapitalismus" und aufgezeigt, wohin dieser Wahnsinn treibt.
gulli:News: Die Mehrheit der Menschen befasst sich gar nicht mit den Hintergründen des Geldes, wie es entsteht, woher es kommt. Können Sie unseren LeserInnen das in wenigen Worten erklären.
Bernd Senf: Als wir in meiner Generation als Kinder fragten: "Wo kommen die Babys her?" bekamen wir als Antwort: "vom Klapperstorch". Inzwischen besteht darüber unter den Kindern unserer Gesellschaft zum Glück mehr Klarheit. Dazu bedurfte es einiger Aufklärung. In Bezug auf die Frage "Wo kommt eigentlich das Geld her" (wenn sie überhaupt gestellt wird) befindet sich ein Großteil der Gesellschaft immer noch im Stadium des Märchens vom Klapperstorch. Und selbst die Wirtschaftswissenschaften tragen wenig Grundsätzliches zu einer Aufklarung bei. Deswegen bedarf es hierzu einiger Aufklarungsbücher und -filme. Dazu will ich selbst einiges beitragen. Meine ökonomischen Bücher seit 1996 tragen alle den Untertitel "Ein Aufklärungsbuch".
Das Geld im bestehenden System ist Schuldgeld, das heißt es kommt als Schuld auf die Welt. Die Zentralbank (z.B. die EZB) schöpft das Geld aus dem Nichts, lässt zum Beispiel ein Stück Papier als Euro oder als Dollar bedrucken und bringt diesen Geldschein auf dem Weg über Kredit in den Wirtschaftskreislauf - verbunden mit Zinsen, Tilgung und Sicherheit.
Der Zins, den die Zentralbank erhebt, wird Leitzins genannt. Zum Beispiel geht der Kredit an eine Geschäftsbank, die ihn im einfachsten Fall (mit einem gewissen Zinsaufschlag) weiter leiten kann: an private Haushalte, private Unternehmen oder an den Staat, die sich insoweit gegenüber der Geschäftsbank verschulden. Die Schuldner müssen diesen Kredit also verzinsen und tilgen, und wenn sie das nicht schaffen, wird ihnen ihr Eigentum als Kreditsicherheit verpfändet und zwangsversteigert, um die ausstehenden Forderungen einzutreiben. Es droht ihnen also ein Eigentumsverlust, und die Angst davor treibt sie an. Die Abfolge "Kreditbedarf - Verschuldung - Enteignung" ist übrigens ein Grundmuster, das sich wie ein Thema mit Variationen durch die Geschichte des Geldes zieht.
Im bestehenden Geldsystem müssen immer wieder Schuldner zusammenbrechen, so wie im Spiel "Die Reise nach Jerusalem" in jeder Runde ein Mitspieler ausscheiden muss, weil gegenüber der Zahl der Mitspieler immer ein Stuhl zu wenig im Spiel ist. Im Schuldgeldsystem müssen entsprechend immer mehr Gelder (Kredite plus Zinsen) zurückgezahlt werden, als auf dem Weg über Kredite in den Kreislauf hinein geflossen sind. Der Zusammenbruch der Schuldner ist demnach nicht "ihre Schuld", sondern systembedingt und würde sich auch dann einstellen, wenn alle Schuldner gewissenhaft gewirtschaftet hätten. Er ist auch nicht unbedingt die Schuld der Banken, die vielleicht leichtfertig Kredite vergeben haben, denn sie stehen ja selbst unter "monetärem Stauungsdruck", das ihnen anvertraute Geld zum Beispiel durch Kreditvergabe zu mehr Geld werden zu lassen. Das Problem liegt in den Spielregeln des Systems - und erst in zweiter Linie und als Folge davon in dem Verhalten der Wirtschaftsteilnehmer. Die Spielregeln gilt es also grundlegend zu verändern, dann kann sich auch das Verhalten ändern.
gulli:News: Wer hat denn eigentlich das Zentralbanksystem etabliert? Können Sie uns etwas über die Gründung der Fed sagen?
