
Kaspersky Antivirus ist Russlands Antiviren-Paket Nummer eins. Der Chief Executive Officer des Unternehmens, Eugene Kaspersky, gab ZDNetAsia jüngst ein Interview, als er an einer Interpol-Konferenz in Singapur teilnahm. Im Gespräch wurden einige klassische Punkte durchgekaut. Darunter die Konkurrenz durch Microsofts Antiviren Software oder die zunehmende Cyberkriminalität.
Einen bemerkenswerten Punkt brachte er jedoch an. ZDNet wollte von ihm wissen, welche drei Dinge er auf der Welt ändern würde, die in Bezug zur IT-Security stehen. Seine schlichte Antwort: Das Internetdesign. Eine sehr pauschale Antwort, so dass die Interviewerin nachbohrte, ob das alles sei. Was solle denn am Internetdesign falsch sein, wollte sie wissen. Die Antwort und anschließende Richtung des Gesprächs war fast erschreckend.
"Dort herrscht Anonymität. Jeder soll und muss identifizierbar sein, oder einen Internet-Pass haben. Das Internet wurde nicht für öffentliche Zwecke entwickelt, sondern für US-amerikanische Wissenschaftler und das U.S. Militär. Das war nur eine limitierte Personengruppe - einige Hundert, vielleicht tausend. Dann wurde es der Öffentlichkeit vorgestellt und es war so unglaublich falsch, ... es dieser auf dieselbe Art vorzustellen", so Kaspersky, "Ich würde das Design des Internets gerne dadurch ändern, dass ich eine Regulierung einführe. Internet-Ausweise, Internet-Polizei und internationale Abkommen über Internet-Standards. Und wenn einige Länder nicht zustimmen oder sich nicht an die Vereinbarung halten, dann kappt sie einfach ab." Eine Mischung aus Netzüberwachung, Three-Strikes-Gesetz und weiteren restriktiven Maßnahmen? Man glaubt auf den ersten Blick, es wäre vielleicht ironisch gemeint und nur ein Scherz.
Doch Kaspersky wird weiter befragt, ob es denn nicht genug sei, dass jeder Anschlussinhaber eine IP-Adresse habe, über die er identifizierbar wäre. Dies bestreitet er: "Man kann sich nie definitiv sicher sein, wer die Verbindung nutzt. Ich kann ein WLAN betreiben, auf das ich per Passwort zugreife, aber ich kann dieses Passwort auch jemand anderem geben, um meine Verbindung zu nutzen. Oder das Passwort wird gehackt. Selbst wenn die IP-Adresse zu einem Internet-Café zurückverfolgt wird, weiß man nicht welcher Kunde oder welche Person hinter der Attacke steckte. Denken Sie mal an Autos. Man hat daran zwar ein Kennzeichen aber man braucht auch einen Führerschein."
Im weiteren führte Kaspersky aus, dass solch ein System nur schwerlich umzusetzen wäre. Es sei teuer, bürokratisch und überhaupt müssten erst einmal alle einen solchen Vertrag unterzeichen. Die Nationen würden die Problematik verstehen, aber man würde hier - nach wie vor - ein nationales Denken anwenden. Das Internet kenne aber keine Landesgrenzen. Es sei eine neue Welt, in der man anders denken müsse.
Interessant ist, dass im Interview zwar alle "positiven" Aspekte erschöpfend dargelegt werden. Eine kritische Auseinandersetzung oder Fragestellung lässt man jedoch vermissen. Matt Zimmerman, Jurist der Electronic Frontier Foundation (EFF) ist darüber wenig begeistert: "Man könnte dieselben Argumente auf die Offline-Welt übertragen. Jeder Einkauf den wir machen sollte aufgezeichnet werden, wir sollten Bargeld verbieten, wir sollten überall Kameras aufstellen, weil in dieser massiven Datensammlung vielleicht etwas aufgezeichnet wird, das irgendjemandem hilft. Aber wir sind auch davon überzeugt, dass die Privatsphäre wichtig genug ist, um gegen solche Auswüchse geschützt zu werden."
