
Flickr feierte heute sein dreimilliardstes Photo. Das Schwarz-Weiß-Bild einer Tür in nicht mehr ganz perfektem Zustand. Ein, alles in allem, mittelmäßiger Schuss. Die Photos des ägyptischen Journalisten, Bloggers und Menschenrechtlers Hossam El-Hamalawy sind ebenfalls häufig Schwarz-Weiß. Seine Motive allerdings sind oftmals weitaus kontroverserer Natur. El-Hamalawy gilt als einer der wichtigsten Dokumentatoren der ägyptischen Demokratiebewegung.
Nun wurde ausgerechnet eine Reihe von Photos aus Irland von Flickr so eingeordnet, dass sie nur für eingeloggte Benutzer zu sehen waren. Die Photos zeigen unter anderem palästinensische Flaggen und IRA-Schriftzüge. Auf Anfrage von El-Hamalawy wurden die Photos zwar wieder als "sicher" kategorisiert, eine Begründung für die zeitweilige Teilzensur blieb aber aus.
El-Hamalawy vermutet daher eine anti-palästinensische Haltung hinter dem Vorgang. Genährt wird sein Verdacht auf politische Hintergründe dadurch, dass er mit seiner Anfrage auch noch von einer zweiten Maßnahme gegen ihn erfuhr. Flickr teilte dem professionellen Photographen mit, dass sein Account nicht mehr für Suchmaschinen auffindbar sei.
Als Grund für diese Einordnung als "NIPSA (Not in public search area)" verweist Flickr auf Punkt zwei seiner Community-Richtlinien. In der deutschen Fassung heißt es dort:
"Laden Sie nur Inhalte hoch, die wirklich von Ihnen stammen. Respektieren Sie das Urheberrecht anderer. Sie sollten keine Fotos oder Videos stehlen, die andere freigegeben haben, und als eigene Inhalte weitergeben. (Hierfür gibt es Favoriten.)"
El-Hamalawys Einwand, dass er keine Photos stehle, sondern vielmehr die Zustimmung seiner unter den Photos genannten Kollegen Nasser Nouri und Amr Abdallah zur Veröffentlichung auf Flickr habe, wurde ignoriert. Genauso wie die Tatsache, dass El-Hamalawy schon lange Werbung für Flickr als nützlichen Service für ägyptische Dissidenten macht und seine Photos dort eine wichtige dokumentatorische Aufgabe erfüllen.
Unterstützung erhält der Dissident unter anderem von Nora Younis, wie er Journalistin, Bloggerin und Menschenrechtlerin. Younis wurde erst im vergangenen Monat mit dem Human Rights Award der Organisation Human Rights First ausgezeichnet. Zur Erklärung hieß es, sie
"... repräsentiert eine wachsende Bewegung junger Aktivisten, die neue Medientechnologien - Blogs und Websites wie Flickr und YouTube - nutzen, um Menschenrechtsverletzungen aufzudecken und zu dokumentieren."
Trotzdem schließt sich Younis El-Hamalawy in der Drohung an, Flickr zu verlassen, sollte der Fall nicht vollends aufgelöst werden. Dabei kann der Blogger noch von Glück reden, dass es ihm nicht so ergangen ist wie seinem Kollegen Wael Abbas. Dessen Account wurde von Facebook gleich komplett gelöscht.
Zwar ist der Account mittlerweile wiederhergestellt worden. Auf eine Erklärung wartet Abbas, der dieses Jahr für seine Berichterstattung über Folter in Ägypten als erster Blogger mit dem renommierten Knight Award ausgezeichnet wurde, allerdings bisher vergeblich. Ende 2007 hatte die Löschung von Abbas' Account durch YouTube weltweite Schlagzeilen gemacht, weil das Videoportal die Dokumentation von Folter als unzulässige Gewaltdarstellung einsortiert hatte.
Die Maßnahmen gegen Abbas und El-Hamalawy werfen auch kein gutes Licht auf die gerade erst gegründete Global Network Initiative. In deren Eigenbeschriebung heißt es:
"Um [...] die Menschenrechte der Meinungsfreiheit und Privatsphäre zu schützen und zu befördern hat eine breite Koalition aus führenden Informations- und Kommunikationsunternehmen, großen Menschenrechtsorganisationen, Wissenschaftlern, Investoren und Technologieführern die Global Network Initiative gestartet."
Zu den beteiligten Unternehmen gehören unter anderem der Flickr-Eigner Yahoo! und Facebook-Großaktionär Microsoft. Bei den Tochterunternehmen scheint die Message noch nicht angekommen zu sein. (Simon Columbus)
(via Global Voices Online, thx!)
News Redaktion am Mittwoch, 05.11.2008 23:23 Uhr
7 alternativen zu flickr ...
Eine böse Überraschung erlebten in den letzten Tagen zwei ägyptische Blogger und Menschenrechtler. Während Flickr den Account des einen als unsicher einstufte und teilweise zensierte, löschte Facebook das Profil des anderen gleich komplett. Flickr feierte heute sein dreimilliardstes Pho ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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