Bernd Senf: Vor der Gründung von Zentralbanken lag die Schöpfung von Banknoten in der Hand von privaten Geschäftsbanken. Die Banknoten waren anfangs noch zu 100 % durch Gold gedeckt, später nur noch zu einem Bruchteil. Durch die Zentralbank wurde schließlich ein allgemeines gesetzliches Zahlungsmittel in Umlauf gebracht, was durchaus sinnvoll sein kann. Problematisch war die Art und Weise, wie und durch wen dies geschah. Die durch Jahrhunderte hindurch sehr einflussreiche "Bank von England" zum Beispiel wurde 1694 als eine private Aktiengesellschaft gegründet und mit dem (falschen) Schein versehen, es handele sich um eine staatliche Institution. Der damalige König Wilhelm III. von Oranien hat dieser Privatbank das Privileg zur Schöpfung des allgemeinen gesetzlichen Zahlungsmittels erteilt und musste sich schließlich selbst (wie alle seine Nachfolger) bei dieser Bank gegen Zinsen verschulden und geriet immer tiefer in die Staatsverschuldung - eine Absurdität, die kaum ein Ökonom thematisiert hat, und kaum ein Journalist oder Politiker. Es blieb eine besondere Art von Bankgeheimis.
Eine andere Fragwürdigkeit war die Gründung der US-amerikanischen Notenbank FED (Federal Reserve System), die schon vom Namen her den Anschein erweckt, sie sei eine bundesstaatliche Institution ("federal" heißt übersetzt: föderal, bundesstaatlich). Sie wurde aber von einem privaten Bankenkartell auf den Weg gebracht - unter bewusster Täuschung der amerikanischen Öffentlichkeit und des Kongresses, der das entsprechende Gesetz unmittelbar vor Weihnachten 1913 verabschiedete. Sie steht auch heute noch unter wesentlichem Einfluss einer privaten Finanzoligarchie. Nur das Dach und die Fassade dieses Gebäudes haben zum Teil staatlichen Charakter, aber die tragenden Säulen (die 12 regionalen Fed-Banken) sind im Besitz privater Bankiersfamilien. "Doch wie's da drin aussieht, geht niemanden was an" - obwohl die ganze Welt von der Hegemonie des US-Dollar sowie vom Weltgeld-Betrug betroffen ist.
gulli:News: Wie stehen Sie zur Freiwirtschaftslehre, die ja ein vom Zins befreites Geldsystem fordert? Es gibt doch dafür auch ein schönes Beispiel in der Geschichte des 20. Jahrhunderts, nämlich das "Wunder von Wörgl".
Bernd Senf: Die Freiwirtschaftslehre geht zurück auf Silvio Gesell, der unter anderem die Problematik des Zinssystems sehr klar erkannt und Vorschläge für eine grundlegende Reform des Geldsystems entwickelt hat. Ich halte sehr viel davon, was nicht heißt, dass ich in allem mit ihm oder den Anhängern dieser Lehre überein stimme. Gesell sah die tiefere Ursache des Zinses darin, dass im bestehenden Geldsystem das Geld von denjenigen, die es übrig haben, der Realwirtschaft entzogen werden kann und nur gegen einen hinreichend attraktiven Zins wieder für den Kreislauf frei gegeben wird - auf dem Wege über Kredit. Wenn der attraktive Zins in der Realwirtschaft nicht mehr erwirtschaftet werden kann, würde sich das Geld dem Kreislauf verweigern und entweder gehortet oder in die Spekulation abfließen. Dadurch kann es zu Störungen im Fließprozess des Geldes kommen - mit gesamtwirtschaftlich verheerenden Folgen.
Um dem zu begegnen, schlug Gesell die Einführung einer "Umlaufsicherungsgebühr" auf dasjenige Geld vor, das der Realwirtschaft entzogen wird - durch Horten oder Spekulation. Um dieser Gebühr auszuweichen, würde das sonst entzogene Geld dem realwirtschaftlichen Kreislauf zugeführt, könnte Nachfrage nach Sozialprodukt entfalten und eine Wirtschaftskrise überwinden und in Zukunft vermeiden. Außerdem würde das Zinsniveau durch das erhöhte Geldangebot am Kapitalmarkt von selbst sinken - und mit ihm würden sich auch die zinsbedingten Krisensymptome (von denen weiter oben schon die Rede war) abschwächen.
