
Vergegenwärtigen wir uns folgendes Schreckensszenario: In der Titelgeschichte des Spiegels "Macht das Internet doof" (Heft 33/2008) konnte man lesen, dass Google darüber nachdenkt, eigene Serverfarmen auf schwimmenden Untersätzen hinaus über die 7 Meilen Zone zu ziehen, um sie überall verfügbar zu haben, dort wo sie gerade gebraucht werden auf der Welt. Dank Toshiba und anderen Mini-Reaktor-Herstellern gibt es dann auch die nötige leistungsstarke Energieversorgung. Außer Rechenleistung und Energieversorgung braucht es nicht viel und fertig ist der eigene Staat. Auf offener See oder in der Abgeschiedenheit einer Wüste braucht man sich dann nur noch an die eigenen Gesetze zu halten.
Heutzutage hinken die Utopien der Wirklichkeit hinterher. Die US-Regierung hat die Technologie lizenziert, mit der die in Arizona ansässige Firma Hyperion plant, eine neue Generation von Miniatur-Kernreaktoren auf den Markt zu bringen. Der Hyperion-Hydrid-Reaktor ist nicht viel größer als ein Whirlpool, ist völlig abgeschottet und für den Eigen-Betrieb vorgerüstet, hat keine beweglichen Teile und außer "Nachfüllen", erfordert die Maschine keinerlei Wartung. Der Reaktor wird eine Leistung von 27MW (Mega Watt) bringen, genug um 20000 Wohnungen zu versorgen, sagt Hyperion Energy, der Hersteller des neuen Reaktors. Die ersten Modelle werden das Fließband in fünf Jahren verlassen.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Kernreaktoren, nutzt das Hyperion-Modell kein Wasser für die Kühlung, das heißt, er kann praktisch überall eingesetzt werden, auch in der Wüste. Der Reaktor ist so konzipiert, dass er zunächst in Beton eingegossen und dann vergraben wird, um während des Betriebes, die Gefahr der Überhitzung zu reduzieren. Der Reaktor muss alle 7-10 Jahre ausgegraben werden, um neu befüllt zu werden, aber ansonsten kann er völlig ungestört arbeiten. "Unser Ziel ist es Strom für 10 Cent pro Watt überall auf der Welt zu erzeugen", sagt Hyperion Geschäftsführer John Deal. Er meint weiter, dass schon mehr als 100 Bestellungen aufgegeben wurden, sowohl von der Öl- und Strom-Industrie, sowie von jungen Nationen. Die geringe Größe des Reaktors macht ihn ideal für kleinere, isolierte Gemeinschaften, die dadurch die hohen Kosten für High-Power-Stromleitungen vermeiden können.
Da Strom zu jeder einzelnen Betriebsstunde produziert wird, ist die Gesamtenergieleistung 15 mal größer, als beim weltweit größten 150 Meter hohen 5 MW Windkraftrad. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 25 Millionen US-Dollar. Er erzeugt keine Treibhausgase, während des Betriebs und auch, wenn man die gesamte Herstellung berücksichtigt, kommt er auf viel weniger Kohlenstoff-Ausstoß als sogar bei der Wind-oder Solarenergie nötig sind.
"Wir haben jetzt eine Sechs-Jahre-Warteliste", sagt Deal. "Wir befinden uns in Gesprächen mit den Entwicklern auf den Cayman-Inseln, Panama und den Bahamas".
Der Reaktor verwendet einen Uran-Hydrid-Kern, umgeben von Wasserstoffgas. Der Brennstoff ist nicht angereichert, d. h. er kann nicht verwendet werden, um eine nukleare Waffe herzustellen.
Hyperion plant drei Fabriken für die Massen-Produktion der Reaktoren. Im ersten Schritt sollen die Kosten weiter gesenkt werden, im nächsten Schritt die Stückzahl gesteigert.
