
Muxtape war ein verführerisch einfach zu bedienender Service, mit dem man - ganz im Geiste der guten alten Musikkassette - Playlists mit bis zu 12 Titeln aus selbst hochgeladenen MP3s zusammenstellen konnte. Es war abzusehen, dass das den Rechteverwertern ein Dorn im Auge sein würde, und so vermeldete Muxtape Ende August, dass der Dienst "für kurze Zeit" nicht verfügbar sei, bis man ein "Problem mit der RIAA geregelt" habe.
Nun meldet sich Muxtape-Gründer Justin Oullette auf der Startseite des Dienstes zu Wort und berichtet, dass man sich bereits in einer geschlossenen Beta-Phase für die neue Version des Dienstes befinde. Diese setzt das bereits existierende Konzept "Muxtape for Bands" fort und stellt den Dienst als Promotion-Tool in den Mittelpunkt. Bands und Künstler sollen eigene Songs bei Muxtape hochladen, das Layout des Tapes mit CSS ändern können und ähnlich wie ein YouTube-Video in die eigene Website einbetten. Ein Beispiel dafür ist ebenfalls auf der Muxtape-Startseite zu sehen. Angesichts der Einfachheit des Dienstes und dem bisherigen Fehlen eines vergleichbaren Angebots (den Myspace-Player darf man z. B. nicht in andere Websites einbetten) ist vorstellbar, dass "Muxtape for Bands" ein großer Erfolg wird. Die aktuellen Entwicklungen kann man in Muxtapes tumblelog verfolgen.
Sehr aufschlussreich ist die Hintergrundgeschichte des Dienstes, die Oullette auf muxtape.com erzählt. So räumt er mit dem Missverständnis auf, dass Muxtape nur so lange überleben konnte, weil die Labels den Dienst lange nicht bemerkten. Tatsächlich bekam er bereits in der ersten Woche nach Start von Muxtape Anrufe und Post von den Majors, mit denen er recht bald in direkte Verhandlungen trat. Dort machte er gemischte Erfahrungen: Bei Universal sah man das Potenzial des Dienstes und versuchte schnell, zu Lizenzierungsverhandlungen überzugehen, während EMI eher auf Einschüchterungen durch Anwalte setzte und mit hohen Geldstrafen drohte. Von Seiten der Künstler erhielt Justin sehr viel positives Feedback. Oullette erhielt den Dienst, trotz scharfen Gegenwinds, monatelang am Leben. Erst die Lobbygruppe RIAA zwang Muxtape in die Knie, indem sie Justins Accounts beim Website-Hoster sowie bei Amazons S3-Service, wo die MP3s gelagert waren, ohne sein Zutun sperren ließen. Bemerkenswert daran ist, dass Justin Oullette zu diesem Zeitpunkt noch mitten in den Lizenzierungsverhandlungen steckte, die RIAA also komplett unabhängig von den Labels agierte. Erst das war der Punkt, an dem Justin aufgab.
Muxtape wird seine alte Funktionalität nicht zurückgewinnen. Musikfans, die online Mixtapes zusammenstellen wollen, haben dieser Tage dank zahlreicher Reinkarnationen trotzdem eine Menge Möglichkeiten.
Dies ist nur eine Auswahl an Muxtape-Alternativen. Wieder einmal zeigt sich, dass von den Rechteverwertern als illegal klassifizierte Dienste im Web wie eine Hydra fungieren: Schlägt man einem den Kopf ab, wachsen sofort neue nach. Immerhin zeigt die Musikindustrie, dass sie gewillt ist zu lernen: Einen Dienst wie 8tracks nicht zu kriminalisieren ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ernsthaft Gedanken sollte man sich in den Chefetagen der Majors jedoch über die Handlungsweise der RIAA machen. Muxtape war in seiner alten Form ein etablierter, beliebter Dienst, bei dem weitreichende Lizenzierungszugeständnisse direkt und indirekt hohe Einnahmen hätten generieren können. Das übereilte und autarke Vorgehen der RIAA hat diese Chance zunichte gemacht. (fraencko)
(via Heise & techcrunch, danke!)
News Redaktion am Freitag, 26.09.2008 15:49 Uhr
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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