
Erstaunlich war beispielsweise, dass es demnächst das schnelle und grafisch aufwendige Spiel GTA Chinatown Wars auch für iPhone und iPod touch geben soll. Was kommt als nächstes? Counterstrike mit Multitouch? Crysis auf einem Display, das problemlos in der Hosentasche Platz findet? Man muss sich doch fragen, ob hier nicht bei dem Versuch, einige Euro zu verdienen, der Spielspaß gehörig auf der Strecke bleiben wird. Man fühlt sich unangenehm an die im Kino propagierte "Massenfilmhaltung" erinnert und fragt sich, ob es nicht zwischen Tuning-Freaks, die jeden Zentimeter Kabel ihres Pcs nachtleuchtend anmalen und ihr ganzes Zimmer mit Flachbildschirmen tapezieren, und GTA auf dem iPhone einen goldenen Mittelweg gibt. Aber daran ließe sich wahrscheinlich weniger verdienen.
Für Aufsehen sorgten auch Cherie Blair, Ehefrau des britischen Ex-Premiers Tony Blair, und ihr zweitältester Sohn Nicky. Ein Skandal epischer Ausmaße erschütterte das Vereinigte Königreich. Hatten die beiden massenhaft gegen Bürgerrechte verstoßen? Pornofilme aufs Spesenkonto gesetzt? Einen kranken, unglücklichen Hacker an die USA auszuliefern versucht? Nein - dergleichen wäre man ja auch in Großbritannien schon gewöhnt. Das Vergehen der beiden bestand vielmehr darin, an einem Unternehmen beteiligt zu sein, das aufstrebende eSport-Teams fördert - unter anderem, und das war der Skandal, einen Counterstrike-Clan. In diesem Spiel werden ja, wie wir seit entsprechenden fundierten und gut recherchierten Medien-Berichten wissen, junge Mütter mit Kinderwagen erschossen und Geiseln gegen Bonuspunkte niedergemetzelt (deswegen hat es bei mir auch nicht mit dem professionellen eSport geklappt: Ich habe einfach nie geschafft, die verdammten Kinderwagen zu finden). Und so eine Orgie der Gewalt wird von Prominenten auch noch unterstützt? Noch dazu von einem gerade mal 23-Jährigen, der wahrscheinlich noch viel zu jung ist für derartige Spiele? Shocking. Dagegen verblassen die anderen Probleme der britischen Politik und Gesellschaft. Spielefans, die sich von den Blairs tatkräftige Unterstützung erhofften, wurden im Übrigen ebenso enttäuscht. Man gab eine Pressemitteilung heraus, in der der Inhalt etwa ebenso gut zu finden war wie in Counterstrike die Babies zum Abknallen - gar nicht. Konsequenz fehlt offenbar nicht nur den meisten Politikern, sondern auch deren Familienangehörigen.
Konsequent zeigte sich dagegen die GVU - allerdings nicht auf eine Art und Weise, die freiheitlich gesinnte Internetnutzer erfreuen dürfte. Man nutzte die Tatsache, dass zahlreiche Warezkiddies nach den Sommerferien wieder im Lande weilten, kurzerhand zu zahlreichen Hausdurchsuchungen. Die Betroffenen dürften mittlerweile recht genau wissen, was es mit dem Begriff "Morgengrauen" auf sich hat - das bemerkte schon der unvergleichliche Rechtsanwalt Udo Vetter, dessen Beitrag zum Schulfernsehen hiermit noch einmal allen, bei denen nicht nur der Postbote morgens klingelt, wärmstens ans Herz gelegt sei. Womöglich findet sich ja wenigstens ein Weg, die Shooter-Sammlung verschwinden zu lassen und so einen nationalen Skandal zu vermeiden.
