
Wer bis Februar 2008 Musik im Onlineshop von Wal-Mart erstanden hat, bekam gestern eine E-Mail, die besagte, dass in knapp zwei Wochen der DRM-Server des Musikservices abgeschaltet wird. Grund: Seit Februar bietet Wal-Mart nur noch DRM-freie Musik an. Dies hat zur Folge, dass ab dem 9. Oktober im Falle einer Neuinstallation des Betriebssystems auf dem Rechner, der die Musik speichert, alle DRM-"geschützten" Songs unbrauchbar werden, da sie nicht mehr per Web reaktiviert werden können. Lakonisch gibt Wal-Mart einen Tipp, wie die Musik zuvor gesichert werden kann:
"Falls Sie geschützte WMA-Dateien vor dem Februar 2008 von unserer Seite erstanden haben, empfehlen wir dringend, dass Sie ihre Songs als Audio-CD auf einen Rohling brennen. Durch diese Sicherung sind Sie in der Lage, von jedem PC aus auf ihre Musik zuzugreifen."
Dass es Mühe macht und Kosten verursacht, Audio-CDs zu brennen, dass eine Deadline von zwei Wochen äußerst knapp bemessen ist und dass der Rücktransfer in ein für tragbare Player lesbares Format nicht nur mit einem merklichen Qualitätsverlust einher geht, sondern de facto illegal ist, lässt Wal-Mart unerwähnt.
Leidtragende sind wieder einmal jene Kunden, die für ihre Musik gezahlt haben. Warum der Shop an jene Kunden, die DRM-geschützte Musik gekauft haben, nicht einfach Gutscheine für die DRM-freien Pendants ausgibt, ist unklar. Möglicherweise liegt der Grund bei Dezimierungen im Angebot: Eine Kommentatorin bei Boing Boing gab an, dass sie im Zuge dieser Neuigkeit versuchte, sieben Songs erneut herunterzuladen, die sie vor drei Jahren im Wal-Mart-Musikshop erstanden hatte. Kein einziger davon sei mehr im Angebot und damit downloadbar gewesen. Aber auch auf die Idee, zumindest CD-Rohlinge für die DRM-Opfer in ihren zahlreichen Supermarkt-Filialen kostenlos auszugeben, kommt Wal-Mart nicht.
Die Handelskette reiht sich mit dieser Aktion in die zukünftig sicher noch häufiger zu vernehmende Geschichte von Onlineshops ein, die denken, mit einer kurzen E-Mail könne man die unbequeme DRM-Vergangenheit einfach wegwischen und zur Tagesordnung übergehen. Zuletzt dergestalt aufgefallen waren MSN-Music, die ihre Server ab August dieses Jahres abschalten wollten, nach massiven Protesten die Schutzfrist jedoch bis 2011 verlängerten sowie Yahoo! Music, dessen DRM-Songs nur noch bis Ende dieses Monats in ihrer Abspielbarkeit gesichert sind. Es bleibt der schale Nachgeschmack von Unternehmen, die nicht einmal die Konsequenz ziehen können, für den Fehler, auf das miserable Konzept 'Digital Rights Management' gesetzt zu haben, geradezustehen. (fraencko)
Bild: Lone Primate (cc)
(via Boing Boing, thank you!)
[Update 10.10.:] Nach Kritik in den Medien hat sich Wal-Mart entschlossen, die DRM-Server nun doch nicht abzuschalten.
News Redaktion am Freitag, 10.10.2008 13:04 Uhr
Die Musikindustrie hats doch sowieso verpennt ihre Musik richtig zu vermarkten. Anstatt die Lieder für 50 Cent oder so anzubieten muss man sie teilweise für 1,30 EUR kaufen. Wärs billiger würde es auch wesentlich weniger illegale Downloader geben über die sie immer so jammern. Aber damals wie h ...
lol Ich glaube auf der Waldorfschule dürfte der prozentuale Anteil derer die 50c und Bushido hören am niedrigsten sein. ;) hatte damit die rapper selbst gemeint, nicht die hörer ...
Wal-Mart, irgendwo habe ich das schon mal gehört....... Ach ja das waren doch die, die ihr Handelsimperium nach Deutschland ausweiten wollten, und mit mehreren Milliarden Euro Verlust, den Schwanz einkniffen und wieder verschwanden. :D ...
dazu kommt noch die "arbeit" eines 50cent und bushido. du willst mir nicht ernsthaft sagen, dass dieses waldorfschulenniveau schwer zu kreieren ist?:confused: lol Ich glaube auf der Waldorfschule dürfte der prozentuale Anteil derer die 50c und Bushido hören am niedrigste ...
Hat das jemanden gewundert ? Mich nicht wirklich. Ich hab noch nie Musik bei DRM-Stores gekauft. Wer so blöd ist: selbst schuld. Irgendwo steht das sicher auch noch in deren AGB's drin, dass eine Abschaltung jederzeit möglich ist etc. Wer bei solchen Knebelverträgen auch noch Geld hinlegt, dem ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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