Ob man Verständnis für diese Ansichten aufbringen kann? Nach Kasperskys gewünschtem Weltbild müsste beispielsweise die Nutzung von TOR oder ähnlichen Mechanismen illegal werden. Dass aber gerade diese Dienste es sind, die eine zensurresistente Plattform befeuern können und für wirkliche Informationsfreiheit sorgen können. Diesen Aspekt scheint er gänzlich zu vergessen. Insbesondere in China ist die Nutzung von Anonymisierungsdiensten wie TOR zu einem wichtigen Bestandteil geworden. Man kann somit nur hoffen, dass Kasperskys "Wunsch" nach einem "geschlossenen" Internet nicht in absehbarer Zeit Realität wird. (Firebird77)
P.S.: gulli hat bereits im März 2009 ein Interview mit Eugene Kaspersky über Open Source, Bot-Netze und seine Heimat als schützender Hafen von Black Hats durchgeführt.
(via zdnet, thx!)
(Logo via hardwarezone, Foto von Axel Griesch, merci!)
News Redaktion am Sonntag, 18.10.2009 15:03 Uhr
Ich habe meine Freunde, auch aus der sog. " Internetgemeinde". Ich habe keinen Hass auf die sog. "Internetgemeinde". Wie kommen Sie darauf? Ich bin nur damit nicht einverstanden, dass gewisse Blogger die Menschenwürde anderer nicht achten. Wenn Sie der Meinung sind, das ...
Mag ja sein, dass der Herr Kaspersky langsam etwas übermütig wird, aber sein AV Programm ist immernoch erste Sahne und die Erkennungsrate ist sehr gut, wozu auch der Pro Aktiv Schutz ein entscheidendes Stück beigetragen hat. Steigt doch auf Antivir um, viel Spaß dann aber mit ner Menge TramTram ...
Bislang setze ich Kaspersky zu Hause ein und hätte das auch hier nun verwendet, aber in Anbetracht der Dinge suche ich natürlich eine Alternative. Sollte aber nicht zu ressourcenlastig sein, aber trotzdem zuverlässige Erkennungsraten haben. Avira Antivir Premium oh ...
@Zuzulam ... Pack schlägt sich, Pack verträgt sich! @gandalf-x, viel Schlimmer! Ein Blogger hatte ihm einen Abmahncoup versaut ... *hüstel* Nun, sollte das Regionet mit Internetführerschein (das sind nur Synonyme, der Perso wird evtl. reichen ... mit Fingerabdruckscanner und und und ...) kommen ...
Soweit ich mich erinnere wird der OEM-Käufer mit Mc Afee gequält. Kaspersky habe ich noch nie auf einem Fertig-PC vorgefunden. Wortmann verkauft mit ihren Terra PCs und Notebooks teils ein vorinstalliertes Kaspersky >> [url=https://webshop.wortmann.de/commerceporta ...
Lars Sobiraj am 04.02.2012, 11:32 Uhr
Während Die Linke zur Teilnahme an einem europaweiten Aktionstag gegen ACTA aufruft und Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger die Kritik am internationalen Handelsabkommen zurückweist, führte der Jurist Jens Ferner eine ausführliche Analyse jedes einzelnen Artikels durch. Wir fragten ihn, wie gefährlich ACTA tatsächlich ist. In welchem Rahmen bedroht dieses Abkommen unser aller Freiheit?
Lars Sobiraj am 09.02.2012, 11:40 Uhr
In der südenglischen Grafschaft Sussex ereignete sich letzten Monat ein Fauxpas der besonderen Art. Statt einen Einbrecher zu fassen, jagte ein Polizist mit Hilfe von Kameras für etwa 20 Minuten sich selbst. Sein Kollege an den Monitoren hatte ihn nicht erkannt und fand sein Verhalten sehr auffällig. Der beobachtete Mann habe auf heißen Kohlen gesessen, weswegen er dringend tatverdächtig sei.
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