Dr. Schäuble, oder wie ich lernte die Bombe zu lieben.
Der Rückblick auf diese Woche beginnt nicht am Montag, sondern er beginnt im Oktober 2006. Das BKA veröffentlichte ihre Stellungnahme zur "Kleinen Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Petra Pau, Kersten Naumann und weiterern Abgeordneten der Fraktion DIE LINKE" und gab Auskunft über die Datenbestände, die man vom Bundesbürger und auf der ganzen Welt mit anderen Geheimdiensten vernetzt bereits gesammelt hatte.
Interessanterweise kam man bei der Zahl der Fälle, die außerhalb anderer Raster wie Kinderpornogafie aufgezählt wurden, bei der Internetkriminalität auf niedliche 50 Fälle. Vorige Woche in Report hieß es: "Das Bundeskriminalamt warnt: Immer mehr private PCs werden in Online-Netzen, in so genannten Botnetzen, kriminell aktiv. Allein 2006 war das 750.000 Mal der Fall." Ob man nun dem BKA oder Report glauben schenkt, sei dahingestellt, aber der Sprung von 50 auf 750.000 alarmiert den Mann im Rollstuhl, der uns seither hyperaktiv mit Sicherheitsfragen traktiert. Die Schutzschilde werden hochgefahren. Man muss deshalb eigentlich "Deckel auf" und nicht "Deckel drauf" über diese Glosse schreiben. Die Büchse der Pandora ist weit geöffnet.
Allein in dieser Woche ballen sich die Meldungen: Geheimdienste wie das FBI dürfen auch in Deutschland Hacker verhaften. Da erinnert man sich ungern an Jonny Hell. Spiegel online schrieb dazu: Agenten des amerikanischen Secret Service haben in Deutschland einen estnischen Hacker gestellt - offenbar auf eigene Faust. In der Praxis sieht das fast so aus, dass die Sheriffs zugreifen, den Colt und die Hundemarke aufblitzen lassen und ab mit ihm ins Hackergefängnis. Das Talent bekommt erst mal eine Gehirnwäsche, um dann für die Jungs mit den drei Buchstaben zu arbeiten. Der Rechtsstaat wird nachgereicht.
Neu im Angebot auch eine Anwendung (Geode), mit der man den physischen Standort eines Users bestimmen kann. Durch Angebote wie Google Trends oder Google Earth geriet "big G" schon häufiger in die Kritik. Beobachter werfen dem Unternehmen immer öfter vor, die Werte für Datenschutz und Anonymität aus kommerziellen Gründen hinten anzustellen.
Gemütlich saugt man sich die Anleitung für die Bombe herunter, die man ergoogelt hat und zack! Die Wand zum Nachbarn bricht in sich zusammen und die Sheriffs haben wieder Einen in Sack.
Man arbeite ihm zu, dem Mann im Rollstuhl, er muss die Möglichkeiten nur mal kombinieren lernen. Da hat er uns schon die niedlichen Hackertools weggenommen. Dann ärgern wir uns mit dem Bundestrojaner rum. Der Mann ist auch für den einzigen Trojaner für den Mac mitverantwortlich, glaubt mir. Ein weiterer Vorstoß nun die "deutsche Mail", Tarnname De-Mail.
Wenn man sich satirisch mit Herrn Schäubles Fantasien auseinandersetzt, dann kann es sein, dass man sich schnell in seiner heimischen Hexenküche sieht. Man bastelt gerade mal wieder an einer Atombombe herum und überlegt sich, welchen Staat man heute lahmlegen soll, natürlich nicht mit der Bombe, sondern mit dem privaten Botnet im Keller. Man will uns glauben machen, das sei ein übliches Szenario.
Während klein Hacker von gegenüber schon für das Herumwühlen in einer fremden Mailbox 5 Jahre Knast droht und andere für jede Spammail, die sie rausgehauen haben blechen müssen, übt der Mann im Rolli den Großangriff und man fragt sich, ob die Idee der Bundes-Mail wieder so enden wird, wie der Bauer im Maishäcksler oder ob sie in Kombination mit den neuen und alten Möglichkeiten dieser Woche zu mehr (sagen wir es mit den Politikerworten) "zu mehr Sicherheit" führen.
"Alles, ich will alles!" Jeder nur eine deutsche Email, "jeder nur ein Kreuz!"
Es muss eine andere Welt her, seine saubere, eine ohne diesen ganzen digitalen Schmutz!
Er verlegt also neue Glasfaserkabel in jede Wohnung, von der Steckdose geht es direkt ins Gehirn und dann haben wir die Standleitung zum Bürgerdenken, inkl. Fernsteuerung des selbigen.
Leider funktioniert das nur in Deutschland, Bayern stellt sich als Testgelände zur Verfügung und alles klappt prima, bis auf diesen kleinen Zwischenfall, dass alle Daten geklaut werden. Die Telekom als Partner versagt mal wieder. Die Bayern stehen ohne Identität da, ohne De-Mail ist man kein Bundesbürger mehr, ohne Bürger kein Staat.
Ach, aber das ist alles nicht so schlimm, wenn nicht plötzlich wie im Film von Kubrik, der so ähnlich heißt wie die Überschrift, dem man im Rollstuhl die Hand ausfährt und es aussieht, wie ein verbotener Gruß. Nein, er will schon zu den Guten gehören, aber die Ideen, an denen hapert es gewaltig.
(Bildquellen: political cartoons & informiert wolfgang.de, thx!)
News Redaktion am Dienstag, 14.10.2008 07:46 Uhr
Naja muss ich mich wenigstens nicht mehr wundern, wenn Mr Gulli gerade erst seinen Whedienst ableistet ...
sehr fein - so eine frische agression und ehrlichkeit! bis jetzt grade wir mir das alles neu was ihr deutschen da durchmachen müsst... Mir reicht eigentlich schon das mir alles vor der Nase wegzensiert wird... sollte heute nicht alles sicherer sein? - weil moderner? warum passiert dan heute so vi ...
gut, mal frischen Wind zu bekommen. Ansonsten schön geschrieben, hält mindestens das übliche Niveau der Glosse.:T ...
Gute Bilder, schön geschrieben! ...
Man hab ich gelacht, danke dafür! Bitte mehr von dir, total genial geschrieben! :T :D ...
Heutzutage ist die Internettelefonie neben Fest- und Mobilnetztelefonie immer gefragter. Per Internet zu kommunizieren ist nicht nur komfortabler und billiger, man ist zudem unabhängig von Tarifen, welche nur eine bestimmte Gesprächszeit günstig ermöglichen. Also wieso nicht auch Internet-Telefonie nutzen?
Lars Sobiraj am 14.05.2013, 13:52 Uhr
Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags steht seit vielen Jahren den Bürgern und Gruppen für ihre Anliegen offen. Wir haben uns kürzlich mit einem der 80 Mitarbeiter des Hauses unterhalten. Da seit der Gründung nur sehr wenige Gesetzesänderungen durch Petitionen entstanden sind, wollen wir den Sinn dieser Institution hinterfragen. Dies ist vorerst der letzte Teil unserer Interview-Serie.
Lars Sobiraj am 12.05.2013, 12:51 Uhr
Wie ein 73-jährige Japaner beweist, kann man das am häufigsten benutzte Tabellenkalkulationsprogramm Microsoft Excel nicht nur für reguläre Berechnungen einsetzen. Tatsuo Horiuchi erstellt ausnahmslos seine traditionellen Gemälde mit Hilfe dieses Programms. Er arbeitet bereits seit 10 Jahren mit der Software und stellt seine Bilder in diversen Ausstellungen vor.