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Überwachung: Neue Sicherheitssysteme setzen auf Verhaltensanalyse

"Traditionelle" Überwachungssysteme wie beispielsweise Überwachungskameras haben aus Sicht ihrer Anwender und Befürworter einen entscheidenden Nachteil: Sie benötigen menschliche Intervention zur Bewertung der gesammelten Informationen. Das ist mitunter schwierig zu bewerkstelligen

Dabei müssten nicht nur Personen und Objekte, sondern auch "verdächtiges Verhalten" erkannt werden. Es existieren mehrere Konzepte für solche Firma, die meisten davon sind jedoch noch im Experimentalstadium. Nicht so bei der Firma Cybernet Systems, die unter anderem Forschung für die US Army betreibt: Cybernet Systems hat bereits mehrere dieser Systeme an sicherheitsrelevanten Orten angebracht. Mehr davon sollen demnächst folgen.

Eines der Merkmale, die die Systeme analysieren, ist die Art, wie eine Person geht und sich bewegt. So soll beispielsweise festgestellt werden können, ob jemand Explosivstoffe mit sich trägt.

Einige Systeme sind sogar in der Lage, den Kontext eines Verhaltens mit in die Analyse einzubeziehen. So ist es beispielsweise an bestimmten Orten verdächtig, längere Zeit stehen zu bleiben, während ein solches Verhalten beispielsweise an einer Bushaltestelle vollkommen normal und unverdächtig ist. Laut James Davis, einem Experten für Videoüberwachungssysteme von der Ohio State University in Columbus, finden solche Systeme bereits Verwendung.

Als nächster Schritt sollen Gesichtsausdrücke mit analysiert werden. Als besonders interessant stufen Experten dabei sogenannte "micro-expressions" ein. Dabei handelt es sich um winzige, nur kurz (oft nur eine Zehntelsekunde) auftretende Anzeichen für bestimmte Emotionen im Gesicht eines Menschen. Diese sind, im Gegensatz zum allgemeinen Gesichtsausdruck, so gut wie gar nicht bewusst kontrollierbar und geben daher viel über den wirklichen Gemütszustand und eventuell die Motive eines Menschen preis. Menschliche Beobachter allerdings übersehen diese "micro-expressions" erfahrungsgemäß teilweise. Die automatisierten Systeme sollen diesen Fehler nicht machen.

Mit Hilfe dieser Merkmale sollen Menschen, die beispielsweise aggressiv wirken oder unter erhöhter Anspannung stehen, herausgefunden werden können. Die Erkennungsraten sind bereits recht gut; so wurden in Versuchen bis zu 80% derjenigen, die Aggressionen an den Tag legten oder eine "Bombe" an den Kameras vorbeischmuggeln wollten, erkannt.

Allerdings wurden auch mehrere Personen, die nicht bewusst verdächtiges Verhalten an den Tag legten, vom System fälschlicherweise als verdächtig eingestuft. Diese sogenannten "active failures" bei Sicherheitssystemen können ein ernsthaftes Problem darstellen. Einige Experten argumentieren sogar, dass das System diskriminierend ist, da beispielsweise Menschen, die aus repressiven Staaten kommen, in Gegenwart von Autoritäten eher Stresssymptome zeigen. Das aber würde sie für das System verdächtig machen. In anderen Fällen könnten so triviale Dinge wie erhöhter Stress, weil man zu spät für die Arbeit dran ist, einen Alarm auslösen.

Bürgerrechtler befürchten eine extreme Anzahl falscher Verdächtigungen oder gar eine Umkehrung der Beweislast hin zum Beweis der Unschuld durch solche Technologien und vergleichen diese teilweise sogar mit den Zuständen im Film "Minority Report". Dort werden Menschen, die ein Verbrechen planen, "präventiv" dafür bestraft, indem ihre Gedanken überwacht werden. Mit Sicherheit eine Übertreibung, aber es zeigt die Ängste und Zweifel, die solche Pläne bei vielen kritisch eingestellten Menschen auslösen. (Annika Kremer)

(via Economist.com, thx)

(Bild: Der Blick durch eine Glasscheibe auf einen Kontrollraum am Stephansplatz: Kameraüberwachung in Wiener U-Bahnen. Allerdings noch ohne jegliche Verhaltensanalyse - Foto: Lars Sobiraj)

News Redaktion am Sonntag, 26.10.2008 05:31 Uhr

tagsTags: kameraüberwachung us army minority report columbus cybernet systems micro-expressions ohio state university sicherheitssystem

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15 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • am0kk am 27.10.2008 09:01:33

    das ist der Punkt, aber uns jetzt noch in die richtige richtung zu drehen kann niemand erwarten, wir müssen nun damit leben das man uns angst macht um uns zu kontrollieren Eben nicht! WIR müssen uns drehen. Unser Denken, Handeln ändern. Immer brav diesen Abschaum zu wà ...

  • KidZler am 26.10.2008 22:05:30

    Ich wurde von 3 mit Pistolen(!) bewaffneten in einer wiener Ubahnstation direkt im Blickwinkel einer Kamera überfallen. Obwohl der Überfall sicher eine gute Minute wenn nicht sogar länger gedauert hat, hat niemand der Leute, die eigtl die Kameras überwachen sollten die Polize ...

  • Jizzy B am 26.10.2008 20:03:44

    Allein die Überschrift erinnert mich an den neuen Streifen "Eagle Eye"...jetzt wird mir klar, wie aktuell doch das darin behandelte Thema wirklich ist :confused: ...

  • setamagiga am 26.10.2008 19:16:39

    und ihnen Ängste einredet. das ist der Punkt, aber uns jetzt noch in die richtige richtung zu drehen kann niemand erwarten, wir müssen nun damit leben das man uns angst macht um uns zu kontrollieren statt das man uns von angst befreit, und uns alle in liebe miteinan ...

  • Annika_Kremer am 26.10.2008 17:16:35

    Verhindern können Kameras Straftaten natürlich nicht, aber zumindest können sie, vorrausgesetzt jemand schaut auch laufend auf die Monitore, dazu beitragen, dass Hilfe geholt wird. Weil Zivilcourage (ihr glaubt doch nicht dass ich damals alleine in einer U-Bahn Station war und ...

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