Diese geniale Idee wurde 1932 zur Zeit der Weltwirtschaftskrise unter anderem von der österreichischen Stadt Wörgl in einem Modellversuch mit Regionalgeld umgesetzt, der überaus erfolgreich war. Während ringsum die Wirtschaftskrise immer dramatischere Ausmaße annahm, erlebte Wörgl mit diesem umlaufgesicherten Geld ein wirtschaftliches Wiederaufblühen der Region, und die Arbeitslosigkeit ging innerhalb eines Jahres um 25 % zurück. Man sprach sogar vom "Wunder von Wörgl, und viele andere Städte und Gemeinden wollten diesem Beispiel folgen - übrigens auch in den USA. Es war damals die Österreichische Nationalbank, die diesem hoffnungsvollen und zukunftweisenden Ansatz ein Ende bereitete, und in den USA war es Präsident Roosevelt, der stattdessen auf den bundesstaatlichen New Deal als groß angelegtes Konjunkturprogramm setzte.
gulli:News: Auf Ihrer Website steht als Überschrift ein bemerkenswerter Satz: "Die Lösung der Blockierung ist die Lösung - behutsam, nicht gewaltsam." (interessant ist auch das dazu passende Video) Was meint dieser Satz bezogen auf das Geldsystem?
Bernd Senf: Das Bezeichnende an dem "Wunder von Wörgl" und ähnlichen Projekten war doch folgendes: Kleine Einwirkungen (wie die Umlaufsicherungsgebühr) - am richtigen Punkt angesetzt - führten zu großen Auswirkungen im Sinne einer Selbstheilung des sozialen Organismus einer Wirtschaft - ganz ähnlich wie in der Akupunktur beim Menschen, wenn die Nadeln an den richtigen Punkten gesetzt werden. In beiden Fällen gilt: Die Lösung der Blockierung ist die Lösung, das eine Mal bezogen auf den gestörten Fluss des Geldes, das andere Mal bezogen auf den gestörten Fluss der Lebensenergie. Geld und Lebensenergie sind jeweils Medien, die die Teile des Gesamtsystems mit einander verbinden und deren gestörter Fluss den betreffenden Organismus krank werden lässt. Ihr ungestörter Fluss bildet hingegen die Grundlage von Selbstregulierung und Selbstheilung. Allerdings gibt es in der Wirtschaft nicht nur einen Problempunkt, an dem anzusetzen ist (wie manche Freiwirtschaftler meinen), sondern mehrere.
gulli:News: Welche Reformen des Geldsystems würden Sie als notwendig erachten, um solchen Wirtschaftskrisen wie 2009 entgegen zu wirken bzw. sie in Zukunft zu vermeiden?
Bernd Senf: Nach meinen Erkenntnissen gehört neben dem Installieren einer Umlaufsicherungsgebühr auch noch das Thema "Geldschöpfung" dazu, und zwar nicht nur in der Hand von Zentralbanken, die unabhängig vom privaten Bankensystem oder von privaten Bankiers sein sollten. Geldschöpfung gehört in öffentliche Hand, allerdings nicht in die Hand von Regierungen, die sie allzu leicht missbrauchen könnten, sondern in die Hand einer unabhängigen staatlichen Instanz, die ich "Monetative" nenne, einer weiteren Säule innerhalb der so genannten staatlichen Gewaltenteilung - neben der Exekutive (der Regierung), der Legislative (dem Parlament) und der Judikative (dem Rechtssystem). Die Monetative könnte dem Staat jeweils neu geschöpftes Geld in begrenztem und wohl dosiertem Umfang zinslos und tilgungsfrei zur Verfügung stellen und ihn dadurch nach und nach von Staatsschulden und Zinslasten entlasten.
Was den wenigsten Menschen bewusst ist, ist die Tatsache, dass auch die privaten Geschäftsbanken Geld schöpfen können - über das Zentralbankgeld hinaus, das ihnen von den Bankkunden anvertraut worden ist oder das sie sich bei anderen Banken oder bei der Zentralbank geliehen haben.