Toshiba, Nummer 1 auf dem Atom-Markt in Japan, arbeitet auch an einem eigenen Mini-Kernreaktor, dem "4S". Laut Firmenangaben stehen die vier S für "super-safe, small, and simple" - also super sicher, klein und einfach. Der 4S basiert auf einem kleinen 10 MW Modell, das bis zu seiner Nachfüllung 30 bis 40 Jahre arbeitet. Der 4S ist Natrium-gekühlt, und nutzt flüssiges Lithium-6, um den Reaktor zu drosseln, anstelle der herkömmlichen Kontroll-Stäbe, die normalerweise die Geschwindigkeit der nuklearen Kettenreaktion regulieren und kontrollieren. Wie Hyperions Modell ist der Reaktor vollständig versiegelt und erfordert keinerlei Wartung während des Betriebs.
Toshiba sagt, der Reaktor wird für weniger als 5 Cent pro kWh Strom herstellen. Eine Testversion des 4S ist geplant. Er soll 2012 in Alaska in einem Dorf namens Galena ans Netz gehen. Toshiba plant, den 4S danach für den Verkauf in Nordamerika und Europa anzubieten.
Auch die Startup Firma NuScale arbeitet an einem eigenen Mini-Reaktor-Design.
Schon 2005 sagte ein Fachmann von www.atomicinsights.com Bezug nehmend auf den Toshiba S4:
"Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele der Wartungsfragen ungeklärt sind, die für so eine lange Zeit bedacht werden müssen. Dampfleitungen aus Stahl rosten, Ummantelungen werden spröde, Ventile und Kondensatoren benötigen eine regelmäßige Reinigung und Inspektion, Dampf-Lecks sind nach wie vor tödliche Gefahrenquellen für die Betreiber, Dampfgeneratoren erfordern eine sorgfältige Kontrolle und Überwachung, Wasser-Reinigungs-Systeme sind nach wie vor ein Muss, und Turbinen-Schmierung braucht sorgfältige Handhabung."
Und auch wenn die Firmen die Entsorgungsfragen schleifen lassen - das Zeug strahlt ja nur eine Million Jahre - Power to the People! hat schlagartig eine ganz andere Bedeutung. (double screening)
(via dailytech Danke!)
News Redaktion am Mittwoch, 12.11.2008 09:44 Uhr
Noch kurz zur Speicherproblematik: Das Problem ist nicht Tag/Nacht, sondern eher Sommer, Winter usw. Um konventionelle Kraftwerke auszugleichen können Gas oder Pumpspeicherkraftwerke eingesetzt werden. Diese können aber nur mit einer gewissen Leistung Pumpen, wenn jetzt die WKAs zu 80-90% ausgelas ...
Ah, meine Fehler, es gab aber noch weitere relevante Inhalte und zweitens wurde die Stromausfall Problematik wohl meinen Informationen nach durch Erdbeben und Tsunami verursacht, die Sache ist jetzt allerdings auch schon eine Weile her und die Berichterstattung war alles andere als sachlich und info ...
In wie fern bezieht sich das überhaupt auf das was du zitiert hast Warte mal: Das ging in Fukushima lediglich nicht weil das Teil sowohl von einem Erdbeben als auch von einem Tsunami getroffen wurde Letztenendes war es in Fukushi ...
Ogott .... Hier sind ja sogar nobelpreisverdächtige Sonntagserfinder am Werk. :p Haben wir auch noch Argumente? Denn ein paar Tausend Liter in ein Becken zu füllen ist siehe Schwimmbad alles andere als ein Problem und Wasser hat für seinen Preis sehr gute Ka ...
Das stimmt schon, aber sie begünstigen es. Ökologische Auswirkungen des Abbaus fossiler Brennstoffe und Uran, und los. Das Kombikraftwerk löst leider immer noch nicht das Speicherproblem, oder wie sollen die 50-100 TWh hespeichert werden? A ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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