
Im ersten Durchgang der Android Developer Challenge (ADC) konnten die beiden Amerikaner den zweiten Preis für sich verbuchen, was kein Zufall ist. Denn bei genauerer Betrachtung stellt man schnell fest: Die Ideen, die in diesem Programm realisiert werden, wurden sehr geschickt ausgewählt und miteinander kombiniert. Es handelt sich beim vorliegenden Programm nicht etwa um einen weiteren Abklatsch eines uralten Spielkonzepts. Die Entwickler Pisarev und Tapekha betreten, beflügelt von den neuen Möglichkeiten des G1 und seines Betriebssystems Android, echtes Neuland.
"Commandro" nutzt dabei die Fähigkeit des G1, den tatsächlichen Aufenthaltsort eines Spielers bzw. seines Handys, in das interaktive Spielgeschehen einbinden zu können. Das Kind hat natürlich schon einen eigenen Namen. So bezeichnet man die neue Spielidee als MMTRG (mobile multiplayer trans reality game). Das klingt irgendwie ein wenig nach James Bond für Anfänger, beziehungsweise Sherlock Holmes für technikbegeisterte Erwachsene. Da im Verlauf des Spieles ununterbrochen der eigene Aufenthaltsort preisgegeben wird, wollten wir die beiden Herren natürlich auch zu einigen datenschutzrelevanten Aspekten ihrer Entwicklung befragen.
Die beiden Mitbegründer des Projekts - Alexey und Andrey - bezeichnen sich selbst als erfahrene IT-Fachleute, die sich vom Alter her kurz vor der "magischen" 30-Jahres-Grenze befinden. Sie leiten beide Entwicklergruppen für Software und dies, wie sie sagen, im Auftrag von Investmentbanken ersten Ranges.
Pisarey & Tapekha: Wir sind beide begeisterte Befürworter von technischen Verbesserungen, speziell, wenn es um Mobilfunk geht. In unserer Freizeit reisen wir gerne und interessieren uns für Martial Arts (Kampfkunst). Aus der Sicht eines Entwicklers betrachtet ist Android eine ideale Plattform, weil es offen, flexibel und sehr leistungsstark ist. Die Android Developer Challenge (Anm. der Red.: Googles Wettbewerb für Android-Entwickler) war eine tolle Möglichkeit, einen Fuß in die Industrie zu bekommen und etwas völlig Neues zu entwickeln.
Lars "Ghandy" Sobiraj: Bezogen auf den Wettbewerb zwischen dem iPhone, dem G1 oder auch der Hardware anderer Hersteller: Wie sind Ihre Erwartungen bezüglich Apple bzw. die Neuentwicklungen der Open Handset Alliance? Wer wird dieses Rennen gewinnen, wie werden sich dabei die vorgestellten Geräte unterscheiden?
Pisarey & Tapekha: Die meisten Experten, und wir stellen dabei keine Ausnahme dar, stimmen darüber überein, dass sich Android langsam aber sicher zu einem gewaltigen Konkurrenten für das iPhone entwickeln wird. So clever das iPhone konzipiert wurde - das geschlossene proprietäre System und auch alle Innovationen wurden alleine von Apple vorangetrieben. Aber in unserem Fall ist die komplette Community und eine große Anzahl Hardwarehersteller und Mobilfunknetzbetreiber in der Lage, etwas zur Android-Plattform beizutragen.
Lars "Ghandy" Sobiraj: Was glauben Sie, wie wird der Markt für Handys in fünf oder zehn Jahren aussehen? Wird dieses Open Source Lizenz-Modell dabei helfen, dass der Markt wachsen kann? Wie sehen Ihre Visionen bezogen auf diese Hardware in ebenfalls fünf oder zehn Jahren aus?
Pisarey & Tapekha: Wir halten eine Revolution für möglich, wie Menschen künftig mit ihren tragbaren Telefonen umgehen werden. Dieser Umbruch wird durch die neuesten technologischen Entwicklungen unterstützt, die den Handynutzern eine Unmenge an neuen Möglichkeiten eröffnen. Das Open Source-Modell wird dem Markt definitiv dabei helfen, zu wachsen und sich zu entwickeln.
Lars "Ghandy" Sobiraj: Wie weit sind Sie denn nun mit ihrer Applikation "Commandro"? Ist sie bereits fertig?
Pisarey & Tapekha: Die Einbindung der Aspekte eines Sozialen Netzwerkes wurde bereits abgeschlossen. Wir arbeiten derzeit hart daran, die Funktionalität des Spieles zu optimieren und dieses auf das Soziale Netzwerk aufzubauen. Sie können in den nächsten Monaten mit einem rekordverdächtigen Hit rechnen, wenn das Spiel unter Dach und Fach ist.
