
Manch einer, wie zum Beispiel die Nationale Geographische Sicherheits Agentur (NGA) bemüht noch um Geheimniskrämerei, wenn es darum geht, zu erklären, wie man die neuesten, hoch auflösenden Satelliten-Fotos von Afghanistan in die Hände bekommen hat, auf denen die US-Bodentruppen dabei zu sehen sind, wie sie sich auf unzugänglichem Gelände zu neuen Manövern formieren.
Dabei zapft die NGA nicht das Netz der Regierung und deren Netz von Spionagesatelliten an, sondern sie bekommen die Bilder von kommerziellen Anbietern. Das ist so ziemlich das gleiche Material, das jeder erhalten kann. Entweder durch kostenlose Online-Programme wie Google Earth, oder man kauft sie bei den gleichen Unternehmen, die Uncle Sam mit Bildern eindecken.
Vor ein paar Jahren vollzog sich diese bemerkenswerte Wende, als die Warnungen von Sicherheits-Experten in den USA und weltweit ignoriert wurden und man ALLEN, nicht nur den Supermächten, Zugang zu hochauflösenden Satelliten-Fotos des gesamten Planeten gewährte - auch Terroristen und Schurkenstaaten.
Im vergangenen Monat sendete der mächtigste kommerzielle Satellit in der Geschichte erste Bilder zur Erde, und ein anderer mit ähnlichen Fähigkeiten wird Mitte 2009 zu senden beginnen. Die Bilder, die von diesen und anderen kommerziellen Satelliten kommen, haben die globale Großsicherheitslage grundlegend verändert.
Auch die mächtigen Nationen sind gezwungen, Einrichtungen und Aktivitäten zu verstecken, die nicht nur für rivalisierende Nationen sichtbar sind, sondern auch für eigene Bürger.
"Es gibt eine Menge Möglichkeiten, die wir ohne [klassifiziertes] Bildmaterial nicht hätten", sagt Jack Hild, ein stellvertretender Direktor am NGA, die Bilder und Kartierungen für die Verteidigung und inländische Sicherheitsaufgaben erstellen.
Die Bilder der Regierungs-Satelliten sind besser als kommerzielle Fotos, aber wie viel besser sie wirklich sind, ist ein Geheimnis. Nur Menschen mit speziellen Sicherheitsbefugnissen dürfen sie sehen. Bundesstellen nutzen das kommerziell angebotene Bildmaterial, um Notfallmaßnahmen zu koordinieren und die Öffentlichkeit während einer Naturkatastrophe zu informieren.
Es wird auch von Wissenschaftlern der Regierung zur Überwachung von schmelzenden Gletschern oder zum Erforschen von Auswirkungen einer Dürreperiode auf die Landwirtschaft genutzt.
Als die kommerziellen Satelliten-Fotos das erste Mal auf den Markt kamen, war die Reaktion: "Wir können es nicht zulassen, dass diese Bilder jeder sehen darf, weil man könnte uns damit Schaden zufügen", sagt Hild. Daran hat sich nichts geändert, aber "...wir denken, die Vorteile überwiegen die Risiken weit."
Andere Länder teilen diese Einschätzung. Die US-und ausländischen Regierungen schließen Verträge über die Belieferung mit kommerziellem Bildmaterial mit Unternehmen wie z. B. Digital Globe und GeoEye - die beide Fotos bereitstellen für Google Earth.
"Die meisten unserer Einnahmen sind von Regierungen", sagt Mark Brender, Vize Präsident von GeoEye. Die Firma bekam 2007 die Hälfte ihrer Einnahmen von der US-Regierung und 35 Prozent von ausländischen Regierungen. "Sie haben eine Kernkompetenz im Verständnis wie man diese Technologie nutzt - und einen Auftrag die nationale Sicherheit zu wahren."
Im August 2006 brachte die Islamische Armee im Irak ein Lehrvideo in Umlauf, auf dem zu sehen war, wie man Raketen auf US-Militär-Ziele abfeuert unter zur Hilfenahme der Website Google Earth. Es endete mit der Bildunterschrift "Islamische Armee im Irak / Die Militärische Entwicklungseinheit- Die Vorbereitung für Raketen Angriffe."