Eine News der Kategorie "nein, so eine Überraschung" hatte diese Woche auch zu bieten: Fast alle Parteien verstoßen gegen das Datenschutzgesetz. Wer hätte das gedacht. Angesichts des Zustandes unserer Politik ist das erstaunlichste an dieser Mitteilung, dass unsere Polit-Elite immerhin weiß, was Datenschutz überhaupt ist (abgesehen von Frau Zypries, die einmal meinte, informationelle Selbstbestimmung sei lediglich das Wissen darüber, wer was über einen gespeichert habe). Dass man dagegen permanent gegen entsprechende Regeln verstößt - Schwamm drüber. Was macht es schon, wenn Websites zu ungewollten Datenschleudern mutieren und Fraktionsvorsitzende kurzerhand fremde eMails lesen? Es gibt Wichtigeres. Beispielsweise den Kampf gegen den Terror. Oder gegen 23-jährige Killerspielspieler. Nicht zu vergessen natürlich den Wahlkampf - den auch die Web 2.0-Generation tunlichst mit einem "h" schreiben sollte, auch wenn sich der Vergleich mit dem als Fail Whale bekannten Meeressäuger angesichts der Leistungen einiger Parteien förmlich aufdrängt. Mitunter mag man auch befürchten, dass sich die deutsche Politik genauso schwer bewegen lässt wie ein ausgewachsener Pottwal. Nur das Sozialverhalten, das diese Tiere ja ebenfalls auszeichnet - das müssen viele unserer Politiker noch lernen.
Dazugelernt haben die Behörden auch in Sachen IT-Sicherheit - das zumindest will man uns weismachen. Nachdem die baden-württembergischen Behörden-Rechner andauernd von Schadsoftware bedroht wurden, beschloss man nun, Maßnahmen zu ergreifen. Ein normales Unternehmen würde nun ein Sicherheits-Audit durchführen, eventuell auf ein anderes Betriebssystem umsteigen, Schutzsoftware installieren und seinen Mitarbeitern noch einmal einschärfen, nicht auf jeden eMail-Anhang zu klicken, der sie mit wichtigen Dokumenten oder großen Brüsten ködert. Wohlgemerkt - ein normales Unternehmen. Bei Behörden geht man natürlich anders vor. Ein Sicherheitsberater? Viel zu normal - es muss gleich der Verfassungsschutz sich mit der Sache befassen, genauer gesagt natürlich die Abteilung für Spionage-Abwehr (wer also einen guten Namen für seine als Firewall dienende alte Linux-Kiste sucht: "Abteilung für Spionageabwehr" macht wenigstens etwas her). Und auch "Soundso Antivirus" ist den Damen und Herren natürlich zu uncool, um dem Programm seine Sicherheit anzuvertrauen - noch nicht einmal "xy Security Suite" kann in Baden-Württemberg jemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Stattdessen präsentiert man uns stolz... Trommelwirbel... den innovativen Trojanersensor! Was das ist? Das weiß wahrscheinlich noch niemand so genau. Aber wenigstens klingt es gut. Angesichts der IT-Skills der Beteiligten kann man nur hoffen, dass das gute Stück nicht nur auf Holzpferde reagiert.
Angesichts von soviel Pferden, Walen, Bullen, Hornochsen und Enten ist der gulli-interne Zoo schon so gut wie komplett. Man darf gespannt sein, welche Tierarten sich in der nächsten Woche noch hinzugesellen werden. Eines ist sicher - langweilig werden wird uns sicher nicht. In diesem Sinne wünscht die gulli:news-Redaktion allen Lesern eine gute Woche und eine ungestörte Nachtruhe - erschießt keine Kinderwagen! (Annika Kremer)
News Redaktion am Sonntag, 06.09.2009 23:27 Uhr
Wir sollten mal die Pro's gekillerspielen! DIE werden uns verraten wo die Kinderwägen sind... Oder wir fragen einfach Cherie Blair :T Ich glaub, dafür sind wir zwo in der falschen Liga... Womit nur noch die Frau bliebe - oder unsere allseits geliebte so-dunkelbraun-dass- ...
*lach* Ich krach ab... Echt geniale Glosse (nur leider so wahr :rolleyes: ) @Metal_Warrior: Wir sollten mal die Pro's gekillerspielen! DIE werden uns verraten wo die Kinderwägen sind... Oder wir fragen einfach Cherie Blair :T ...
(deswegen hat es bei mir auch nicht mit dem professionellen eSport geklappt: Ich habe einfach nie geschafft, die verdammten Kinderwagen zu finden) Verdammt! Und ich hatte gehofft, du könntest mir bei der Suche helfen... :o :D Angesichts der IT-Skills der ...
du hast dein versprechen gehalten :T (trojanersensor und so ^^). vielen dank für den köstlichen artikel, verdammt lesenswert :p. musicjunkie ...
Vielen Dank :T köstlich :D ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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