
Biometrie-Experte John Daugman, früheres Mitglied der mit der Überprüfung des Konzepts beauftragten Biometrics Assurance Group (BAG), kritisiert, durch die Verwendung von Fingerabdrücken und biometischen Gesichtsfotos zur Identitätsfeststellung würde es früher oder später zu so vielen Fehlern bei der Erkennung kommen, dass ein Zusammenbruch des Systems drohen könnte.
Bei dem geplanten Konzept werden die biometischen Daten beim Beantragen eines neuen Ausweises mit allen in der Datenbank befindlichen Datensätzen abgeglichen, um zu verhindern, dass jemand verschiedene Identitäten verwendet. Das kann jedoch laut Daugman nicht funktionieren. Grund: Fingerabdrücke und Gesichtsfotos seien nicht einzigartig genug, um Großbritanniens 45 Millionen erwachsene Einwohner daran zuverlässig unterscheiden können. Daugmann rechnet vor, dass selbst eine Fehlerquote von einer fehlerhaften Erkennung in einer Million Fällen bei einem Vergleich der Datensätze aller Briten schon eine Milliarde von Fehlern zur Folge hätte.
Daugman empfiehlt statt dessen ein System, das auf der Erkennung der Augen-Iris basiert - ein Thema, mit dem er sich ausgiebig beschäftigt hat. Nur dieses biometische Merkmal habe genug zufällige Eigenschaften und sei einzigartig genug, um bei einem System wie dem geplanten eine zuverlässige Erkennung zu gewährleisten. Die Verwendung von Fingerabdrücken sei dagegen vor allem bei älteren Menschen problematisch, die oft zu trockene Haut oder keine klar erkennbaren Fingerabdrücke haben. Diese Kritik war auch in Deutschland oft zu hören, beispielsweise vom Chaos Computer Club in dessen Stellungnahme gegen biometrische Personalausweise.
Die britische Regierung will derweil von Problemen nichts wissen. Ein Sprecher des zuständigen Ministeriums verwies darauf, dass "Problemfälle" einfach von menschlichen Experten nachkontrolliert würden. Das sei bei der zu erwartenden Anzahl problematischer Fälle "vollkommen praktikabel". Auch Außenministerin Jacqui Smith wiegelt ab: Probleme mit der automatisierten Erkennung von Fingerabdrücken seien "so außergewöhnlich, dass sie kein Problem darstellen werden, welches das gesamte Konzept unterminiert". (Annika Kremer)
(via silicon.com, thx)
News Redaktion am Samstag, 27.09.2008 18:05 Uhr
Lars Sobiraj am 04.02.2012, 11:32 Uhr
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Lars Sobiraj am 09.02.2012, 11:40 Uhr
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