Gemeint ist das so genannte "Giralgeld", das sind die Sichtguthaben auf Girokonten, mit denen man ja auch bezahlen kann durch Überweisung oder Kreditkarte. Für aus dem Nichts geschöpftes Giralgeld, das den Kreditnehmern als Guthaben auf ihr Girokonto gebucht wird (und für das nur zu einem Bruchteil Bargeldreserven erforderlich sind) verlangen die Banken auch noch Zinsen, für die es eigentlich überhaupt keine Rechtfertigung gibt.
Im Übrigen orientieren sie sich bei ihrer Geldschöpfung in keiner Weise an gesamtwirtschaftlichen Zielen, sondern lediglich an ihrem privaten Gewinninteresse. Das führt dazu, dass in Phasen des Wirtschaftsaufschwungs auf "Deubel komm raus" Kredite aus neu geschöpftem Geld vergeben werden, während nach drohenden oder tatsächlichen Bankpleiten das Gegenteil der Fall ist, was in eine Kreditklemme einmünden kann. Ein gebranntes Kind scheut das Feuer. Es finden also Übertreibungen in der einen wie in der anderen Richtung statt, die zu Instabilitäten im Wirtschaftsablauf (siehe. Irving Fischer: das Buch "100%-Money - 100% Geld") führen bzw. diese verstärken. Die Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken ist ein weiterer Teil dessen, was ich "Bankgeheimnis Geldschöpfung" nenne, und es wird höchste Zeit, dass auch dieses Geheimnis gelüftet wird, um den Weg für eine grundlegende Reform des Geldsystems frei zu machen, durch die den privaten Geschäftsbanken die Möglichkeit der Giralgeldschöpfung genommen wird. Entsprechende Reformvorschläge sind unter dem Begriff "Vollgeldreform" von Joseph Huber und James Robertson ("Geldschöpfung in öffentlicher Hand") bereits entwickelt und sollten mehr und mehr in die öffentliche Diskussion einfließen.
Ohne derartige grundlegende Reformen im Geldsystem wird die Weltwirtschaft nur von einer Krise in die nächste taumeln.
Prey Gilgrim & Ghandy: Herr Senf, vielen Dank für dieses ausführliche und dabei interessante Gespräch! Sehr aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang auch das Interview mit dem Autoren und Kommunikationsberater Dr. René Zeyer!
(Bilder von berndsenf.de & joergweis.wordpress, thx!)
News Redaktion am Samstag, 29.08.2009 04:22 Uhr
Quasi Level 1 für Bankster-Noobs, dass sollte es auch sein.. :D:D Danke für den Link.. Level 2 [url=http://board.gulli.com/thread/1492487-interview-die-wahren-ursachen-der-finan ...
Die Verlinkung zum Interview ist *defekt (: Der hier sollte funktionieren: http://www.gulli.com/news/die-weltfinanzkrise-ein-blitz-2009-08-29 Das Interview ist unterhaltsam - mehr nicht. ...
Die Verlinkung zum Interview ist *defekt (: ...
nein ...
Das halte ich für ein Gerücht. Der Mittelstand in Deutschland hat in den letzten 20 Jahren ziehmlich Federn lassen müssen. Das ist doch aber eher ein Verteilungsproblem. Die Oberschicht kann sich dann halt den vierten Porsche leisten. Mein Verständinisproblem ist halt,warum ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
Kämpfe als Held in diesem einzigartigen Fantasy Game. Viele Gefahren und Abenteuer erwarten dich!
spielen
Erschaffe deine eigene Insel und erobere die Welt. Krieg oder Wachstum - deine Strategie entscheidet!
spielen
Werde Gladiator und kämpfe im antiken Zeitalter um Ruhm und Ehre. Gehe Bündnisse mit anderen Spielern ein und kämpft gemeinsam gegen die schrecklichen Barbaren.
spielen
Ziehe als einsamer Waldläufer oder an der Seite von Kampfgefährten in einem Fantasy-Spiel von Abenteuer zu Abenteuer.
spielen
Tritt gegen legendären Samurai aus Japan des 19. Jahrhundert an und werde der gefürchtetste aller Samurai.
spielen
Tritt in eine epische Schlacht zwischen Werwölfen und Vampiren, in der nur die Stärksten überleben werden, ein.
spielen