Lars "Ghandy" Sobiraj: "Commandro" wird eine Menge Fähigkeiten miteinander kombinieren. Sie werden die Aspekte eines Sozialen Netzwerkes integrieren. Sie wollen eine Landkarte implementieren, auf der man sich interaktiv bewegen kann. Zudem wollen Sie den Mitspielern viele weitere Optionen eröffnen, was genau wird mithilfe von "Commandro" alles möglich sein?
Pisarey & Tapekha: Es wird ein völlig neue Sorte Spiel sein. Etwas, was man vorher nie gespielt hat. Es wird ein mobile multiplayer trans reality game (MMTRG) sein, welches die Dynamik einer taktischen Spielhandlung mit alltäglichen strategischen Komponenten verbindet. Außerdem beinhaltet es die Funktionalität eines Sozialen Netzwerkes. Das Spiel soll die Geselligkeit fördern. Es geht primär darum, neue Freunde zu treffen und neue Ortschaften kennenzulernen.
Lars "Ghandy" Sobiraj: Ihr Programm ist in der Lage, den Aufenthaltsort der anderen Mitspieler zu lokalisieren. Wie sieht es aber mit dem Schutz der Privatsphäre aus? Wie werden Sie Ihre Applikation gegen Missbrauch schützen, damit man damit nicht andere Personen überwachen kann?
Pisarey & Tapekha: Der Anwender hat die Verantwortung darüber, wie seine Privatsphäre aufrechterhalten wird. Er kann entscheiden, ob irgendjemand erfahren darf, wo er/sie sich gerade aufhält. Aus der technischen Perspektive betrachtet, wird die Ortsbestimmung per Peer-To-Peer-Methode übermittelt. Wir beharren dabei aber (im Gegensatz zu anderen Anbietern) nicht auf der Nutzung einer zentralen Datenbank. Die Daten werden in dem Umfang sicher und verschlüsselt ausgetauscht, die der Anwender zuvor ausgewählt hat.
Lars "Ghandy" Sobiraj: Was für die gulli:Leser sicher auch von Interesse sein dürfte: Wie kam es dazu, dass Sie eine Peer-To-Peer basierte Architektur für das Client/Server-System ausgewählt haben?
Pisarey & Tapekha: Die Kombination eines P2P basierten Client/Server-Systems war eine absolut logische Entscheidung. Wir haben P2P-Kommunikation überall dort eingesetzt, wo es möglich war. Bei bestimmten Einsatzbereichen bietet sich diese Methode an, um die Vertraulichkeit und den Datenschutz der Nutzer am effektivsten gewährleisten zu können.
Lars "Ghandy" Sobiraj: Viel Erfolg mit Ihrer Entwicklung und ein herzliches Dankeschön an Sie, dass Sie uns für die Beantwortung unserer Fragen so viel Zeit geopfert haben!
Dass sich die beiden Programmierer nicht in der Öffentlichkeit kritisch über das verwendete Betriebssystem äußern, ist absolut verständlich. Andererseits muss man aber auch sagen, dass Open Source nicht automatisch bedeutet, dass eine Software seinen Anwendern auch alle Freiheiten zur Verfügung stellt. Freie Software bedeutet im Normalfall, dass man Zugriff auf den Quellcode der Software hat und diesen dokumentiert verändern darf. Man darf die Programme also gemäß der Lizenz kopieren und verbreiten. Wenn die Käufer eines G1, wie im vorliegenden Fall, an einen bestimmte Anbieter für E-Mails, den Messenger oder die Kalenderfunktion gebunden werden, hat das mit Freiheit sehr wenig gemeinsam.
Wie auch immer: Bis zur endgültigen Fertigstellung und Präsentation des Spiels wird so oder so noch ein wenig Wasser den Rhein hinab fließen, zumal die beiden Entwickler während ihrer "Freizeit" an dem Projekt arbeiten; gulli bleibt am Ball. Wir werden unsere Leser natürlich über den weiteren Verlauf des Projektes informieren. (Lars Ghandy Sobiraj)
News Redaktion am Montag, 17.11.2008 19:06 Uhr
Ja, das wird ja wohl noch was dauern... ...
Jetzt braucht man nur noch das passende Handy ... ...
Die beiden US-amerikanischen Softwareentwickler Alexey Pisarev und Andrey Tapekha haben mit ihrer Applikation "Commandro" offenbar direkt ins Schwarze getroffen. Sowohl das IT-Magazin Wired, als auch der Technologie-Weblog Gizmodo haben diese Neuentwicklung als eine der führenden Applikationen f ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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