Das Video bestätigte die Vorhersagen zur Katastrophe, die von Sicherheitsexperten in den USA und überall auf der Welt gemacht wurden. Google begann, den freien Internet-Zugang zu weltweiten Satellitenbilder 2005 zu erlauben. Beamte in so unterschiedlichen Ländern wie Australien, Indien, Israel und den Niederlanden beschwerten sich öffentlich, dass "es ein Segen für die Terroristen und feindliche Staaten sei", vor allem da diese Bilder oft auch Koordinaten enthielten.
Tatsächlich wurden einige Terroranschläge mit Hilfe von Google Earth geplant, einschließlich eines Ereignisses in 2006 im Jemen, in dem Terroristen Bomben in Gebrauchtwagen hochgehen ließen, um Öl-Einrichtungen zu zerstören. Dem Pentagon zur Folge wurde das zu Grunde liegende Bildmaterial von Google Earth und anderen kommerziellen Quellen in Häusern, die von der Al-Qaida und anderen Terror-Gruppen genutzt wurden, sichergestellt.
Viele Sicherheits-Experten sagen, diese kommerziellen Bilder würden wenig zur Verbesserung der Fähigkeiten solcher Organisationen beitragen.
"Man kann die gleichen Informationen gewinnen", wenn man mit einer Karte und einem GPS-Gerät herumläuft, sagt John Pike, Direktor von GlobalSecurity.org, einer Forschungsorganisation, spezialisiert auf die Verteidigung und Abwehrpolitik. Die Bilder "könnten jemandem genaue Koordinaten [für ein Ziel] liefern, aber sie müssen präzise Waffen ... und die Fähigkeit haben, die tatsächlichen Ziele genau zu bestimmen. Leute, die denken, dass diese Bilder einem magische Fähigkeiten verleihen, sehen zu viele Tom-Clancy-Filme. "
Dennoch, die Regierungen der Welt haben eine Vielzahl von Maßnahmen als Reaktion auf die Entstehung von Google Earth und anderer kommerzieller Bildmaterial-Anbieter ergriffen.
In einem vertraulichen Bericht vom Juli 2008 der CIA, der durch einen Verband von Amerikanischen Forschern bekannt gemacht wurde, heißt es:
- Verhandlungen. Einige Nationen haben Google und andere Unternehmen gefragt, ob sie bestimmte Bilder vom Markt nehmen könnten, so der Bericht. Zum Beispiel sollte Google Earth ältere Bilder von Teilen des Irak verwenden, außerdem werden Bilder von sensiblen US-Orten, wie zum Beispiel das Pentagon unkenntlich gemacht.
-Verbote. China hat den Verkauf kommerzieller Bildern, dem Bericht zu Folge, "nicht genehmigt". Im Sudan hat man Google Earth ganz verboten. In 2006 haben in Bahrain Beamten Google Earth verboten, aber der CIA-Bericht stellt fest, dass damit wohl nur erreicht werden sollte "die Lage von prächtigen Wohnhäusern und Grundstücken" nicht Preis zugeben. Die Reichen des Landes sollen unbehelligt bleiben.
- Kaufen und Verkaufen. Mehrere Länder, wie China und Thailand sind selbst in den Verkauf von Satellitenbilder eingestiegen. Auch Indien verkauft seine Agentenfotos kommerziell, so der Bericht. Viele Länder, denen eigne Satelliten-Fähigkeiten fehlen, sind begeisterte Käufer von kommerziellen Bildern, da sie ihre Sicherheitspolitik braucht.
- Tarnen und Täuschen. Viele Länder haben ihre Bemühungen verstärkt, um sensible Einrichtungen zu verschleiern. Entweder bauen sie unterirdisch oder sie versuchen durch Blendanstriche in die Irre zu führen, so der Bericht. Andere, wie Indien, haben ihre Fähigkeit verbessert zu erkennen, wann welche Satelliten das Land überfliegen, um sensible militärische Aktivitäten, dann durchzuführen, wenn die Augen aus dem Orbit "geschlossen" sind.
"Wir arbeiten aktiv mit Organisationen und Regierungen zusammen ..., um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Sicherheitsanliegen und den Bedürfnissen der Endverbraucher zu finden", sagt Chikai Ohazama, Chef der Produkt-Manager von Google Earth. Sensible Standorte sind oft verdeckt durch Satelliten-Betreiber bevor Google die Bild erhält, fügt er hinzu. Oft spielt das aber keine Rolle ", weil die Bilder bereits aus anderen Quellen zur Verfügung stehen."
Die Anzahl der Quellen für Satellitenbilder wächst weiterhin, angeheizt nicht nur von Regierungen, sondern auch durch eine Explosion durch die öffentliche Nutzung.
In diesem Monat hat GeoEye, den besten kommerziellen Super-Satelliten in Betrieb genommen - er ist in der Lage bis auf die Größe des Anstosspunktes auf einem Fußballfeld heranzuzoomen - und die NGA zahlt die Hälfte der 475 Millionen Dollar, die er kostet.
Im nächsten Jahr wird Digital Globe einen weiteren Satelliten mit ähnlicher Auflösung und anderen neuen Fähigkeiten auf eigene Kosten betreiben.
"Je öfter man kommerzielle geographische Daten nutzen kann, um so besser",sagt Rick Oborn, Sprecher der National Reconnaissance Office.
Der Appetit auf kommerzielle Bilder der breiten Öffentlichkeit wird weiter wachsen, da die Technologie weit mehr leistet, als mal das eigene Haus auf Google Earth zu finden.
Nicht-Regierungsorganisationen haben kommerzielle Bilder zum Beispiel dazu genutzt, um verheerende Angriffe auf Dörfer in Darfur von der Janjaweed-Miliz zu dokumentieren. Sicherheits-Experten aus Forscherkreisen haben den Bau neuer Raketen Basen in Nord-Korea beobachtet. Umweltschützer verwenden die Bilder, um die Auswirkungen der globalen Erderwärmung zu dokumentieren.
"Auf eine gewisse Weise hat diese Art der Nutzung der Bilddaten auch viel mit nationaler Sicherheit zu tun", sagt Steven Aftergood, ein Sicherheits-Experte bei der Gemeinschaft von Amerikanischen Wissenschaftlern. "Es ist ein außergewöhnliches Werkzeug [um] Transparenz in den Staat zu bringen. ... Und es muss so bleiben."
(via technewsworld Danke!)
(Bildquellen: DigitalGlobe, GeoEye, CNBC, thx!)
News Redaktion am Montag, 10.11.2008 18:40 Uhr
ich weiß jetzt nicht wie gut die Quellen sind, auf die sich der Autor des Buches beruft, das ich gelesen habe (oder wars in nem Film? (Tom Clancy wars nicht.)), aber: Spionage-Satelitten können so nah ran zoomen, dass man ne Ameise oder kleinere Lebewesen auf der Erde erkennen kann (das ist vllt n ...
Wen jucken denn die Bilder? Wenn überhaupt, dann ist GPS das Problem. Normalerweise sollte es ja auch abgeschaltet werden, wenn Gefahr im Verzug ist. Immerhin ist es mittlerweile kinderleicht, einen GPS-gesteuerten Flugkörper zu basteln. ...
Macht euch mal keine Gedanken: Auch mit noch so viel Geld ist keine Sicherheit durch Satellitenaufnahmen möglich. Bevor die gesendeten Bilder auch nur im irdischen Rechenzentrum auf Platte gespeichert sind, ist die Rakete schon da. Raketen fliegen nicht mit Propellerantrieb, sondern *etwas* schn ...
Ich schätze, da bin ich mit 0,00 € Verdienst auf der falschen Seite. :confused: Ich frage ja nur, weil ich direkt neben einem großem US-Stützpunkt wohne. Wenn dorthin jetzt jemand dank prima Sateliten Bildern paar Bomben schickt, will ich es gerne vorher wissen, damit ich mein P ...
Der war gut... :D Solche Privilegien haben nur die "Guten". Sage mir wieviel du im Jahr verdienst und ich sage dir auf welcher Seite du stehst und ob du diesen Service nutzen darfst. Ich schätze, da bin ich mit 0,00 € Verdienst auf der falschen Seite. :confused: Ich frage ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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